Pottköppe, Extraschicht und Emscherkunst

Pottköppe Was macht ihr denn so am 6. Juli (wenn’s nicht schneit oder regnet) ;-)? Da war doch was? Und ob da was war, der 6. Juli ist die Nacht der Industriekultur, kurz Extraschicht genannt. Einer der vielen Programmpunkte werden die „Pottköppe“ sein. Drei Meter große Kunststoffköpfe werden in Essen auf der Kokerei Zollverein mit Gesichtern von echten Pottköppen bespielt. Bis dahin alles im grünen Bereich 🙂 . Dann aber berichtete Juli alias Heimatpottential über die Aktion und sprach mich auch an, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen. Als fleißiger Ruhrpottbloger konnte ich da nicht nein sagen und heute war der Termin für die Aufnahmen.

Oh man, auf was habe ich mich da bloß eingelassen 😮 . Ich sach’et mal so, man darf sich da nicht peinlich sein, auch mal Verrücktes zu machen. Und wenn ich ehrlich bin, so verrückt bin ich eigentlich garnicht, aber wenn ich einmal zusage, dann bleibt es auch dabei. Heute war ich in Essen zu den Aufnahmen meines „Pottkopps“. Jetzt kann ich nur abwarten und bin auf das Ergebnis gespannt. Ich glaube ich habe mich da ziemlich deppert angestellt, vor allem bei der Erzeugung von Geräuschen mit denen die Köppe bespielt werden solange es noch hell ist. Laßt euch überraschen (ich bin selbst gespannt).

EmscherkunstUnd noch ein Termin. In gut 3 1/2 Wochen (genauer am 22. Juni 2013) startet die Emscherkunst (ich berichtete bereits im Januar davon) und fragte euch im März, ob Interesse an einer (Foto-)Radtour zur Emscherkunst 2013 besteht. Die Umfrage, die ich mühsam zusammengeklöppelt hatte, hat noch Antwortpotential. Jetzt wo sich die Kunstaktion nähert habt ihr nochmal die Möglichkeit eure Meinung kund zu tun. Keine Angst, ich sehe nicht wer dabei was anklickt, sondern nur das Endergebnis. Eure letzte Chance ;-), denn wenn das Wetter weiter so unentschlossen ist, muß man sonnentechnisch wohl kurzfristig handeln. Kaum scheint mal die Sonne ist’s auch schon wieder vorbei, aber ich bin zuversichtlich, die Emscherkunst läuft immerhin bis 06. Oktober 2013.

Schiffe heben und Türme besteigen

Wild wild east oder eine Geschichte über Schiffe heben und Türme besteigen

Ein wettertechnisch wunderschöner Pfingstsonntag liegt hinter uns, für mich die Gelegenheit mal wieder in den Osten des Ruhrgebiets zu fahren. Warum gerade an diesem Sonntag? Weil es der 3. Sonntag im Monat war und das heißt auf Zeche Zollern „Führung durch die Maschinenhalle“, aber dazu gleich mehr. Außerdem ist ein Sonntag i.d.R. gut geeignet die Autobahnen im Ruhrpott zu nutzen, ohne im Stau zu stehen.

IMG_6875

Zunächst führte mich der Weg noch einmal zum Schiffshebewerk nach Henrichenburg. Das liegt nur wenige Autominuten von der Autobahn 2 entfernt und wenn ich ehrlich bin, bis 2010 wußte ich nichtmal von dessen Existenz. Schon von der Straße, die unterhalb des Schiffshebewerks hindurchführt, hat man einen tollen Blick auf das Gebäude, daß seit 1979 zum LWL-Industriemuseum gehört. Zur Zeit ist das Oberwasser (also oberhalb des Hebewerks, daher der Name Oberwasser ;-)) in Renovierung, was auch der Grund dafür ist, daß die Museumsschiffe derzeit nicht besichtigt werden können. Dennoch ist das Gelände einen Besuch wert, insbesondere, wenn man die engen Treppen in den Türmen nach oben klettert und von der Kommandobrücke ganz oben auf den alten Trog blickt, in dem früher die Schiffe transportiert wurden. Einen Blick auf den naheliegenden Hornbach Baumarkt gibt’s übrigens auch, tut hier aber nichts zu Sache ;-).

IMG_6994

Schiffe fahren durch dieses Hebewerk natürlich nicht mehr, aber im alten Transporttrog kann man anscheinend speisen. Zumindest standen eine ganze Menge Teller dort auf dem Boden ;-). Nachdem ich also die Stiegen wieder runtergekrakselt war habe ich mir die Keramiken dort auf dem Boden näher betrachtet. Nein Essen gab’s doch nur am Gastrobus nebenan, die Keramiken auf dem Boden waren alle leer. Ihr meint das wäre Kunst? Was seid ihr nur für schlaue Köpfe, denn was habt ihr wieder mal? Genau Recht habt ihr. Es handelt sich um eine Installation namens „Vessels“ (nein nicht die Mehrzahl von Fessel, sondern in der Übersetzung doppeldeutig – gleichermaßen für Gefäße wie für Schiffe), der Künstlerin Young-Jae Lee. Sieht schon merkwürdig aus, wenn die Kunst auf dem Boden verteilt steht, aber bitte Kunst liegt ja im Auge des Betrachters. Bis 16.6.2013 habt ihr noch die Möglichkeit „Vessels“ zu besuchen, aber nur gucken, nicht anfassen.

Bilder fürs Internet26

Ich habe dann auch mal ein bisschen in Kunst gemacht und den Tellern meinen persönlichen Alien verpaßt. Ob das ’ne Marktlücke ist 😉 ? Im hinteren Bereich des Museumsgeländes wird’s übrigens gemütlich. Rattanstühle unter Hochspannungsmasten, ein Schwan im Wasser (wo auch sonst) und der Ankergebrauchtmarkt (die wollten mir keinen Anker als Geschenk verpacken 😮 ). Pffft, dann eben ab zum nächsten Ziel.

IMG_7193

Ca. 20 Kilometer weiter südlich gings zur Zeche Zollern. Die ehemalige Zeche im Jugendstil-Gewand ist nicht nur wunderschön anzusehen, man kann auch auf einen der beiden Fördertürme steigen klettern und im Besteigen Klettern bin ich gut 😀 . Dabei sind die beiden Türme garnicht die Originaltürme der Zeche Zollern, aber sie wurden zumindest baugleich ersetzt. Auch die Zeche Zollern ist ein Standort des LWL Industriemuseums und auch hier (wie in Henrichenburg) habe ich übrigens meine RuhrTopCard genutzt. Also zunächst ab nach oben und die Zeche von oben betrachten. Unten sieht’s ein bisschen aus, wie auf einer Modelleisenbahn, in der Ferne ist der Fernsehturm von Dortmund und dieses (angeblich) berühmte 😉 Stadion zu erkennen.

IMG_7012

Seit einiger Zeit sind die beiden Seilscheiben des Förderturms auch wieder mit Seilen bestückt und wenn die Maschinenhalle fertig renoviert ist, werden diese zu Schauzwecken auch wieder betrieben. Die Maschinenhalle ist seit 2007 (also schon bevor ich das erste Mal dort war) in Renovierung. Warum so lange? Weil ein Billiganbieter eine „agressive Plörre“ (O-Ton) draufgekippt hat, die mehr geschadet als genutzt hat. Also wird es wohl mindestens 2014 werden, bis die Halle wieder für alle zugänglich wird. Aber jeden 3. Sonntag im Monat gibt es eine ca. 1 stündige Führung durch die Halle und bei dem schönen Wetter fanden sich an diesem Sonntag über 60(!) Besucher zur Führung ein (darunter viele Fotografen). Die Halle selbst wird durch einen Nebeneingang betreten und gleicht von der Größe Höhe her einer kleinen Schiffswerft. Für die Zeche Zollern wurde seinerzeit die erste elektrische Fördermaschine der Welt in die Maschinenhalle eingebaut.

IMG_7126

Die Förderung von Mannschaften und Kohle erfolgte fortan mit durch Elektromotoren angetriebenen Treibscheiben. Auch die Schalttafeln an der Wand waren, für heutige Verhältnisse unvorstellbar, aus Marmor. Die Elektromotoren, die Schalttafeln, der Arbeitsplatz des Fördermaschinisten, alles das wird in der ca. 1 stündigen Führung vorgestellt (und ab irgendwann in 2014 auch sozusagen live). Bilderkes habe ich zu hunderten gemacht, eine Auswahl im sich mehr und mehr füllenden Album „Ruhr 2013“ bei Flickr und Google+.

Flachsmarkt 2013

IMG_6672

Unglaublich, daß schon wieder 12 Monate vergangen sind. Wenn man wie ich in den letzten Jahren regelmäßig auf dem Flachsmarkt ist, kommt einem der Besuch vor, als wäre man nur mal eben für ein paar Tage weg gewesen. Leider liegt das auch daran, daß die meisten Stände genau dort stehen, wo sie auch im letzten Jahr standen und im vorletzten Jahr und … da leidet meiner Meinung nach ein bisschen die Abwechslung.

IMG_6781

Schön war’s trotzdem wieder auf Burg Linn. Kerzenzieher, Filzer, Glasbläser, Hutmacher, Buchbinder, Steinmetz, Seifenmacher, Schmied, Weber, Töpfer, Papiermacher, Holzschumacher und viele mehr bevölkerten die Wiesen rund um die Burg. Dazwischen die üblichen Künstler, Gaukler und Musikanten. Dieses Jahr auch wieder mit dabei eine Falknerin mit ihren Tieren und natürlich der passenden Flugvorführung.

IMG_6625

Der Samstag begann allerdings kühl und bewölkt, was sich auch auf die Schlangen an den Kassen auswirkte. Es gab nämlich fast keine. Trotzdem blieb es zum Glück trocken, nur die Sonne kam erst am frühen Abend raus. Wer noch nie den Flachsmarkt besucht hat, dem sei der Besuch ausdrücklich empfohlen. An den unzähligen Ständen rund um die Burg Linn präsentieren Kunsthandwerker zum einen sich selbst, aber auch ihren Beruf und ihre Arbeiten. Vor allem Kinder können sich an diversen Ständen selbst versuchen. Zeichnen, Papier schöpfen, Kerzen ziehen, Glas blasen, Holzschnitte machen oder Drechseln sind nur einige der Möglichkeiten.

IMG_6863

Ja natürlich, vieles kannte ich bereits aus den Vorjahren, aber trotzdem merke ich mir schon mal 2014 vor, wiederum an Pfingsten, vom 07. bis zum 09. Juni. Meine diesjährigen Bilder spiegeln hoffentlich ein bisschen das Leben auf dem Handwerksmarkt wieder. Schaut mal rein auf Flickr oder Google+.

IMG_6647

Nüvi 2595 bitte übernehmen Sie

straseNüvi 2595 bitte übernehmen Sie. Was sich anhört wie eine neue Fernsehserie ist die elektronische Fortsetzung meiner mitlerweile 10 Jahre alten Autoatlanten. Als ich 2010 angefangen habe mich quer durch’s Ruhrgebiet zu schlagen, habe ich mir bei ebay zwei Autoatlanten „Ruhrgebiet“ ersteigert, die für den Anfang vollkommen ausreichend waren. Auch wenn schon ein paar Jahre alt, waren alle großen Straßen vorhanden, die Autobahnen kannte ich auch und da ich in Oberhausen aufgewachsen bin, kannte ich auch so einige Schleichwege zwischen Mülheim/Essen auf der einen und Autobahnkreuz Kaiserberg, von manchen liebevoll Spaghettiknoten genannt, auf der anderen Seite. Aber nun sind die Karten doch etwas in die Jahre gekommen und gerade in den Städten ist eine Navigation mittels Straßenatlas doch etwas unhandlich. Jetzt weißt mir also eine elektronische Damenstimme, nennen wir sie Uschi, den Weg. Wer schon läger meinen Blog liest weiß, daß ich nicht nur im Ruhrgebiet unterwegs bin, aber meine bevorzugten Routen entlang von Rhein und Ruhr führen. Mein neuer Begleiter heißt Nüvi 2595 und ist ein Navi(gationsgerät) aus dem Hause Garmin.

IMG_6589

Gut, ich höre nicht auf alles, was mir Uschi flüstert 😉 (und als Mann fragt man ja auch nie nach dem Weg *hüstel*), aber die Stimme aus dem Kästchen ist allemal bequemer als die dicken Papierberge. Aber eines muß man den alten Autokarten zu Gute halten, Wege die ich einmal selber herausgesucht habe (auch wenn ich zwischendurch mal anhalten und blätten mußte), habe ich später auch fast zu 100% wiedererkannt und wiedergefunden, ohne erneut zu suchen. Das Gerät hat eine lebenslange Update Garantie, d.h. 4 x im Jahr könnte ich die Karten auf den neuesten Stand bringen. Bleibt nur die Frage, was lebenslang heißt, mein Leben oder das des Gerätes 😉 . Einen ersten Test in Richtung Bochum hat es vor kurzem fehlerfrei bestanden (auch dann, wenn ich bewußt mal einen Abzweig nicht genommen habe) und auch in Essen hat es bereits gute Dienste geleistet. In die Feinheiten des Geräte muß ich mich noch einlesen.

Besonders viel Freude macht die Spracheingabe. Ich kann über vorgegebene Befehle (z.B. „Adresse suchen“) eine Adresse (Straße, Hausnummer, Ort) per Sprache eingeben und wenn’s gut läuft beginnt die Navigation, ohne daß ich eine einzige „Taste“ auf dem Touchscreen berühre. Also Uschi du kannst bleiben und meistens höre ich dir auch zu ;-).

Oldies in Krefeld und auf Zollverein (Duologie Teil I)

Es ist kurz nach 8.00 am Sonntag, mein Wecker klingelt. Oh mann, warum stehe ich an einem Sonntag so früh auf? Ach ja, erstes Maiwochenende, sonnig, trocken, 20 – 24 Grad, Zeit für’s Oldtimertreffen. Das erste Treffen in Essen auf Zollverein war ja bereits vor 4 Wochen, aber dieses Wochenende startete die OpenAir Saison entgültig. Manchmal wünschte ich das Beamen wäre schon erfunden. Diesen Sonntag war gleichzeitig ein Oldtimertreffen in Krefeld und in Essen. Ker ist dat’n Streß 😉 . Was also tun? Vielleicht doch eher ‚en Heli mieten? Roooooobert …..

IMG_6117

Es ist mittlerweile 9.30 Uhr, zuerst mache ich ein Abstecher an die Galopprennbahn nach Krefeld, denn da beginnt das Treffen bereits gegen kurz vor 10.00 Uhr. Wie zu erwarten wird es richtig voll und das heißt, daß binnen kürzester Zeit kein Stellplatz mehr auf dem kleinen Parkplatz zu finden ist und das obwohl die vorderen Plätze sowieso nur noch für Fahrzeuge bis Jahrgang 1975 zugelassen sind. Ein junger Mann erzählt mir von seinen Restaurationsarbeiten, die aber noch in vollem Gange sind und den Schwierigkeiten die ein Oldtimerbesitzer mit dem H (wie historisch) Kennzeichen haben kann, wenn nicht alles so ist, wie es das deutsche Recht vorsieht. Da das mit dem Heli nun doch nicht geklappt hat nehme ich gegen 10.45 Abschied, während weitere Fahrzeuge mittlerweile auf dem Kiesplatz hinter der Wettannahme parken, und düse nach Essen. Die weiteren Termine in Krefeld übrigens am 09. Juni, 07. Juli, 18. August und 22. September 2013 (ohne Gewähr).

IMG_6170

Mein Navi, davon übrigens demnächst mehr an dieser Stelle, piept nur ab und zu warnend, wenn ich doch mal mit der Geschwindigkeit minimal über dem Limmit liege und weißt mir den Weg zur Zeche Zollverein. Gegen 11.30 Uhr steige ich dort aus dem Auto und erblicke bereits eine Oldtimerwartenschlange vor der Einfahrt zur Kokerei. Ein Zeichen dafür, daß die Stellplätze bereits alle belegt sind. Gleich zu Beginn fällt ein Trabant auf, reichlich lakiert habe ich ihn mal Trabant des Todes genannt. Außerdem hatten sich nach Essen dieses Mal anscheinend mehrere Clubs aufgemacht, denn gleich an der ersten Ecke standen diverse Mini Cooper, die sich dort zum Probefahrttermin anboten. Spreche ich eigentlich so undeutlich? Ich hatte von Heli nicht von Mini gesprochen 😉 ! Roooooobert …..

IMG_6284

Weiter hinten auf dem Gelände kam schließlich Farbe auf, denn über 20 (geschätzt, ich habe nicht gezählt) Opel Kadett aus den verschiedensten Teilen Deutschlands und in den verschiedensten Farben standen (im wahrsten Sinne des Wortes) bunt gemischt in Zweierreihe nebeneinander. Ich mache mich mit der Kamera auf den Weg, denn erfahrungsgemäß verlassen die ersten Wagen das Gelände ab 12.30 Uhr wieder. Wie immer interessant sind die dunklen / schwarzen Autos, die bei Sonnenschein (wie am Sonntag) eine prächtige Foto-Industrie-Kulisse abgeben, weil sich die Kokerei in ihnen spiegelt.

IMG_6214

Auch aus der Rubrik „Klein aber fein“ gab es dieses Mal etwas zu sehen. Eine Art mini Motorrollergespann (also Motorroller mit Beiwagen). Ich versuche mich neben dem anderen Fotografen ebenfalls in eine gute Position zu bringen, so wie ich dieses Mal überhaupt versucht habe ein paar ungewöhnlichere Aufnahmen hin zu bekommen. Normal kann fast jeder. Als ich zum Ende der Runde wieder in die Nähe des Eingangs komme, sind bereits eine ganze Reihe Plätze leer, es ist mittlerweile nach 13.00 Uhr. Zwei AmericanCars sorgen noch für Aufmerksamkeit? Einer in gelb der andere in so einem braun/orange mit bunt gestreiften Himmel, der andere hat eine Holzhand am Armaturenbrett, weiß der Geier wofür die gut ist. Die Sonne scheint, die 25 Grad sind überschritten, ich habe weder Lust drinnen zu sitzen noch weiterzufahren zum Museumsfest nach Henrichenburg. Ich entscheide mich, mich mittels Navi an den Baldeneysee manövrieren zu lassen.

IMG_6303

Oldtimerbilder gibt’s hier (Flickr) und hier (Google+) … und die Fortsetzung (Duologie Teil II) folgt gleich nach einer kurzen Werbung 😀 .

Dampf, Durst und dolle Sachen

IMG_5667

Was sich anhört, wie eine neue Folge von Nick Knatterton (kennt den eigentlich noch jemand), ist der Inhalt eines Samstagsausflugs zur Zeche Hannover nach Bochum. Wat is’n Dampfmaschin‘, einst ein Filmzitat aus „Die Feuerzangenbowle“, konnte man sich an diesem Wochenende nicht nur fragen, man konnte es sich auch ansehen. An diesem Wochenende fand mal wieder das Dampffestival auf der Zeche Hannover statt. Ein feuchter Jungstraum wurde für manchen Besucher wahr, denn die Atraktionen des Tages hatten jede Menge Holz vor der Hüttn im Kessel und Dampf im Ofen. Dampfwalzen und Dampftracktoren aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts erzeugten so eine Menge Qualm. Da sag noch einer das Ruhrgebiet hat keinen Dampf.

IMG_5659

15 originale Dampfwalzen, Dampftraktoren, Lokomobile (da kannte ich nicht mal das Wort), dampfgetriebene PKW und LKW aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden ließen das Dampfzeitalter wieder lebendig werden. Der Asphaltboden zittert, es wummert im Ohr, als ich an einen dicken Beat mein junges Herz verlor … 😉 . Und zu allem Übefluß gab’s dann auch noch die Original Dampfmaschine der Zeche Hannover im Einsatz (für Schauvorführungen allerdings gesteuert durch Druckluft und angetrieben mit einem Elektromotor). Und was trank der Bergman früher so? „Gar Nichts“ (man achte auf die Flasche links 😉 ).

IMG_5910

Rund um die Zeche tat sich besonders viel für die kleinsten Besucher (incl. der Maus aus der Sendung mit der Maus) während sich die Größeren die Ausstellung „Zum Wohl! – Getränke zwischen Kultur und Konsum“ ansehen durften. Die Ausstellung geht übrigens noch bis zum 01.09.2013 und kostet m.W. keinen Eintritt. Achtet nur auf die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten der Zeche Hannover (von Wochenenden wie diesem mal abgesehen). Sehr eisenhaltig ist hier übrigens der Lachs, der wird nämlich zum Räuchern ans Holz genagelt.

IMG_5693

Wußtet ihr z.B. daß die Marke Sinalco nach eigenen Angaben die älteste Marke alkoholfreier Erfrischungsgetränke in Europa ist? Sie wird heute, mit Ausnahme der Schweiz, von der Duisburger Hövelmann-Gruppe in rund 50 Ländern vertrieben und stammt ursprünglich aus Detmold. NRW und hier besoders das Ruhrgebiet sind ganz vorne mit dabei (wenn’s da nicht Coca Cola gäbe). Die Ausstellung zeigt neben den deutschen „Kultgetränken“ u.a. auch eine original historische Trinkhalle aus dem Jahr 1921. Die Trinkhalle stand bis 1995 in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Na, erkennt sie jemand wieder?

IMG_5862

Wie immer gibt’s mehr Fotos bei Flickr und Google+.

Ist das Kunst oder kann das weg

IMG_5616

RUNDLAUFen kann ganz schön anstrengend sein, aber wann kommt man sonst schon mal in einen Bunker? Nichts verstanden, dann mal ganz von vorne. Vor ein paar Wochen hat Juli auf ihrem Blog heimatPOTTential einen Beitrag zum „Bochumer Rundlauf“ verfaßt. Der findet an diesem Wochenmitte/-ende (also bis Sonntag) in der Speckschweiz in Bochum statt. Speckschweiz, was’n datt nu wieder? Erklär‘ ich nicht, guckter mal bei Juli nach. Also kurzum in leerstehenden Wohnräumen, Ladenlokalen, draußen auf der Wiese, mitten an der Straßenecke und eben im Bunker gibbet Kunst, Musik und buntes Allerlei. Und weil dat ja numa nicht alles nenbeneinander ist, muß man halt ein bissken RUNDLAUFen.

Rundlauf

Auch Juli hat auf der Dorstener Straße in einem netten kleinen Kinderzimmer (warum bloß gerade da … öhm … ja 😀 ) ihre Monster, Freaks und Helden Ausstellung. Im Flur wummert der Baß hinterm Vorhang wie ne überlaute Waschmaschine, soll aber Straßenlärm wiederspiegeln. Nebenan kleben die Fotos anne Wand, die die Menschen gemacht haben, die in der Speckschweiz (und drummerum) wohnen. Manche haben das selbe Motiv immer und immer wieder fotografiert, die Bilder sind groß zu sehen, manche haben Motive nur für sich gut befunden, die laufen in einer Art Bilderwolke zusammen.

Rundlauf3

Weniger Meter weiter in einem Ladenlokal verlaufen die Lebenslinien allem Anschein nach alle in eine Ecke, während die Wand nebenan von Verbrechen (in den USA) erzählt und die Bilder aus dem Netz dazu liefert. Dann war da noch das Ladenlokal, das aussah, als hätte man gerade nach 40 Jahren die Türe wieder geöffnet. In den Schubladen Stoff- und Wollreste, die Damenbinden, mit denen man früher (auf Grund der Größe) vermutlich Männer verhauen hat gleich neben den Hüten aus Omas Zeit. Der „Verein gegen parlamentarischen und bürokratischen Mißbrauch“ (half wohl dem Bürger gegen die Obrigkeit, wenn ich richtig gegooglet habe) schickt Post aus Dortmund. Und das ist vermutlich nur ein Auszug dessen, was man sehen kann. Ich bin sicher Juli wird ihre Sicht der Kunst in ein paar Tagen aus ihrem Blickwinkel darstellen (Kunst liegt schließlich im Sinne des Betrachters).

Rundlauf1

Ach ja, der Hochbunker, das ist (für mich) der Oberknaller überhaupt (neben den Monstern, Freaks und Helden 😉 ). Wann kommt man schon mal in einen Bunker? Hier haben die Macher mal richtig durchgefegt, die Wände, Gänge, Kammern und Winkel vollgestopft mit Kunst. Nicht nur weil es etwas kalt war (Jacke mitnehmen), manch eine Installation ließ einem doch den Schauer den Rücken runter laufen. Kriegsgeräusche, Sirenenghäule, irgendsowas und das in einem weitgehend abgedunkelten Teil des Bunkers *Boouuaa … Schauder*. Aber auch poppige Bilder, teilweise fertig, teilweise noch im Entstehen, ein psychodelischer Raum wo die Bilder garnicht enden sondern von der Wand auf die Decke übergehen und umgekeht, geköpfte Barbies die aus den Wänden kriechen … und von den ganzen Künstlern, die in kleinen Theaterstücken auftreten oder musikalisch etwas zum Besten geben habe ich noch garnichts gesehen. Kein Wunder daß es richtig voll war beim RUNDLAUF. Das hätte ich nicht erwartet und da ich Samstag sowieso in Bochum bin, könnte es sein, daß ich nochmal reinschaue. Jemand von euch am Samstag auch da?

Rundlauf2

P.S.: Im Botanischen Garten in Bochum (gleich an der Uni) bin ich auch noch rumgelaufen, aber zu kurz. Es scheint wunderschön dort und bald erzähle ich mehr davon. Eine Fotoauswahl des RUNDLAUF’s gibt’s bei Flickr / Google+.

[Update]
Da habe ich doch zum Glück in den Ruhrnachrichten gelesen, daß es noch einen ganz geheimen Raum im Bunker gibt, wenn man durch Löcher in den Wänden krabbelt. Gesagt getan, hier ist das Ergebnis (Kunst Modell: „Leuchtstoffröhren Recycling“ 😉 ).

P.P.S.: Zum Schluß noch die Hausaufgabe, bitte die Zahlenreihe unten rechts vorsetzen 😀 .

Rundlauf5

Neulich im LaPaDu

LaPaDu

Wenn ich in der Nähe von Duisburg bin und Lust auf Spazierengehen, frische Luft und tolle Umgebung habe, zieht es mich immer zum LaPaDu. Ruhrpottler kennen die Abkürzung. Gemeint ist der Landschaftspark Duisburg Nord. Aber da der Name Landschaftspark Duisburg Nord recht sperrig ist, hat sich LaPaDu irgendwie eingebürgert. Als ich vor Jahren das erste Mal in Berlin war, fand ich schon die Umschreibung der U-Bahn Station „Platz der Luftbrücke“ mit PlaDeLu so klasse, irgendwie knuffig und vertraut und fast genauso vertraut kling mittlerweile auch LaPaDu … LaPaDu DieDödelDi Dirri Dirri Dudel dö! Ätsch ich hab‘ jetzt was Eigenes 😀 .

IMG_3764

Gut wie dem auch sei, wenn man auf der A42 unterwegs ist, fällt einem der Landschaftspark unweigerlich auf, vorausgesetzt man ist nicht durch einen unsichtbaren Leitstrahl zwei Kreuzungen vorher in die andere Richtung abgebogen und bei einem großen schwedischen Möbelhaus auf dem Parkplatz gelandet. Auf den Bildern sind die Bäume noch kahl und ich trage noch meine Winterjacke und das hat einen guten Grund. Die Bilder sind nämlich schon 4 Wochen alt und beinahe hätte ich den angefangenen Blogbeitrag vergessen oder verdrängt, aber jetzt schreibe ich doch noch was.

IMG_3773

Und warum schreibe ich nun doch noch was? Grund Nr. 1, weil ich mal wieder im hinteren Teil des Parks war, auf der kleinen Anhöhe, die meines Wissens auch Teil einer Halde ist. Dort standen, für mich neu, in einem kleinen Rund so komische Pfähle, ich sage mal rot angemalte Baumstämme herum (siehe unten). Warum? Das fragte ich mich auch. Waren es die 12 Monate, die 12 Apostel oder die 12 Zwerge (öhm … was für 12 Zwerge … egal)? Ist es ein Landeplatz für Außerirdische oder einfach nur Kunst? Wenn ihr den tieferen Sinn verstanden habt schreibt’s in die Kommentare.

IMG_3778

Grund Nr. 2 ist, daß ich am Wochenende gelesen habe, das der Hochofen Nr. 5, der den man besteigen kann ;-), ab 2. Mai für 8 Wochen geschlossen wird. Er bekommt so eine Art Generalüberholung. „Das Windenhaus, der Hochofenpanzer, die Laufbühnen, die Schlackenschäumanlage, das Ofengeüst, die Staubsäcke, die Windgebläsebühnen und die Rohrleitungen werden dabei saniert„. Wer hätte gedacht, daß das alles überhaupt noch da dran ist. Das ist zwar schade, aber wenn’s der Sicherheit dient, muß’et wohl. Man sieht sich demnach ab Juli wieder in 70 Metern Höhe. Fotos: Flickr und Google+.

Neulich an der Jahrhunderthalle

IMG_4880Wie ihr gelesen habt, war ich am Samstag mal wieder in Bochum im Eisenbahnmuseum und weil der Tag zwar kühl aber sonnig war und ich gegen Erle, Hasel und Birke allergisch bin habe ich im Anschluß noch einen Abstecher in den Westpark zur Jahrhunderthalle gemacht. Da stehen nämlich ganz viele Birken (ich muß verrückt sein, vielleicht sowas wie Immuntherapie 😉 ). Wie schon an anderer Stelle erwähnt vergehen bei mir manchmal Wochen und Monate und ich merk’s nicht (irgendwas mit Raum-Zeit-Kontinuum). Wenn ich dann wieder an einen altbekannten Ort kommme ist es für mich (gefühlt) gerade mal 1 Monat her, in Wirklichkeit war’s aber schon 1 Jahr (oder länger). Schakkeline wat sachse? Nix, typisch Tasche.

IMG_4943Jedenfalls war beim letzten Mal unterhalb der Jahrhunderthalle noch so eine Art Schotterparkplatz, da wo jetzt plötzlich nur noch Asphalt und ein 2/3 fertiges Parkhaus standen. Unter Ignorierung aller Schilder und Absperrungen stand ich plötzlich vor der Parkhausschranke und wollte das garnicht. Die 100 m Zufahrt gerade so breit wie ein Auto und Einbahnstraße. Wer zum Teufel denkt sich denn sowas aus. Schnell den Rückwärtsgang rein und so tun als wäre nix gewesen. Also auf der anderen Seite (da war jetzt ein Ascheplatz und eine neue Straße) geparkt und eine bisher nie entdeckte Treppe direkt rauf in das Waldstück (Birken wie gesagt) erklommen.

IMG_4969

Eigentlich ganz schön hier, denn man kommt nun oberhalb des Westparks raus und kann dort spazieren oder über eine Treppe weiter hinten wieder runter zur Halle und den Gebäuden drumherum. Auch ein RUHR.INFOCENTER gibt’s da jetzt im Pumpenhaus. Also flugs mit neuem Infomaterial eingedeckt. Danach noch ein bisschen durch den Park und Fotos gemacht. Irgendwie geht es mir im Westpark Park so ähnlich wie im Landschaftspark Duisburg, zwar war man schon mehrfach dort, aber jedesmal gibt’s wieder neue Blickwinkel und Ecken für Fotos, die man nie für möglich gehalten hätte. Ich verspüre den Wunsch auf Forschungsreise zu gehen, neues Leben und neue Zivilisation zu entdecken. Dies ist das Raumschiff… ach ne, anderer Film.

IMG_4904Vielleicht liegt es am Wetter oder dem Stand der Sonne, daß die Eindrücke immer wieder neu sind (vielleicht habe ich aber auch nur ein schwaches Gedächnis ;-)), ich habe das Gelände des Westparks jedenfalls noch nie in voller Ausdehnung erkundet. Neu ist für mich auch eine Station von Revierrad (sagt man von, vom, der … egal), an der man Fahrräder leihen kann. Letztes Mal hatte ich mir ein Rad von Nextbike ausgeliehen (die stehen jedoch am Rathaus und nicht direkt an der Jahrhunderthalle), um von dort über die Erzbahntrasse zu fahren. Eine sehr schöne Strecke von Bochum bis nach Gelsenkirchen.

IMG_4918Sagt Bescheid wenn ihr auf die Idee kommt dort zu fahren, ich komme gerne nochmal mit. Und für diejenigen, die mit Fahrradfahren auf Kriegsfuß stehen gibt’s auch Elektroräder (Preise hier). Apropo Fahrrad, am 26. Mai findet wieder der „Fahrradsommer der Industriekultur 2013“ an und um die Jahrhunderthalle statt. Zum Abschluß der übliche Hinweis, für das Internet ausgesuchten Favoriten in Sachen Foto findet ihr auf Flickr und Google+.

Museumstage im Eisenbahnmuseum

IMG_4606

Eingentlich ist da ein idyllisches Fleckchen Erde zwischen Essen und Bochum, die Straße stürzt in Serpentinen steil ab ins Tal und in der letzten Kurve wird er plötzlich sichtbar, der Parkplatz am Museum. Zweimal im Jahr ist es soweit, dann pilgern plötzlich Scharen aus dem ganzen Ruhrpott und weit darüber hinaus in eben dieses kleine Museum. Eisenbahn Nerds genauso wie Familien mit Kindern, ältere Damen und vor allem ältere Herren. Die Kamera im Anschlag und bloß nicht falsch stehen. „Ey“! „Hallooo“! „Weitergehen bitte“! wird man unsanft aus dem Schlaf geweckt, wenn man (un-)absichtlich durchs Bild läuft.

IMG_4624

Zweimal im Jahr läd das Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen zu je zwei Tagen Eisenbahnfest und auf dem sonst so beschaulichen Gelände rauscht und zischt es an allen Ecken. Zunächst pfiff der Wind an diesem Samstagmorgen plötzlich wieder aus Osten. Fast hätte man einen Schal vertragen können, aber ich hatte alles dabei, Getränke, Pflaster, Taschentücher, Seifenblasen, Hello Kitty Taschentücher (WTH … wie kommen die in meine Tasche), aber keinen Schal. Schließlich war ja Frühling. War … genau war. Also den Reißverschluß hoch und ab ins Getümmel.

IMG_4655

Wer hier herkommt hat die Arme im Dauerwinkel von 90 Grad zum Körper, denn es gibt immer was zu fotografieren. Alle paar Minuten rauscht die Dampflok (Mitfahrgelegenheit) mit lautem Qualmen und Zischen vorüber, der Rundfahrtzug ebenfalls mit einer Dampflok steht bereit am Bahnsteig 1 (oder war’s Bahnsteig 2, na egal, der Bahnsteig ist ja eh nur 100 Meter lang). Ein greller Pfiff, der Zug setzt sich in Bewegung, mittels Dampf geht es einmal rund um Bochum. Während die Schlange am Bratwurststand lang und länger wird, rangiert man auf der Drehscheibe am Ringlokschuppen eine weitere Dampflok auf die Drehscheibe und präsentiert das gute Stück wie ein Top Modell. Lächeln …, nicht so steif … und noch eine Runde auf der Drehscheibe.

IMG_4850

Lok Nr. 1 ist sogar ganz eigen, die läßt sich nicht einfach verkuppeln. Pfffffft … könnte ja jeder kommen. Sie muß mit 6-8 Mann und Muskelkraft auf die Drehscheibe geschoben werden. Hauruck …. Im Eisenbahnmuseum war ich (dank RuhrTopCard) schon häufiger, aber beim Eisenbahnfest in Bochum (Eintritt übrigens 9,- € für Erw.), war ich erst zum Zweiten Mal. Während im letzten Jahr die Elektroloks im Mittelpunkt standen, waren es dieses Jahr die Dampflokomotiven. Erneut ein greller Pfiff, über den Baumwipfeln erscheint Dampf, die Rundfahrt kommt zurück. Kurz danach trifft der Schienenbus aus Hagen ein und die Dampflok für Füherstandsmitfahren fährt wieder fauchend an mir vorbei. Ich sehe mir unterdessen eine in Betrieb befindliche Dampflok aus der Nähe an. Dampfwolken zischen und nebeln den Bahnsteig ein.

IMG_4752

Das Eisenbahnfest startet übrigens immer zwei Tage, jeweils Mitte April und Mitte September. Meine reichlich gemachten und für das Internet ausgesuchten Favoriten in Sachen Foto findet ihr auf Flickr und Google+..