Extraschicht 2013 (Teil 2)

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Willkommen zum 2. Teil des Extraschicht Berichts (Teil 1 gibt’s hier). 190 Extrabusse kutschieren, neben den normalen Bussen, Bahnen, S-Bahnen und Regionalexpressen, in der Nacht die Besucher durch die Extraschicht und keiner weiß wie die Besucherströme so ganau verlaufen. Beispiel gefällig? Die Lasershow im Amphitheater war keine 3 Minuten vorbei, die Absage lief noch da liefen auch die ersten Besucher schon in Richtung Bus (wohlwissend warum). Der erste Bus (diese langen Ziehharmonikabusse) …, na ja nach Bottrop wollten wohl nicht so viele. Der zweite Richtung Hauptbahnhof, so voll, daß Fahrgäste fast auf dem Schoß des Fahrers sitzen und die Türen nicht mehr zugehen. Der Fahrer steigt aus, sogt für Odnung, erklärt den Türmechanismus.

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Der dritte Bus kommt, hält dahinter. Die Meute beginnt sich zu bewegen, ein Vorziehen der Busse nicht möglich der zweite kämpft noch mit Überfüllung. Der vierte und fünfte Bus kommen. Jetzt gibt’s kein Halten mehr, über Bürgersteig und Straße, der erste Bus wird von beiden Seiten eingenommen, der zweite auch, ich mache mich auch langsam auf den Weg, Bus Nr. 4 zu bekommen, bevor der auch voll ist. Chaos auf der Straße, die Lemminge beginnen zu rennen, Autos hupen, Bus 5 steht locker 50 m von der Haltestelle entfernt, alles zuckt mit den Schultern, Sitzeplatz ergattert, Bus Nr. 4 + 5 ziehen aber nochmal vor, rappelvoll geht’s zurück zur Zeche Zollverein. Wer zur Extraschicht den ÖPNV nutzt, muß (zeitweise) starke Nerven haben, aber lustig ist’s ;-).

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Zurück auf der Zeche geht mein Blick zunächst auf den beleuchteten Doppelbock, denn ich war noch nie am Abend hier, dann auf die Holzklotzkünstler in der Halle und auf den Sandkünstler davor. Er schreibt mit einem Roboter (bestückt mit einem Laptop) und Vogelsand sinnige Sprüche auf den Boden. Sowas wie „Eine Zeche ist eine Zeche ist eine Zeche …“ oder „Ich bin ein großes Kind, das mit Sandbuchstaben spielt“. Schon wieder 20 Minuten Zeit, die einem wie der Vogelsand durch die Finger rinnt. Jetzt aber zurück zu den Pottköppen. Den Weg zur Kokerei im Stechschritt zurückgelegt, das Undun Sinn Sinn Orchester klampfte immer noch, jetzt etwas leiser.

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Da standen sie die Pottköppe und erzählten aus ihren reichen Lebensweisheiten, pfiffen Lieder, rappten und ließen sich mit Früchten belegen. Warum ist es an der Ruhr so schön? Wie lebt es sich im Pott? Wie macht nochmal der Waldkautz, oder war’s ein Uhu? Mal die Zunge zeigen und ein andermal lauthals lachen (und die Zähne zeigen). War dies das Geräusch eines Affen? Komplett verrückt diese Pottköppe. Und ja, ich war auch dabei und wenn ich ganz ehrlich bin, es war z.T. schwer sogar mich selbst zu entdecken, weil so ein 2,50 Meter großer Pottkopp ist eben doch größer als normal.

Pottköppe

Mittlerweile weit nach Mitternacht, Zeit nach Hause zu fahren, für mich immerhin auch nochmal 45 Minuten. Warum hat Zollverein eigentlich kein Hotel? Vielleicht kann mir einer von euch nächstes Jahr Unterschlupf eine Couch spendieren ;-). Zum RAG Teil der Kokerei bin ich mangels Zeit garnicht mehr gekommen und das waren nur 1,5 Schauplätze von um die 50 die bei der Extraschicht dieses Jahr mitgemacht haben.

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Ein Extraschicht Programmpunkt war dieses Jahr den neuen Emscherkanal in Gelsenkirchen zu besuchen. Geplant hatte ich das auch, aber wie zu erwarten viele andere ebenso. 2-3 Stunden Wartezeit sind mir während einer Extraschicht einfach zu lang. Aber Überraschung am nächsten Tag (Sonntag) gab es einen „Tag des offenen Kanals“. Für fünf Stunden konnte man noch einmal die 350 Meter Abwasserrohr unter dem Rhein-Herne-Kanal entlang ablaufen. Also los, jetzt oder nie dachte ich mir. Am Schild „Eine Stunde ab hier …“ ging’s schnurstracks vorbei, also kürzer als am Extraschicht Abend. Dann warten … Helm und so eine Schutz-/Hygienehaube in Empfang nehmen, Sicherheitshinweise quittieren und 25 Meter über Baustellentreppen abwärts. Da stand ich also vor dem 2,80 Meter hohen Rohr, in dem demnächst die Sch***e fließen wird. Und was macht man nun in so einem Rohr? Genau fotgrafieren bis der Arzt kommt. Der Einstieg, das Rohr, die Beleuchtung und mich selbst, wie ich mal wieder mit Helm bunt beleuchtet werde. Hier bekommt ihr einen ganz kleinen Eindruck, wiederum als Instagram Video.

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Es muß schon skurriel sein für die Baumannschaft, wenn über 1 1/2 Tage die Menschen an der deinen Seite 25 m in die Tiefe streben, dann 350 m durch das Rohr marschieren, als ging’s darum sich bei Einwohnermeldeamt durchzukämpfen, um dann am andern Ende wieder 25 m in die Höhe zu steigen. Die Bautreppe ächzt und knarrt unter der Last der Menschen und mach einer ächzte auch, wenn er oben wieder angekommen war. Die tollste Aufgabe hatten letztlich die Mitarbeiter, welche am Ausstiegsschacht die Helme wieder einsammeln durften, um sie dann mit einem Einkaufswagen oberirdisch wieder an den Startplatz zu karren :-). Vielen Dank für eure Arbeit.

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Nebenbei, man muß auch den Organisatoren der Extraschicht auch mal ein Lob ausspechen, wenn’s ums wieder Abbauen geht. Die Schicht endete um 2.00 Uhr in der Früh, um 10.00 am Vormittag ist bis auf wenige Bühnenbauten nichts mehr zu sehen. Und wenn man den Berichten glaubt, hat sich die Extraschicht mitlerweile bis nach Berlin rumgesprochen. Da heißt es wohl demnächst anbauen, Extraschicht über zwei Tage, besser gleich drei :-D. Wenn ihr euch also nicht scheut auf viele Menschen zu treffen, auch mal plötzlich im Mittelpunkt einer Kunstaktion zu stehen und nach dem Motto „Nach der Schicht ist vor der Schicht“ lebt, merkt euch den 28. Juni 2014. Dann gibt es eine Neuauflage der Extraschicht.

Hier übrigens noch zwei (von unzähligen) Videos, die ich bei YouTube gefunden habe, die qualitativ wirklich gut sind. Vielleicht bis nächstes Jahr. Mehr Bilder gibt’s im Extraschicht Album 2012/2013 auf Flickr und Google+.

– Lasershow Amphitheater Gelsenkirchen

– Pottköppe

Extraschicht 2013 (Teil 1)

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Da paßte dieses Mal wohl alles, nach usseligem Wetter in den Vorwochen endlich 28 Grad tagsüber und laue 24 Grad am Abend. Außerdem war mal wieder Extraschicht im Ruhrgebiet. Wenn man den Zahlen glaubt, haben dieses Jahr 200.000 Menschen die Extraschicht besucht. 10% davon waren bestimmt auch in eurem Bus oder eurer Straßenbahn :-D. Dieses Jahr habe ich etwas besser geplant, denn ich war „nur“ in Essen auf der Zeche bzw. der Kokerei Zollverein, wo das Nonstop Programm locker den Abend hätte füllen können, und im Amphitheater in Gelsenkirchen (Zeche Nordstern) um mir die tolle und viel zu kurze Gesangs- und Lasershow anzusehen.

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Der Abend startete um Punkt 18.00 Uhr auf dem Platz vor der Zeche Zollverein mit Pete Sweet, dem Hochseilclown aus San Francisco. Eine tolle Show, bei der ich fast der persönliche Assistent geworden wäre. Also eigentlich war ich es schon, aber ich befürchtete Schlimmes und antwortete auf die Frage „You do not trust me“ ehrlicherwiese mit „No“ (was eigentlich „Yes“ meinte, verneinte Fragen und so, ihr wißt schon). Die Show selbst war klasse und mancher Lacher ergab sich (wie ich befürchtete) aus dem dann (anderen) ausgewählten „freiwilligen“ Assistenen.

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Gleich danach gings hoch hinaus, denn Mr. Marcus jonglierte mit einer Kettensäge und schwang sich auf ein besonders hohes Hoch-(ein-)rad. Auch hier gab es wieder (Un-)Freiwillige, die wie es der Zufall wollte alle Robert hießen (oder auch nicht, machte es dem Künstler aber einfacher 😉 ). Zitat: „Wer glaubt, daß es sich um eine echte Kettensäge handelt … wer glaubt das nicht … wem ist das scheißegeal, hauptsache die Show geht schnell vorbei“ ;-). Robert mußte ihm dann die brennende Fackel auf das Hoch-(ein-)rad zuwerfen und sollte das ordentlich machen, denn die Fackel war schließlich „Fucking hot“ ;-). Nach ca. 20 Min. waren alle Roberts erlöst und eine weitere tolle Show zu Ende. Zwischendurch lief dann auch der TV bekannte Ludger Stratmann für die WDR Zusammenfassung der Extraschicht vorbei.

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Wer sich erinnert, der weiß, daß ich vor ein paar Wochen zu den Aufnahmen für die Pottköppe in Essen war und zur Extraschicht war es nun so weit, daß die Pottköppe ihren Einsatz hatten. Bei Licht betrachtet sahen sie noch aus wie Kunstoffköppe, die lautstark vom Undun Sinn Sinn Orchester übertönt wurden. Der Noise Artist, klampfte auf der Bühne nebenan mächtig in die Instrumente. Also zurückkommen, wenns dunkel ist.

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Auch dazwischen gab’s immer wieder Atraktionen, wie z.B. den reifenlosen Golf und den Polizeiwagen auf Schienen, der Minutenwunderautomat, der (vornehmlich Kindern) binnen Minuten ein Bild nach Wahl malte (hüstel, sprich der Mensch der in dem Zelt dahinter saß) und die Ikea Lampen die irgendwie zweckentfremdet wurden. Dazu Führungen, Bauklotzbauten, Illuminationen auf dem RAG Teil der Kokerei viel zu viel um das alles zu erwähnen, ich komme z.T. im zweiten Teil des Beitrags darauf zurück.

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Nach einen hallo bei den Pottköppen ging es also erstmal in den Bus in Richtung Nordsternpark bzw. Amphitheater (ÖPNV im ganzen VRR im Preis des Extraschichttickets inclusive). Gegen 21.00 Uhr war der Bus noch auffallend leer, die Fahrt flott erledigt. Bei meiner Ankunft war das Amphitheater schon zu knapp 50% gefüllt und für mich (auch wenn es noch eine gute Stunde bis zur Show dauerte) eine Gelegenheit zu sitzen. Im Hintergrund schwebte ein „Schachtzeichenballon“ aus dem Kulturhauptstadtjahr 2010.

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Die Lasershow bestand aus zwei Teilen und wurde angereichert mit einer wirklich gut gemachten Gesangseinlage und paar Tänzern, die ein bisschen im Nebel untergingen.

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Die Show war mit knapp 20 Minuten incl. der Gesangs- und Tanzeinlage sicher ausreichend, dennoch verflog die Zeit wie nichts. Ich hätte da locker noch eine halbe Stunde dranhängen können. Um einen kleinen Eindruck zu vermitteln, habe ich euch via Instagram ein 15 Sekunden Video erstellt, daß ihr hier sehen könnt.

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Die kleine „große“ Show mündete mit Musik, Laser, Nebel und einem Minifeuerwerk in ein tolles Finale. Den Machern kann man unumwunden nur Lob zollen (wie gesagt es hätte gerne mehr sein können).

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Mich als Pottkopp, meine Rückfahrt mit dem Bus und das Chaos, wenn Lemminge auf den ÖPNV losgelassen werden lest ihr im zweiten Teil des Beitrags. Ebenso mein Besuch im Abwasserkanal, den ich allerdings erst am Folgetag unternommen habe. Dann folgen auch mehr Bilder in den bekannten Fotoalben. Bis die Tage …

Pottköppe, Extraschicht und Emscherkunst

Pottköppe Was macht ihr denn so am 6. Juli (wenn’s nicht schneit oder regnet) ;-)? Da war doch was? Und ob da was war, der 6. Juli ist die Nacht der Industriekultur, kurz Extraschicht genannt. Einer der vielen Programmpunkte werden die „Pottköppe“ sein. Drei Meter große Kunststoffköpfe werden in Essen auf der Kokerei Zollverein mit Gesichtern von echten Pottköppen bespielt. Bis dahin alles im grünen Bereich 🙂 . Dann aber berichtete Juli alias Heimatpottential über die Aktion und sprach mich auch an, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen. Als fleißiger Ruhrpottbloger konnte ich da nicht nein sagen und heute war der Termin für die Aufnahmen.

Oh man, auf was habe ich mich da bloß eingelassen 😮 . Ich sach’et mal so, man darf sich da nicht peinlich sein, auch mal Verrücktes zu machen. Und wenn ich ehrlich bin, so verrückt bin ich eigentlich garnicht, aber wenn ich einmal zusage, dann bleibt es auch dabei. Heute war ich in Essen zu den Aufnahmen meines „Pottkopps“. Jetzt kann ich nur abwarten und bin auf das Ergebnis gespannt. Ich glaube ich habe mich da ziemlich deppert angestellt, vor allem bei der Erzeugung von Geräuschen mit denen die Köppe bespielt werden solange es noch hell ist. Laßt euch überraschen (ich bin selbst gespannt).

EmscherkunstUnd noch ein Termin. In gut 3 1/2 Wochen (genauer am 22. Juni 2013) startet die Emscherkunst (ich berichtete bereits im Januar davon) und fragte euch im März, ob Interesse an einer (Foto-)Radtour zur Emscherkunst 2013 besteht. Die Umfrage, die ich mühsam zusammengeklöppelt hatte, hat noch Antwortpotential. Jetzt wo sich die Kunstaktion nähert habt ihr nochmal die Möglichkeit eure Meinung kund zu tun. Keine Angst, ich sehe nicht wer dabei was anklickt, sondern nur das Endergebnis. Eure letzte Chance ;-), denn wenn das Wetter weiter so unentschlossen ist, muß man sonnentechnisch wohl kurzfristig handeln. Kaum scheint mal die Sonne ist’s auch schon wieder vorbei, aber ich bin zuversichtlich, die Emscherkunst läuft immerhin bis 06. Oktober 2013.