Botanischer Garten Bochum

Es gibt ja manchmal Autofahrer, da bleibt einem nur Kopfschütteln. Eine Ampel zwischen Krefeld und Duisburg, ich stehe auf der zweiten Geradeausspur. Die Ampel wird grün, wir fahren los. 70 km/h ist erlaubt und die sind auch bald erreicht. Rechts neben mir ein weiterer PKW, etwa gleich schnell. Von hinten nähert sich ein Lieferwagen. Nach einigen hundert Metern habe ich auf der zweiten Spur ein paar Meter Vorsprung und will auf die rechte Spur wechseln. Beim Blinker setzen sehe ich im Spiegel, daß der Lieferwagen auch gerade ansetzt, um mich rechts(!) zu überholen. Ich ziehe trotzdem rüber, erstens habe ich zeitgleich geblinkt, zweitens ist rechts überholen sowieso verboten. Der Lieferwagen zieht also nach einem halben Spurwechsel wieder nach links, beschleunigt geschätzt auf 90 km/h und zieht mit Dauerhupe an mir vorbei. Da bleibt einem echt nur Kopfschütteln. Aber das wollte ich euch auf dem Weg nach Bochum nur nebenbei erzählen.

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Da kommt man manchmal zu Ausflugszielen bei denen man sich fragt, warum war ich da nicht früher schon einmal? Der Botanische Garten in Bochum gehört dazu. Ich war ja schon in verschiedenen botanischen Gärten, aber im Botanischen Garten der Ruhr Universität in Bochum, der immerhin zu den zehn größten in Deutschland zählt, war ich bisher noch nie. Alleine der Chinesische Garten im Botanischen Garten Bochum ist es wert, selbigen zu besuchen. Ich zitiere mal von der Webseite der Ruhr Uni: „Insgesamt nimmt der umzäunte Bereich des Botanische Gartens eine Größe von 13 ha ein. Die Fläche der Gewächshäuser beträgt etwa 3500 qm“.

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Na da gibt’s doch was zu entdecken dachte ich so bei mir und habe nach meinem ersten Abstecher Anfang letzten Monats gestern mal einen etwas längeren Besuch eingeplant. Vielleicht ein Tipp vorweg, es gibt eine Menge Parkplätze an der Uni, aber am besten ist’s außerhalb der Unizeiten zu kommen, also Freitag Nachmittag oder am Wochenende. Die Unmenge von außergwöhnlichen Pflanzen läßt einen ganz schwindelig werden. Ich glaube das hier ist der Eingang zum Paradies … 😉 .

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Ich kann als Nichtbotaniker raumübergreifendes Großgrün = Baum vom Duftgemüse = Blume unterscheiden, aber von einem Taubenbaum habe ich z.B. noch nie gehört? Die Blätter dieses Baums sehen nicht nur aus wie ein Taschentuch, der Baum heißt sogar im Zweitnamen Taschentuchbaum. In meinem berauschten Zustand (s.o. Paradies) mußte ich mich gleich mit einem Blatt davon schmücken 😀 (zu Hause bin ich eher froh, wenn das Duftgemüse auf meinem Balkon den Sommer übersteht).

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Das Spannende an einem botanischen Garten ist ja nicht unbedingt, die 100’ste Eiche zu sehen, sondern außergewöhnliche Pflanzen. Schöne fotogene Blüten (insbesondere in den Gewächshäusern) oder die Mammutbäume, die in unserer Gegend ansonsten nicht so reichlich vorkommen. Um mich in dem großen Park nicht zu verlaufen, habe ich mir hier vorab noch den passenden Parkplan heruntergeladen. Der Park ist übrigens ohne Eintritt und damit jede Empfehlung wert.

Auf dem Rückweg aus Bochum bin ich zum ersten Mal über die neue Wattenscheider Str. am Westkreuz gefahren. Allen die sich in und um Bochum nicht so auskennen, die A40 wird seit anno Blumenkohl auf 6 Spuren erweitert und sämtliche Zufahrtsstraßen und Anbindungen an den CityRing werden dabei gleich mit umgebaut. Bisher war die (Baustellen-)Zufahrt von der Innenstadt auf die A40 ja schon abenteuerlich, weil sie einfach grob geteert mitten durch die Pampa führt.

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Nun ist die alte Brücke dorthin gesperrt und stattdessen fährt man über die neue Wattenscheider Str., die etwa 100 Meter von der alten Brücke entfernt liegt, wunderschön nagelneu, doch dann geht’s plötzlich links ab in eine Straße, bei der man sich fragt „Bin ich hier noch richtig“? Wer denkt schlimmer kann’s nicht kommen, muß dann wieder links auf die alte Wattenscheider Str. und wenn man bis hierher den Überblick nicht verloren hat über die rechte Spur wieder in die alte Auffahrt in der Pampa. Kein Wunder, daß da am ersten Tag nach der Umstellung über Stunden rund ums Westkreuz garnichts mehr lief. Gute Verkehrsführung sieht irgendwie anders aus.

Bilder vom botanischen Garten … das kennt ihr ja schon gibt’s bei Flickr und Google+.

Dampf, Durst und dolle Sachen

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Was sich anhört, wie eine neue Folge von Nick Knatterton (kennt den eigentlich noch jemand), ist der Inhalt eines Samstagsausflugs zur Zeche Hannover nach Bochum. Wat is’n Dampfmaschin‘, einst ein Filmzitat aus „Die Feuerzangenbowle“, konnte man sich an diesem Wochenende nicht nur fragen, man konnte es sich auch ansehen. An diesem Wochenende fand mal wieder das Dampffestival auf der Zeche Hannover statt. Ein feuchter Jungstraum wurde für manchen Besucher wahr, denn die Atraktionen des Tages hatten jede Menge Holz vor der Hüttn im Kessel und Dampf im Ofen. Dampfwalzen und Dampftracktoren aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts erzeugten so eine Menge Qualm. Da sag noch einer das Ruhrgebiet hat keinen Dampf.

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15 originale Dampfwalzen, Dampftraktoren, Lokomobile (da kannte ich nicht mal das Wort), dampfgetriebene PKW und LKW aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden ließen das Dampfzeitalter wieder lebendig werden. Der Asphaltboden zittert, es wummert im Ohr, als ich an einen dicken Beat mein junges Herz verlor … 😉 . Und zu allem Übefluß gab’s dann auch noch die Original Dampfmaschine der Zeche Hannover im Einsatz (für Schauvorführungen allerdings gesteuert durch Druckluft und angetrieben mit einem Elektromotor). Und was trank der Bergman früher so? „Gar Nichts“ (man achte auf die Flasche links 😉 ).

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Rund um die Zeche tat sich besonders viel für die kleinsten Besucher (incl. der Maus aus der Sendung mit der Maus) während sich die Größeren die Ausstellung „Zum Wohl! – Getränke zwischen Kultur und Konsum“ ansehen durften. Die Ausstellung geht übrigens noch bis zum 01.09.2013 und kostet m.W. keinen Eintritt. Achtet nur auf die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten der Zeche Hannover (von Wochenenden wie diesem mal abgesehen). Sehr eisenhaltig ist hier übrigens der Lachs, der wird nämlich zum Räuchern ans Holz genagelt.

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Wußtet ihr z.B. daß die Marke Sinalco nach eigenen Angaben die älteste Marke alkoholfreier Erfrischungsgetränke in Europa ist? Sie wird heute, mit Ausnahme der Schweiz, von der Duisburger Hövelmann-Gruppe in rund 50 Ländern vertrieben und stammt ursprünglich aus Detmold. NRW und hier besoders das Ruhrgebiet sind ganz vorne mit dabei (wenn’s da nicht Coca Cola gäbe). Die Ausstellung zeigt neben den deutschen „Kultgetränken“ u.a. auch eine original historische Trinkhalle aus dem Jahr 1921. Die Trinkhalle stand bis 1995 in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Na, erkennt sie jemand wieder?

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Wie immer gibt’s mehr Fotos bei Flickr und Google+.

Ist das Kunst oder kann das weg

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RUNDLAUFen kann ganz schön anstrengend sein, aber wann kommt man sonst schon mal in einen Bunker? Nichts verstanden, dann mal ganz von vorne. Vor ein paar Wochen hat Juli auf ihrem Blog heimatPOTTential einen Beitrag zum „Bochumer Rundlauf“ verfaßt. Der findet an diesem Wochenmitte/-ende (also bis Sonntag) in der Speckschweiz in Bochum statt. Speckschweiz, was’n datt nu wieder? Erklär‘ ich nicht, guckter mal bei Juli nach. Also kurzum in leerstehenden Wohnräumen, Ladenlokalen, draußen auf der Wiese, mitten an der Straßenecke und eben im Bunker gibbet Kunst, Musik und buntes Allerlei. Und weil dat ja numa nicht alles nenbeneinander ist, muß man halt ein bissken RUNDLAUFen.

Rundlauf

Auch Juli hat auf der Dorstener Straße in einem netten kleinen Kinderzimmer (warum bloß gerade da … öhm … ja 😀 ) ihre Monster, Freaks und Helden Ausstellung. Im Flur wummert der Baß hinterm Vorhang wie ne überlaute Waschmaschine, soll aber Straßenlärm wiederspiegeln. Nebenan kleben die Fotos anne Wand, die die Menschen gemacht haben, die in der Speckschweiz (und drummerum) wohnen. Manche haben das selbe Motiv immer und immer wieder fotografiert, die Bilder sind groß zu sehen, manche haben Motive nur für sich gut befunden, die laufen in einer Art Bilderwolke zusammen.

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Weniger Meter weiter in einem Ladenlokal verlaufen die Lebenslinien allem Anschein nach alle in eine Ecke, während die Wand nebenan von Verbrechen (in den USA) erzählt und die Bilder aus dem Netz dazu liefert. Dann war da noch das Ladenlokal, das aussah, als hätte man gerade nach 40 Jahren die Türe wieder geöffnet. In den Schubladen Stoff- und Wollreste, die Damenbinden, mit denen man früher (auf Grund der Größe) vermutlich Männer verhauen hat gleich neben den Hüten aus Omas Zeit. Der „Verein gegen parlamentarischen und bürokratischen Mißbrauch“ (half wohl dem Bürger gegen die Obrigkeit, wenn ich richtig gegooglet habe) schickt Post aus Dortmund. Und das ist vermutlich nur ein Auszug dessen, was man sehen kann. Ich bin sicher Juli wird ihre Sicht der Kunst in ein paar Tagen aus ihrem Blickwinkel darstellen (Kunst liegt schließlich im Sinne des Betrachters).

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Ach ja, der Hochbunker, das ist (für mich) der Oberknaller überhaupt (neben den Monstern, Freaks und Helden 😉 ). Wann kommt man schon mal in einen Bunker? Hier haben die Macher mal richtig durchgefegt, die Wände, Gänge, Kammern und Winkel vollgestopft mit Kunst. Nicht nur weil es etwas kalt war (Jacke mitnehmen), manch eine Installation ließ einem doch den Schauer den Rücken runter laufen. Kriegsgeräusche, Sirenenghäule, irgendsowas und das in einem weitgehend abgedunkelten Teil des Bunkers *Boouuaa … Schauder*. Aber auch poppige Bilder, teilweise fertig, teilweise noch im Entstehen, ein psychodelischer Raum wo die Bilder garnicht enden sondern von der Wand auf die Decke übergehen und umgekeht, geköpfte Barbies die aus den Wänden kriechen … und von den ganzen Künstlern, die in kleinen Theaterstücken auftreten oder musikalisch etwas zum Besten geben habe ich noch garnichts gesehen. Kein Wunder daß es richtig voll war beim RUNDLAUF. Das hätte ich nicht erwartet und da ich Samstag sowieso in Bochum bin, könnte es sein, daß ich nochmal reinschaue. Jemand von euch am Samstag auch da?

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P.S.: Im Botanischen Garten in Bochum (gleich an der Uni) bin ich auch noch rumgelaufen, aber zu kurz. Es scheint wunderschön dort und bald erzähle ich mehr davon. Eine Fotoauswahl des RUNDLAUF’s gibt’s bei Flickr / Google+.

[Update]
Da habe ich doch zum Glück in den Ruhrnachrichten gelesen, daß es noch einen ganz geheimen Raum im Bunker gibt, wenn man durch Löcher in den Wänden krabbelt. Gesagt getan, hier ist das Ergebnis (Kunst Modell: „Leuchtstoffröhren Recycling“ 😉 ).

P.P.S.: Zum Schluß noch die Hausaufgabe, bitte die Zahlenreihe unten rechts vorsetzen 😀 .

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Neulich an der Jahrhunderthalle

IMG_4880Wie ihr gelesen habt, war ich am Samstag mal wieder in Bochum im Eisenbahnmuseum und weil der Tag zwar kühl aber sonnig war und ich gegen Erle, Hasel und Birke allergisch bin habe ich im Anschluß noch einen Abstecher in den Westpark zur Jahrhunderthalle gemacht. Da stehen nämlich ganz viele Birken (ich muß verrückt sein, vielleicht sowas wie Immuntherapie 😉 ). Wie schon an anderer Stelle erwähnt vergehen bei mir manchmal Wochen und Monate und ich merk’s nicht (irgendwas mit Raum-Zeit-Kontinuum). Wenn ich dann wieder an einen altbekannten Ort kommme ist es für mich (gefühlt) gerade mal 1 Monat her, in Wirklichkeit war’s aber schon 1 Jahr (oder länger). Schakkeline wat sachse? Nix, typisch Tasche.

IMG_4943Jedenfalls war beim letzten Mal unterhalb der Jahrhunderthalle noch so eine Art Schotterparkplatz, da wo jetzt plötzlich nur noch Asphalt und ein 2/3 fertiges Parkhaus standen. Unter Ignorierung aller Schilder und Absperrungen stand ich plötzlich vor der Parkhausschranke und wollte das garnicht. Die 100 m Zufahrt gerade so breit wie ein Auto und Einbahnstraße. Wer zum Teufel denkt sich denn sowas aus. Schnell den Rückwärtsgang rein und so tun als wäre nix gewesen. Also auf der anderen Seite (da war jetzt ein Ascheplatz und eine neue Straße) geparkt und eine bisher nie entdeckte Treppe direkt rauf in das Waldstück (Birken wie gesagt) erklommen.

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Eigentlich ganz schön hier, denn man kommt nun oberhalb des Westparks raus und kann dort spazieren oder über eine Treppe weiter hinten wieder runter zur Halle und den Gebäuden drumherum. Auch ein RUHR.INFOCENTER gibt’s da jetzt im Pumpenhaus. Also flugs mit neuem Infomaterial eingedeckt. Danach noch ein bisschen durch den Park und Fotos gemacht. Irgendwie geht es mir im Westpark Park so ähnlich wie im Landschaftspark Duisburg, zwar war man schon mehrfach dort, aber jedesmal gibt’s wieder neue Blickwinkel und Ecken für Fotos, die man nie für möglich gehalten hätte. Ich verspüre den Wunsch auf Forschungsreise zu gehen, neues Leben und neue Zivilisation zu entdecken. Dies ist das Raumschiff… ach ne, anderer Film.

IMG_4904Vielleicht liegt es am Wetter oder dem Stand der Sonne, daß die Eindrücke immer wieder neu sind (vielleicht habe ich aber auch nur ein schwaches Gedächnis ;-)), ich habe das Gelände des Westparks jedenfalls noch nie in voller Ausdehnung erkundet. Neu ist für mich auch eine Station von Revierrad (sagt man von, vom, der … egal), an der man Fahrräder leihen kann. Letztes Mal hatte ich mir ein Rad von Nextbike ausgeliehen (die stehen jedoch am Rathaus und nicht direkt an der Jahrhunderthalle), um von dort über die Erzbahntrasse zu fahren. Eine sehr schöne Strecke von Bochum bis nach Gelsenkirchen.

IMG_4918Sagt Bescheid wenn ihr auf die Idee kommt dort zu fahren, ich komme gerne nochmal mit. Und für diejenigen, die mit Fahrradfahren auf Kriegsfuß stehen gibt’s auch Elektroräder (Preise hier). Apropo Fahrrad, am 26. Mai findet wieder der „Fahrradsommer der Industriekultur 2013“ an und um die Jahrhunderthalle statt. Zum Abschluß der übliche Hinweis, für das Internet ausgesuchten Favoriten in Sachen Foto findet ihr auf Flickr und Google+.

Museumstage im Eisenbahnmuseum

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Eingentlich ist da ein idyllisches Fleckchen Erde zwischen Essen und Bochum, die Straße stürzt in Serpentinen steil ab ins Tal und in der letzten Kurve wird er plötzlich sichtbar, der Parkplatz am Museum. Zweimal im Jahr ist es soweit, dann pilgern plötzlich Scharen aus dem ganzen Ruhrpott und weit darüber hinaus in eben dieses kleine Museum. Eisenbahn Nerds genauso wie Familien mit Kindern, ältere Damen und vor allem ältere Herren. Die Kamera im Anschlag und bloß nicht falsch stehen. „Ey“! „Hallooo“! „Weitergehen bitte“! wird man unsanft aus dem Schlaf geweckt, wenn man (un-)absichtlich durchs Bild läuft.

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Zweimal im Jahr läd das Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen zu je zwei Tagen Eisenbahnfest und auf dem sonst so beschaulichen Gelände rauscht und zischt es an allen Ecken. Zunächst pfiff der Wind an diesem Samstagmorgen plötzlich wieder aus Osten. Fast hätte man einen Schal vertragen können, aber ich hatte alles dabei, Getränke, Pflaster, Taschentücher, Seifenblasen, Hello Kitty Taschentücher (WTH … wie kommen die in meine Tasche), aber keinen Schal. Schließlich war ja Frühling. War … genau war. Also den Reißverschluß hoch und ab ins Getümmel.

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Wer hier herkommt hat die Arme im Dauerwinkel von 90 Grad zum Körper, denn es gibt immer was zu fotografieren. Alle paar Minuten rauscht die Dampflok (Mitfahrgelegenheit) mit lautem Qualmen und Zischen vorüber, der Rundfahrtzug ebenfalls mit einer Dampflok steht bereit am Bahnsteig 1 (oder war’s Bahnsteig 2, na egal, der Bahnsteig ist ja eh nur 100 Meter lang). Ein greller Pfiff, der Zug setzt sich in Bewegung, mittels Dampf geht es einmal rund um Bochum. Während die Schlange am Bratwurststand lang und länger wird, rangiert man auf der Drehscheibe am Ringlokschuppen eine weitere Dampflok auf die Drehscheibe und präsentiert das gute Stück wie ein Top Modell. Lächeln …, nicht so steif … und noch eine Runde auf der Drehscheibe.

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Lok Nr. 1 ist sogar ganz eigen, die läßt sich nicht einfach verkuppeln. Pfffffft … könnte ja jeder kommen. Sie muß mit 6-8 Mann und Muskelkraft auf die Drehscheibe geschoben werden. Hauruck …. Im Eisenbahnmuseum war ich (dank RuhrTopCard) schon häufiger, aber beim Eisenbahnfest in Bochum (Eintritt übrigens 9,- € für Erw.), war ich erst zum Zweiten Mal. Während im letzten Jahr die Elektroloks im Mittelpunkt standen, waren es dieses Jahr die Dampflokomotiven. Erneut ein greller Pfiff, über den Baumwipfeln erscheint Dampf, die Rundfahrt kommt zurück. Kurz danach trifft der Schienenbus aus Hagen ein und die Dampflok für Füherstandsmitfahren fährt wieder fauchend an mir vorbei. Ich sehe mir unterdessen eine in Betrieb befindliche Dampflok aus der Nähe an. Dampfwolken zischen und nebeln den Bahnsteig ein.

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Das Eisenbahnfest startet übrigens immer zwei Tage, jeweils Mitte April und Mitte September. Meine reichlich gemachten und für das Internet ausgesuchten Favoriten in Sachen Foto findet ihr auf Flickr und Google+..

In Bochums Unterwelt

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Es kam mir vor, als wäre ich erst vorgestern das letzte Mal da gewesen, dabei ist es schon wieder Monate, was sage ich Jahre her. Drei um genau zu sein, denn am letzen Wochenende war ich mal wieder im Bergbaumuseum in Bochum. Mein Weg führte mich über die A40 und ich gestehe, ich fahre gerne über die A40. Wie jetzt, über die stauträchtigste Autobahn im Revier? Ja, aber tunlichst am Sonntag, denn dann ist es dort i.d.R. so, daß man sich dem Verkehrsfluß anpassen kann und zwischen 60 und 100 km/h von einer Baustelle zur nächsten „mitschwimmen“ kann. Ich hab’s dann auch nicht eilig und kann gemütlich zusehen, wie ich bei Tempo 80 mit gefühlt 130 überholt werde, um am nächsten Blitzer wieder die hektischen Bremslichter zu beobachten.
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Das Bergbaumuseum hatte zur Grubenlampenbörse „Glanzlichter“ geladen, einer Art Trödel- und Antikmarkt für Grubenlampen und was sonst so entfernt mit dem Bergbau zu tun hat. Nein ich wollte nichts kaufen, ich hätte eh nicht die nötigen Scheinchen dabei gehabt. Als Grubenlampendummy hätte ich nicht mal sagen können, ob Original oder Nachbau. Aber gucken kostet ja nchts. Nach kurzer Stippvisite hatte ich daher auch genug „Glanzlichter“ gesehen und habe mich stattdessen mal wieder zu einer Grubenfahrt entschlossen.

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Eine Grubenfahrt in einen Stollen dauert i.d.R. mehrere Minuten und geht im nördlichen Ruhrgebiet bis zu 1000 Meter tief. Hier erreicht der Aufzug das Ziel schon nach ca. 15 bis 20 Sekunden. Ob der Aufzug so schnell ist 🙂 ? Nein, der Stollen liegt wesentlich niedriger. Ihr müßt nicht in die Kaue und nach dem Besuch erst recht nicht unter die Dusche, aber ihr bekommt Kohle zu sehen (wenn auch künstlich eingebrachte). Der Besucherstollen liegt nämlich nur 13 Meter tief und wurde als Anschauungsbergwerk angelegt.

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Was ich vergessen hatte war, daß geführte Touren durch das Anschauungsbergwerk nur Dienstag bis Freitagmittag angeboten werden. Freitagnachmittag und am Wochenende können Besucher die Grube mit Tonbandansagen selbst erkunden. Wir fahren also mit dem Aufzug in den Bergwerkskeller, steigen aus und plötzlich beginnt eine Stimme aus dem Off. Wo habe ich das mit der Tonband aus dem Off schon mal gehört …? Ich höre mir einen Teil der Ansage an und begebe mich dann selbst auf Tour. 13 Meter unter der Erde geht es immer den „Rundgang“ Schildern nach. Mal steht da das Handwerkszeug des Bergmanns, mal eine große Maschine, mal wird der Stollenbau erläutert während das Grubenpferd wiehert und wieder eine Ecke weiter ist ein moderner Walzen-Schremmlader beim Kohle hobeln zu entdecken (Kohle nicht Käse). Wo frage ich mich weiterhin, habe ich so eine Stimme aus dem Off nur schon mal gehört …?

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Eigentlich hat das Selbsterkunden des Anschauungsbergwerks auch einen Vorteil, denn so hat man mehr Zeit ein paar Fotos von der Bochumer Unterwelt zu machen. Bei einer Führung ist man doch eher geneigt der Gruppe zu folgen. Hier und da heißt es für Großgewachsene Kopf einziehen. Und schnell noch ein Foto. Nach einiger Zeit, es ist schließlich ein Rundweg, kommt man wieder am Aufzug an. Im Anschluß geht’s dann nach oben auf den Förderturm. Der stammt eigentlich aus Dortmund steht aber jetzt mitten in Bochum. Nicht gerade das beste Wetter, um ganz oben zu stehen, der Wind pfeift und die Sonne, wo war die noch gleich …? So bleibe ich nur für etwa 10-15 Minuten da oben, daddel wie immer schnell noch ein Instagrambild in den Mobilfunkhimmel und überlege immer noch, woher ich die Stimme aus dem Off kenne. Da plötzlich fällt es mir wieder ein. „Hallo … hier spricht Edgar Wallace“ 😉 . Mir läufts kalt den Rücken runter. Wegen Edgar Wallace? Nein, auf Grund des Winterwetters 😀 .

Ich stolpere noch durch ein zwei Ausstellungsräume,wechsel ein paar Worte mit C3PO und trete wieder den Rückzug an. Wenn ihr da seid, nehmt euch Zeit, denn das Museum ist neben dem Anschauungsbergwerk so umfangreich, daß man schon selektieren muß. Von den Anfängen des Kohleabbaus (zwölfzehnhundertplötzlich) bis zur Umwandlung der Kohle und anderen Bodenschätzen in Energie unserer heutigen Zeit ist alles vertreten. Bilder … genau bei Flickr und Google+.

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Halde Rheinelbe (das Wetter paßt)

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Als ich das letzte Mal auf der Halde Rheinelbe war, war es so diesig, daß ich die Treppenstufen kaum gefunden habe und obwohl ich Sonne bestellt hatte, war weit und breit nichts von ihr zu sehen. Man könnte sagen sie hat sich komplett verweigert. Im Jahr davor war es genau umgekehrt. Es war so heiß, daß ich glaubte, es brutzelt mir die Haare vom Kopf. Irgendwie hatte ich das mit den sogenannten „brennenden Halden“ anders vestanden 😀 . Aber ich wollte der Halde noch eine Chance geben. Dieses Jahr habe ich es endlich mal geschafft, bei „normalem“ Wetter dort oben zu stehen.

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Sonnenschein, ein paar Wolken, um die 10 Grad Celcius. Und ich war nicht der einzige, der an diesem Sonntag dorthin gefunden hat. Ich möchte fast sagen, es war regelrecht voll. Kletterer suchten sich einen möglichen Weg durch die Himmelstreppe, Eltern kletterten mit Ihren Kindern mal die Treppe mal den Hügel hinauf und Radfahrer nutzten den sonnigen Tag, einfach weil sie es können (denn die Wege lassen es durchaus zu, eine Tour über die Halde zu machen). Ihr möchtet jetzt noch Fotos sehen, guckt ihr hier … Flickr, Sevenload oder Picasaweb (Google+).

P.S.: Auf dem Rückweg habe ich noch einn Abstecher im Ruhrgebietsladen in Mülheim/Heißen gemacht. Ein netter kleiner Laden, etwas versteckt, unweit der Ausfahrt Mülheim/Heißen an der A40. Ich habe mich mit ein bisschen Kohle eingedeckt 😉 , viellecht habt ihr das Foto ja schon bei Facebook, Google+ oder Instagram gesehen. Steckt in den Beutel etwas Geld, bevor ihr ihn verschenkt, dann paßt das Wortspiel „Kohle“ zu „Kohle“, aber achtet darauf, daß die Kohle separat verpackt ist, sonst gibt’s Schwarzgeld 😉 .

Kurz berichtet …

Nicht jeder Ausflug ist so groß und ausführlich, daß sich gleich ein ganzer Blogbeitrag daraus ergibt, aber wer auf der Suche nach einem Vor- oder Nachmittagsausflug ist, dem könnte ich z.B. folgendes empfehlen.

1. Sea Life
Ihr meint SeaLife wäre auch nur ein Aquarium? Na nicht ganz. Ich zitiere mal von der Homepage „[…] mussten wir alte Vorstellungen zur Präsentation von Fischen über Bord werfen […] wurden die altmodischen Aquarien durch einzigartige Unterwassertunnel, gebogene Becken und Glaskugeln ersetzt […]„.

Sich einmal wie im Ozean fühlen, so kann man durch die verschiedenen Ebenen laufen und Meeresbewohner von oben von der Seite und von unten bewundern. An der einen oder anderen Stelle werden Erläuterungen gegeben, nur der Eintrittspreis ist stattlich. Daher empfielt es sich nach Gutscheinaktionen, Kundenkarten o.ä. Ausschau zu halten. Vielleicht hat ja noch jemand eine Kassenquittung vom letzten Besuch, dann schaut mal auf die Rückseite.

2. Slinky springs to fame
Eigentlich war es ja vom Namen her ein Spielzeug, aber als Tobias Rehberger für das Kulturhauptstadtjahr (2010) diese Brücke entwickelte, waren alle gespannt, ob man das so verwirklichen kann. Vollkommen freischwingend geht diese Brücke in Oberhausen über den Rhein-Herne-Kanal. Die Brücke ist rund um die Uhr begehbar und in den Abendstunden i.d.R. beleuchtet. Nach dem Vorbild der Hohenzollernbrücke in Köln haben sich auch an dieser Brücke mitlerweile eine ganze Reihe Liebespaare mit einem Schloß verewigt. Ob sich der Künstler das damals so gedacht hat 🙂 ? 496 Spiralwindungen, 400 Meter Länge, der Boden in 16 verschiedenen Farbtönen. Wenn ihr die Brücke mal relativ leer sehen wollt, kommt am besten in der Woche.

3. Bismarckturm Bochum
Als ich letztens mal wieder ins Planetarium nach Bochum wollte, hatte ich noch etwas Zeit und bin in den Stadtpark auf der anderen Straßenseite gegangen. Nur einen Steinwurf (na sagen wir mal gute 5 Minuten 😉 ) entfernt liegt dort der Bismarckturm. Wer sich nicht scheut ein paar Treppenstufen zu laufen, der sollte mal nach oben auf den Turm steigen. Belohnt wird die Kletterpartie mit einem tollen Ausblick auf Bochum und die benachbarte Umgebung. 1912 kostete die Besichtigung des Bismarckturmes für Erwachsene noch 20 Pfennig, für Kinder 10 Pfennig, heute ist der Eintritt in den Bismarckturm kostenlos.

4. Halde Norddeutschland
Eine sehr schöne, am westlichen Rand des Ruhrgebiets liegende Halde ist die Halde Norddeutschland. Spektakulär ist der Einstieg, denn die Treppe hat immerhin 359 Stufen Stufen. Oben angekommen entdeckt man das Hallenhaus, ein skelettartiges Haus in Form eines Stahlgerüstes. Bei guten Wetter geht der Blick über Neukirchen Vluyn, Moers, Duisburg bis weit hinein ins Ruhrgebiet. Ich vermisse dann manchmal eine bequeme Bank, denn den Blick könnte ich stundenlang genießen. Ich glaube bei nächsten Mal stecke ich zusätzlich noch ein kleines Fernglas ein.

Vielleicht ist ja einer der genannten Punkte euer Ziel für’s nächste Wochenende. Ein paar Bilder gibt’s auch Flickr, Sevenload, Picasaweb (Google+).

Unterwegs auf der Erzbahntrasse

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Draußen ist es gegen Mittag um die 30 Grad, aber ich mußte das schöne Wetter einfach nutzen. Schon lange wollte ich die Erzbahntrasse von Bochum nach Gelsenkirchen befahren. Umgekehrt wäre es auch gegangen, aber in Bochum zu starten war praktischer, schließlich brauchte ich ein Fahrrad. Mein bereits bekannter Verleiher Nextbike hat seine Räder am Bochumer Rathaus stehen (an der Jahrhunderthalle wäre noch günstiger) und von da aus ist es nur ca. 5 Minuten bis zum Westpark (Startpunkt der Erzbahntrasse). Wenn ihr auch mal eine kreuzungsfreie Fahrradstrecke bei fast gleichbleibendem Höhenprofil sucht, die Erzbahntrasse ist wie geschaffen dafür.

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Was die Erzbahntrasse ist, könnt ihr im entsprechenden Wikipedia Artikel lesen. Wer in Bochum startet, hat auf der gut 10 km langen Strecke die ersten etwa 8 km einen geteerten, ebenerdigen Weg. Auf dem ersten Kiometer geht es leicht bergab, man kann das Rad einfach laufen lassen, natürlich heißt das für den Rückweg, daß man etwas in die Pedale treten muß 🙂 . Mal liegt der Weg in der Sonne, mal gehts durch schattigen Baumbestand, immer auf dem Bahndamm lang, so daß sich teilweise schöne Ausblicke bieten. Es lohnt sich an der einen oder anderen der zahlreichen Brücken stehen zu bleiben und nach unten zu sehen. Ist dieses Bahngleis noch in Betrieb? Nein es ist mitlwerweile komplett überwachsen. Und das dort? Während ich noch überlege, rollt die S-Bahn unten entlang.

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An der längsten aller Brücken, der Pfeilerbrücke, muß ich mir unbedingt mal einen Blick auf die Brücke von unten verschaffen. An der Stelle wo der Zollverein-Radweg in Richtung Zeche Zollverein in Essen-Stoppenberg abzweigt, zweige ich auch mal kurz ab. Nach etwa 300 Mezern geht ein Weg runter auf die Straße und dieser etwa 500 Meter folgend erreiche ich die Pfeilerbrücke von unten. Die ist hier immerhin 14 Meter hoch und wenn ich mir den Zustand vor der Renovierung auf Wikipedia ansehe, kann ich nur sagen „Respekt“. Kurz hinter dieser Brücke findet man noch einen Teil der alten Gleise, die hier neben dem Radweg verlaufen. Der geteerte Teil des Weges endet und geht in einen festen Schotterweg über. Hier habe ich nach einem weiteren Kilometer gewendet und bin zurück nach Bochum. Wer den Weg bis zum Ende fährt, der landet unweit der Zoom Erlebniswelt an der Grimberger Sichel (über die ich auch schon mal berichtet habe).

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Danach führte mich der weitere Weg, jetzt wieder mit dem Auto, nochmal in das Eisenbahnmuseum in Bochum Dahlhausen. Wenn ich den Betrieb am Eisenbahntag im April mit dem von heute vergleiche, ist das wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Es ist eben „nur“ ein einfacher Donnerstag. Eine Lok wird rangiert, ein paar Fotografen schießen Fotos, die kleine Bahn dreht ihre Runde. Ich drehe eine große Runde über das Gelände, entdecke einen alten S-Bahn Wagen der Berliner S-Bahn, klettere noch in ein 3. Klasse Abteil eines teilrenovierten Wagons und staune immer wieder über die Größe der Dampfloks.

Bilder: Flickr, Sevenload, Picasaweb (Google+)

Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen

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Vielleicht habt ihr ja schon meine Bewegtbilder in der 10. Folge von Reingespült ergänzend bekommt ihr unter Flickr, Sevenload, Picasaweb (Google+) noch ein paar Bilder. Ach ja wovon eigentlich? Vom Eisenbahntag im Eisenbahnmuseum in Bochum Dahlhausen. Das Eisenbahnmuseum besteht immerhin seit 35 Jahren und präsentiert dem Eisenbahnfreund alles was das Eisenbahnerherz begehrt. Zweimal im Jahr gibt es an einem Wochenende den sogenannten Eisenbahntag. Dann kommt alles auf die Schiene was Räder hat.

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Eisenbahntag (einmal im April und einmal im September) bedeutet zwei Tage Volldampf-Betrieb, Fahrzeugvorführungen, Sonderfahrten u.v.m. Dieses Jahr waren Elektroloks das Highlight vor dem 14-ständigen Lokomotivschuppen, dazu eine Lokparade mit Dampfloks aller Größen, Rundfahrten mit historischen Loks und Wagen rund um Bochum und (gegen Unkostenbeitrag von 5,- Euro) natürlich Führerstandsmitfahrten in einer echten Dampflok. Alle paar Minuten rollen Loks auf die 20-Meter-Drehscheibe, die noch in vollem Betrieb ist. Schaut mal auf die Homepage des Museum für weitere Sonderveranstaltungstermine.