Extraschicht 2017

Das Ruhrgebiet kann laut und bunt und ist manchmal auch ein bisschen feucht. Einmal im Jahr schmeißt sich der Pott ins Zeug und feiert die Industriekultur. Ihr kennt das wenn man auf Schicht muß. Man ist schon mal müde und lustlos. Wenn man aber auf Extraschicht muß, dann ist der Pott hellwach. Am letzten Wochenende war mal wieder Extraschicht, die Nacht der Industriekultur. Der einzige der dummerweise faul rumlag war der Sommer, der ein paar Tage vorher noch heiß wie ein Vulkan … aber lassen wir das. Man ist ja vorbereitet, Schirm und Regenjacke gehören zur (Blogger) Standardausrüstung an Tagen wie diesen. Weiterlesen →

Extraschicht 2016

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Wieder ist ein Jahr rum und wieder ist das Wetter alles andere als gut, als am letzten Wochenende die Extraschicht im Ruhrgebiet startet. Extraschicht, für alle die es nicht auf Anhieb wissen, ist die „Nacht der Industriekultur“. Licht- und Feuerzauber, Theater und Musik, Führungen und Feuerwerke, Zutritt zu außergewöhnlichen ehemaligen Industrie- und Zechenstandorten und das quer durchs Ruhrgebiet an 48 Spielorten in 20 Städten. Für alles reicht ein Ticket und ein Abend Zeit. Die Extraschicht startet immer am letzten Juniwochenende, vielleicht schon mal ein Tipp für 2017 :-). Weiterlesen →

Extraschicht 2015

Da stand ich nun ich armer Tor und bin … huch ihr seid ja schon da. Ich überlege mir gerade noch den Einstieg in diesen Beitrag. Vielleicht so … Da stand ich nun am großen Tor und zeigte brav mein Bändchen vor 🙂 gekommen mit den großen Bussen, so dicht gedrängt ich könnt sie ku… ach ne das reimt sich nicht 😀 . Seid umschlungen liebe Leserinnen und Leser zum Extraschichtbericht 2015.

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Es war Samstagnachmittag, mit Bändchen, 100 seitigem Veranstaltungsplan und einem Programm, mit dem andere einen ganzen Monat füllen stand ich bereit. Ich freute mich darauf den Abend draußen zu genießen, in vollen Shuttlebussen zu stehen und mich überraschen zu lassen. 225.000 Menschen sollten an diesem Abend ähnliches tun und 10% davon sind später alleine in meinem Shuttlebus 😉 . Es war wieder einmal Extraschicht im Ruhrgebiet.

Wenn irgendwann im Frühjahr das neue Programm der Extraschicht rauskommt, beginnt die Vorfreude und die lohnt sich, denn eine Nacht zwischen Kunst und Industriekultur ist einmalig im Ruhrgebiet. Die 225.000 Besucher haben dieses Jahr 45 Spielorte besucht und rd. 2.000 Künstlern zugesehen und das bereits zum 15. Mal. Bis zur nächsten Extraschicht sind es jetzt wieder 53 lange Wochen, denn für die nächsten Jahre könnt ihr euch merken: Die Extraschicht findet immer am letzten Samstag im Juni statt!

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Ich habe meine Tour mit einem Vorspiel gestartet, denn wie durch Zufall hat die MS Wissenschaft an diesem Wochenende im Duisburger Innenhafen festgemacht. Die MS Wissenschaft ist ein umgebautes Binnenschiff, das dieses Jahr der Frage „Wie sehen unsere Städte in der Zukunft aus?“ nachgeht. Eine bunte Mischung aus Exponaten, Experimenten und Wissensvermittlung für die Stadt der Zukunft wechseln sich in der Ausstellung ab. Diese Ausstellung geht übrigens noch weiter, die Tourdaten des Schiffs findet ihr hier.

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Im Rahmen der Extraschicht habe ich mich dieses Jahr entschlossen Gelsenkirchen (Nordsternpark) und Essen (Zeche Zollverein) zu besuchen. Das Auto wurde daher etwas abseits des Nordsternturms in Gelsenkirchen geparkt und nach kurzem Fußmarsch ging es mit dem kostenlosen Shuttlebus (ES8) zunächst nach Essen. Das erste Abenteuer fand im Kreisverkehr statt (ja ich hatte Kreisverkehr 😀 ). Ich war mir nicht sicher, ob der Bus die erste oder die zweite Ausfahrt aus dem Kreisverkehr wieder raus muß. Die erste … nicht, die zweite … nicht, die dritte, das wäre die Autobahn, … nicht. Hat der Bus sich verfahren? Wir kommen wieder an den Anfang. Die erste … nicht, die zweite … wir drehten allen Ernstes 2 ½ Runden im Kreisverkehr. Ehrlich, kein Scherz, so bekloppte Busfahrer gibbet wohl nur im Pott 😀 .

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Das Ziel Essen doch erreichend, hatte ich mir vorgenommen dieses Jahr unbedingt Dundu kennen zu lernen und das G.O.P Varietetheater zu sehen. Das G.O.P zeigte neben fliegenden Tischchen einen fingerfertigen Spielkartenspieler, eine junge Dame an der Vertikalstange und einen atemberaubenden Balance Act. Keine Frage sehr kurzweilig. Danach schnell zurück in den Ehrenhof der Zeche Zollverein, denn dort kündigte sich Dundu an. Dundu ist eine 5 Meter große, voll bespielbare Großfigur des Puppenspielers Tobias Husemann.

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Es ist total faszinierend zu sehen, welche Magie diese Puppe ausübt. Während ältere Leute, die von der Puppe angespielt wurden, eher auf die Puppenspieler achten, gucken Kinder vollkommen unvoreingenommen der Puppe in die nicht vorhandenen Augen und hielten bereitwillig ihren Luftballon hin, wenn Dundu danach fragte. Eben noch steht die Puppe und guckt sich um, als sie plötzlich anfängt zu laufen und die Menschenmenge, die eben noch drum herum stand, strebt auseinander, flieht regelrecht, um den Weg frei zu machen. Schade, daß es noch hell war, denn beleuchtet ist die Großpuppe nochmal so schön.

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Als die Uhr kurz nach 21.00 Uhr zeigte, ging es zurück zum Shuttlebus. Der ES8, der gerade losfahren wollte war bereits randvoll, aber 15 Minuten später ging’s dann wieder in Richtung Gelsenkirchen. Der WDR hatte sich entschlossen, dieses Jahr zum ersten Mal in 15 Jahren Extraschicht eine eigene Liveshow aus dem Amphitheater im Nordsternpark in Gelsenkirchen zu senden, schließlich tut man das bei anderen Ereignissen in NRW auch. Das war also mein zweiter Programmpunkt für diesen Abend. Die Show startete mit einem rasanten Feuerwerk und dem ersten Auftritt von Stoppok.

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Zunächst fand ich die Idee in Gelsenkirchen zu sitzen und von dort in die anderen Spielorte reinschauen zu können ganz reizvoll, aber die anderen Spielorte waren nur in einiger Entfernung auf einer Videowand zu sehen, während sich im Amphitheater wenig bis nichts tat. Gut 40 programmlose Minuten mit nur zwei kurzen Zwischentakes führten bei einem Teil der Besucher zu Unmut, der in Zwischenrufen mündete und später zum großflächigen Abwandern führte. Ich bin mir sicher, daß der Unmut beim WDR nicht unbemerkt geblieben ist und in einer Nachbesprechung mündet, während die Show für den Fernsehzuschauer vermutlich ganz unterhaltend war.

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Damit wir uns nicht mißverstehen, der Einstieg in die Show, das Wasserski Showteam mit brennenden und Feuerwerk abschießenden Rucksäcken sowie die Feuer- und Lasershow am Ende waren super und auch der Talkgast Ralf Richter war als Fotomotiv schwer umlagert, aber der Leerlauf war halt für diejenigen, die eigentlich wegen Stoppok gekommen waren, ein Grund zu gehen. Es juckt mir in den Fingern eine Ideensammlung zu starten oder den WDR dabei zu unterstützen, bei der 16. Extraschicht eine noch bessere Show auf die Beine zu stellen. Mal sehen was sich so ergibt. Als die letzte Rakete verschossen war hatte ich kurz gezögert, ob ich die zweite Show mit Stoppok noch abwarten soll, bin dann aber, als es gegen 0.20 Uhr anfing zu regnen, doch lieber los. Mußte reichen, ich brauche schließlich Schönheitsschlaf 😉 . Außerdem war ich froh, daß das Wetter bis Mitternacht gehalten hatte.

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Bis zum 28. Juni können Besucher übrigens an einem Fotowettbewerb der Extraschicht teilnehmen und wenn ihr sehen wollt, was ich so zusammengeknipst habe, schaut dieses Mal in das Extraschichtalbum bei Flickr oder Google Fotos, in dem sich auch schon ältere Fotos der letzten Extraschichten befinden. Man sieht sich 2016 zur 16. Extraschicht.

Extraschicht 2014

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Es dürfte gefühlt 7-8 Jahre her sein, daß ich einen TV Bericht über tapfere Menschen im Ruhrgebiet gesehen habe, die bei Regen mit Regencape und Schirm bewaffnet eine ganze Nacht durchs Ruhrgebiet laufen. Damals habe ich auf dem Sofa gesessen und darüber geschmunzelt. Jetzt ein paar Jahre später dürft ihr raten, was ich am Samstag gemacht habe 🙂 .

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Kunst, Kultur, eine Nacht, 20 Städte, 50 Spielorte und 2000 Künstler starteten am Samstag in eine neue „Nacht der Industriekultur“. Kurz gesagt, es war wieder Zeit für die Extraschicht. Für alle die bisher noch nie bei einer Extraschicht dabei waren sei gesagt, in der Zeit zwischen 18.00 und 2.00 Uhr sind i.d.R. rund 150.000 – 200.000 Kulturliebhaber mit Bus und Bahn durch das Ruhrgebiet unterwegs und genießen Musik, Artistik, Feuerwerk, Theater, Führungen, Mitmachaktionen u.v.m.

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Gleichzeitig hatte dieses Jahr der Landschaftspark Duisburg Nord sein 20 jähriges Jubiläum, also ein weiterer Grund sich auch dort mal umzuschauen. Ehrlich gesagt war ich etwas unentschlossen, ob ich 2014 überhaupt wieder an der Extraschicht teilnehmen soll, denn leider habe ich dieses Jahr keinerlei Unterstützung erfahren dürfen und außerdem verkündete der Wetterbericht wie oben schon beschrieben nichts Gutes. Last but not least muß ich in der Nacht auch wieder zurück nach Krefeld.

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Aber zu Hause hocken? Nö, ist auch Mist. Also habe ich mich entschlossen zunächst dem Landschaftspark in Duisburg einen Besuch abzustatten (noch vor der eigentlichen Extraschicht) und dann ein spielortbezogenes Ticket auf Zeche Zollverein zu erwerben. Für 10,- € gab es keine vollen Busse und Bahnen (mit schon mal sehr engem Körperkontakt 🙂 ) sondern nur das Gelände auf Zollverein. Dummerweise war das mit der Anreise so eine Sache, weil der Weg von der Autobahn kommend zunächst in einer Reihe von Sackgassen landete und die Parkplätze an Zollverein nur für Besucher mit gesondertem Parkschein zu befahren waren. Mit 30 Minuten Verspätung habe ich es dann doch in einer Nebenstraße geschafft zu parken.

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Auf dem Ehrenhof tummelte sich eine Herde seltsamer Röhren und ein Schäfer, der versuchte diese Röhrenwesen zu bändigen, im „Archiv des Weltensammlers“ konnte man unter komische überdimensionale Hüte klettern und bekam in jedem „Hut“ eine andere Ausstellungswelt auf ganz kleinem Raum zu sehen. Während gerade noch Klavierklänge des „Klavierzaubers“ zu hören waren, lief plötzlich ein Elefant über den Ehrenhof. Zwei Künstler auf Stelzen steckten in „Jumbo“ und erweckten die Illusion zum Leben.

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Einige Programmpunkte waren auf Grund des Wetters kurzerhand in die Hallen verlegt worden, so z.B. auch der „Circo Black and White“ mit Seiltanz, Musik und Hundedressur, der kurzweilige 20 Minuten bescherrte. Eine Reihe weiterer Programmpunkte, die man zum Teil nur so nebenbei wahrgenommen hat, bespielten weite Teile des Geländes und trotzten zum Teil dem feuchten Wetter. Ganz große Hochachtung z.B. den jungen Künstlern und Straßenmusikern, die auch mal nur vor 5-6 Leuten musizierten.

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Die Museum und Ausstellungen hatten lange Warteschlangen, dafür strickten, pardon häkelten ein paar Leute etwas abseits eine Europakarte und auch im hinteren Teil der Kokerei, wo die RAG seit einiger Zeit ihren Firmensitz hat, stand eine Bühne, die aber am frühen Abend nur eine handvoll Zuschauer im Regen erfreute. Zwischen der Zeche und der Kokerei klaffte, vielleicht wetterbedingt, ein Unterhaltungsloch. Ob später noch mehr Gäste dorthin gefunden haben, kann ich nicht sagen. Zum Wetter paßt zumindest das obige Bild, daß ich am Straßenrand aufgenommen habe 🙂 . Mein Abend endete mit der Show von „Mister M“, der wieder mal (ich kannte ihn bereits aus dem Vorjahr) mit Geschick und Humor mit Feuerkeulen jonglierte, während er auf einem drei Meter hohen Einrad saß.

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Mehr Bilder bei Flickr und Google+ im Album „Extraschicht“ (dort auch Bilder aus den Vorjahren).

Noch einmal (in) Essen

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Nein keine Angst, wer zu Weihnachten mehr als genug gegessen hat, den will ich hier nicht zum Essen verleiten. Ich wollte euch zu meinem (vor-)letzten Ruhrgebietsausflug in diesem Jahr mitnehmen. Ich überlege z.Zt. ob ich mir das 5. Jahr in Folge die RuhTopCard kaufen soll. Sie lohnt sich, ohne Frage (mit 45,- € für Stammkunden habe ich über 90,-€ Eintritt „gespart“), aber mittlerweile habe ich die meisten Museen einige Male durch und Anfang der Woche habe ich die (vor-)letzte Möglichkeit genutzt die 2013’er Karte einzusetzen (am Samstag bin ich dann zum letzten Termin im Planetarium in Bochum). Kurz vor Jahresende hat es mich nochmal auf das Gelände der Zeche Zollverein verschlagen. Hier gibt es gleich mehrere Möglicheiten für die RuhrTopCard.

1. Ruhrmuseum (hier kann man sich einige Stunden beschäftigen) und das Portal der Industriekultur (mit Rundumkino und einem Gang auf’s Dach der Zeche Zollverein)
2. RotDotDesign Museum (mit vielen innovativen und preisgekrönten Alltagsgegenständen, das Museum habe ich in den letzten beiden Jahren besucht)
3. Führung durch die Kokerei Zollverein (habe ich letztes Jahr gemacht, ein tolles Erlebnis)

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Wer dann noch Zeit hat, kann bis in die erste Januarwoche an der Kokerei Zollverein Schlittschuhlaufen (hier müßt ihr einen kleinen Eintritt zahlen). Ich bin ja so garkein Schlittschuhläufer und wollte auch keinen Supergau auslösen 😉 , aber vielleicht habt ihr ja in den Ferien noch etwas Zeit. Am Tag vor Weihnachten war rund um die Zeche Zollverein nicht so viel los, aber die Eisbahn war gut besucht. Wenn ihr den Parkplatz B benutzt, ist es zu allen o.g. Punkten kaum weiter als 10 Minuten zu Fuß, wer nur Schlittschuhlaufen möchte kann auch den Parkplatz C benutzen (alle kostenfrei versteht sich). Ihr wollt noch mehr zum Thema Zollverein erfahren? Dann gebt oben rechts den Suchbegriff „Zollverein“ ein (oder klickt hier 🙂 ).

Extraschicht 2013 (Teil 2)

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Willkommen zum 2. Teil des Extraschicht Berichts (Teil 1 gibt’s hier). 190 Extrabusse kutschieren, neben den normalen Bussen, Bahnen, S-Bahnen und Regionalexpressen, in der Nacht die Besucher durch die Extraschicht und keiner weiß wie die Besucherströme so ganau verlaufen. Beispiel gefällig? Die Lasershow im Amphitheater war keine 3 Minuten vorbei, die Absage lief noch da liefen auch die ersten Besucher schon in Richtung Bus (wohlwissend warum). Der erste Bus (diese langen Ziehharmonikabusse) …, na ja nach Bottrop wollten wohl nicht so viele. Der zweite Richtung Hauptbahnhof, so voll, daß Fahrgäste fast auf dem Schoß des Fahrers sitzen und die Türen nicht mehr zugehen. Der Fahrer steigt aus, sogt für Odnung, erklärt den Türmechanismus.

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Der dritte Bus kommt, hält dahinter. Die Meute beginnt sich zu bewegen, ein Vorziehen der Busse nicht möglich der zweite kämpft noch mit Überfüllung. Der vierte und fünfte Bus kommen. Jetzt gibt’s kein Halten mehr, über Bürgersteig und Straße, der erste Bus wird von beiden Seiten eingenommen, der zweite auch, ich mache mich auch langsam auf den Weg, Bus Nr. 4 zu bekommen, bevor der auch voll ist. Chaos auf der Straße, die Lemminge beginnen zu rennen, Autos hupen, Bus 5 steht locker 50 m von der Haltestelle entfernt, alles zuckt mit den Schultern, Sitzeplatz ergattert, Bus Nr. 4 + 5 ziehen aber nochmal vor, rappelvoll geht’s zurück zur Zeche Zollverein. Wer zur Extraschicht den ÖPNV nutzt, muß (zeitweise) starke Nerven haben, aber lustig ist’s ;-).

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Zurück auf der Zeche geht mein Blick zunächst auf den beleuchteten Doppelbock, denn ich war noch nie am Abend hier, dann auf die Holzklotzkünstler in der Halle und auf den Sandkünstler davor. Er schreibt mit einem Roboter (bestückt mit einem Laptop) und Vogelsand sinnige Sprüche auf den Boden. Sowas wie „Eine Zeche ist eine Zeche ist eine Zeche …“ oder „Ich bin ein großes Kind, das mit Sandbuchstaben spielt“. Schon wieder 20 Minuten Zeit, die einem wie der Vogelsand durch die Finger rinnt. Jetzt aber zurück zu den Pottköppen. Den Weg zur Kokerei im Stechschritt zurückgelegt, das Undun Sinn Sinn Orchester klampfte immer noch, jetzt etwas leiser.

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Da standen sie die Pottköppe und erzählten aus ihren reichen Lebensweisheiten, pfiffen Lieder, rappten und ließen sich mit Früchten belegen. Warum ist es an der Ruhr so schön? Wie lebt es sich im Pott? Wie macht nochmal der Waldkautz, oder war’s ein Uhu? Mal die Zunge zeigen und ein andermal lauthals lachen (und die Zähne zeigen). War dies das Geräusch eines Affen? Komplett verrückt diese Pottköppe. Und ja, ich war auch dabei und wenn ich ganz ehrlich bin, es war z.T. schwer sogar mich selbst zu entdecken, weil so ein 2,50 Meter großer Pottkopp ist eben doch größer als normal.

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Mittlerweile weit nach Mitternacht, Zeit nach Hause zu fahren, für mich immerhin auch nochmal 45 Minuten. Warum hat Zollverein eigentlich kein Hotel? Vielleicht kann mir einer von euch nächstes Jahr Unterschlupf eine Couch spendieren ;-). Zum RAG Teil der Kokerei bin ich mangels Zeit garnicht mehr gekommen und das waren nur 1,5 Schauplätze von um die 50 die bei der Extraschicht dieses Jahr mitgemacht haben.

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Ein Extraschicht Programmpunkt war dieses Jahr den neuen Emscherkanal in Gelsenkirchen zu besuchen. Geplant hatte ich das auch, aber wie zu erwarten viele andere ebenso. 2-3 Stunden Wartezeit sind mir während einer Extraschicht einfach zu lang. Aber Überraschung am nächsten Tag (Sonntag) gab es einen „Tag des offenen Kanals“. Für fünf Stunden konnte man noch einmal die 350 Meter Abwasserrohr unter dem Rhein-Herne-Kanal entlang ablaufen. Also los, jetzt oder nie dachte ich mir. Am Schild „Eine Stunde ab hier …“ ging’s schnurstracks vorbei, also kürzer als am Extraschicht Abend. Dann warten … Helm und so eine Schutz-/Hygienehaube in Empfang nehmen, Sicherheitshinweise quittieren und 25 Meter über Baustellentreppen abwärts. Da stand ich also vor dem 2,80 Meter hohen Rohr, in dem demnächst die Sch***e fließen wird. Und was macht man nun in so einem Rohr? Genau fotgrafieren bis der Arzt kommt. Der Einstieg, das Rohr, die Beleuchtung und mich selbst, wie ich mal wieder mit Helm bunt beleuchtet werde. Hier bekommt ihr einen ganz kleinen Eindruck, wiederum als Instagram Video.

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Es muß schon skurriel sein für die Baumannschaft, wenn über 1 1/2 Tage die Menschen an der deinen Seite 25 m in die Tiefe streben, dann 350 m durch das Rohr marschieren, als ging’s darum sich bei Einwohnermeldeamt durchzukämpfen, um dann am andern Ende wieder 25 m in die Höhe zu steigen. Die Bautreppe ächzt und knarrt unter der Last der Menschen und mach einer ächzte auch, wenn er oben wieder angekommen war. Die tollste Aufgabe hatten letztlich die Mitarbeiter, welche am Ausstiegsschacht die Helme wieder einsammeln durften, um sie dann mit einem Einkaufswagen oberirdisch wieder an den Startplatz zu karren :-). Vielen Dank für eure Arbeit.

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Nebenbei, man muß auch den Organisatoren der Extraschicht auch mal ein Lob ausspechen, wenn’s ums wieder Abbauen geht. Die Schicht endete um 2.00 Uhr in der Früh, um 10.00 am Vormittag ist bis auf wenige Bühnenbauten nichts mehr zu sehen. Und wenn man den Berichten glaubt, hat sich die Extraschicht mitlerweile bis nach Berlin rumgesprochen. Da heißt es wohl demnächst anbauen, Extraschicht über zwei Tage, besser gleich drei :-D. Wenn ihr euch also nicht scheut auf viele Menschen zu treffen, auch mal plötzlich im Mittelpunkt einer Kunstaktion zu stehen und nach dem Motto „Nach der Schicht ist vor der Schicht“ lebt, merkt euch den 28. Juni 2014. Dann gibt es eine Neuauflage der Extraschicht.

Hier übrigens noch zwei (von unzähligen) Videos, die ich bei YouTube gefunden habe, die qualitativ wirklich gut sind. Vielleicht bis nächstes Jahr. Mehr Bilder gibt’s im Extraschicht Album 2012/2013 auf Flickr und Google+.

– Lasershow Amphitheater Gelsenkirchen

– Pottköppe

Extraschicht 2013 (Teil 1)

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Da paßte dieses Mal wohl alles, nach usseligem Wetter in den Vorwochen endlich 28 Grad tagsüber und laue 24 Grad am Abend. Außerdem war mal wieder Extraschicht im Ruhrgebiet. Wenn man den Zahlen glaubt, haben dieses Jahr 200.000 Menschen die Extraschicht besucht. 10% davon waren bestimmt auch in eurem Bus oder eurer Straßenbahn :-D. Dieses Jahr habe ich etwas besser geplant, denn ich war „nur“ in Essen auf der Zeche bzw. der Kokerei Zollverein, wo das Nonstop Programm locker den Abend hätte füllen können, und im Amphitheater in Gelsenkirchen (Zeche Nordstern) um mir die tolle und viel zu kurze Gesangs- und Lasershow anzusehen.

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Der Abend startete um Punkt 18.00 Uhr auf dem Platz vor der Zeche Zollverein mit Pete Sweet, dem Hochseilclown aus San Francisco. Eine tolle Show, bei der ich fast der persönliche Assistent geworden wäre. Also eigentlich war ich es schon, aber ich befürchtete Schlimmes und antwortete auf die Frage „You do not trust me“ ehrlicherwiese mit „No“ (was eigentlich „Yes“ meinte, verneinte Fragen und so, ihr wißt schon). Die Show selbst war klasse und mancher Lacher ergab sich (wie ich befürchtete) aus dem dann (anderen) ausgewählten „freiwilligen“ Assistenen.

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Gleich danach gings hoch hinaus, denn Mr. Marcus jonglierte mit einer Kettensäge und schwang sich auf ein besonders hohes Hoch-(ein-)rad. Auch hier gab es wieder (Un-)Freiwillige, die wie es der Zufall wollte alle Robert hießen (oder auch nicht, machte es dem Künstler aber einfacher 😉 ). Zitat: „Wer glaubt, daß es sich um eine echte Kettensäge handelt … wer glaubt das nicht … wem ist das scheißegeal, hauptsache die Show geht schnell vorbei“ ;-). Robert mußte ihm dann die brennende Fackel auf das Hoch-(ein-)rad zuwerfen und sollte das ordentlich machen, denn die Fackel war schließlich „Fucking hot“ ;-). Nach ca. 20 Min. waren alle Roberts erlöst und eine weitere tolle Show zu Ende. Zwischendurch lief dann auch der TV bekannte Ludger Stratmann für die WDR Zusammenfassung der Extraschicht vorbei.

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Wer sich erinnert, der weiß, daß ich vor ein paar Wochen zu den Aufnahmen für die Pottköppe in Essen war und zur Extraschicht war es nun so weit, daß die Pottköppe ihren Einsatz hatten. Bei Licht betrachtet sahen sie noch aus wie Kunstoffköppe, die lautstark vom Undun Sinn Sinn Orchester übertönt wurden. Der Noise Artist, klampfte auf der Bühne nebenan mächtig in die Instrumente. Also zurückkommen, wenns dunkel ist.

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Auch dazwischen gab’s immer wieder Atraktionen, wie z.B. den reifenlosen Golf und den Polizeiwagen auf Schienen, der Minutenwunderautomat, der (vornehmlich Kindern) binnen Minuten ein Bild nach Wahl malte (hüstel, sprich der Mensch der in dem Zelt dahinter saß) und die Ikea Lampen die irgendwie zweckentfremdet wurden. Dazu Führungen, Bauklotzbauten, Illuminationen auf dem RAG Teil der Kokerei viel zu viel um das alles zu erwähnen, ich komme z.T. im zweiten Teil des Beitrags darauf zurück.

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Nach einen hallo bei den Pottköppen ging es also erstmal in den Bus in Richtung Nordsternpark bzw. Amphitheater (ÖPNV im ganzen VRR im Preis des Extraschichttickets inclusive). Gegen 21.00 Uhr war der Bus noch auffallend leer, die Fahrt flott erledigt. Bei meiner Ankunft war das Amphitheater schon zu knapp 50% gefüllt und für mich (auch wenn es noch eine gute Stunde bis zur Show dauerte) eine Gelegenheit zu sitzen. Im Hintergrund schwebte ein „Schachtzeichenballon“ aus dem Kulturhauptstadtjahr 2010.

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Die Lasershow bestand aus zwei Teilen und wurde angereichert mit einer wirklich gut gemachten Gesangseinlage und paar Tänzern, die ein bisschen im Nebel untergingen.

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Die Show war mit knapp 20 Minuten incl. der Gesangs- und Tanzeinlage sicher ausreichend, dennoch verflog die Zeit wie nichts. Ich hätte da locker noch eine halbe Stunde dranhängen können. Um einen kleinen Eindruck zu vermitteln, habe ich euch via Instagram ein 15 Sekunden Video erstellt, daß ihr hier sehen könnt.

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Die kleine „große“ Show mündete mit Musik, Laser, Nebel und einem Minifeuerwerk in ein tolles Finale. Den Machern kann man unumwunden nur Lob zollen (wie gesagt es hätte gerne mehr sein können).

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Mich als Pottkopp, meine Rückfahrt mit dem Bus und das Chaos, wenn Lemminge auf den ÖPNV losgelassen werden lest ihr im zweiten Teil des Beitrags. Ebenso mein Besuch im Abwasserkanal, den ich allerdings erst am Folgetag unternommen habe. Dann folgen auch mehr Bilder in den bekannten Fotoalben. Bis die Tage …