Die Henkelmannbrücke

Manchmal sind es die kleinen Dinge des Lebens, die einen erstaunen. Dieses Mal ist es nur eine Brücke in Oberhausen. Ich kannte bereits eine baulich ähnliche Brücke hinter dem Gasometer und vermutlich kennt ihr solche Brücken überall in Deutschland, aber manchmal steckt eine Geschichte dahinter. Apropos Gasometer, der sieht zur Zeit übrigens so aus, wie auf dem Bild unten.

Er wird gerade eingerüstet für die Renovierung. Falls ihr trotzdem mal wieder dort unterwegs seid, geht mal rechts vorbei in Richtung Rhein-Herne-Kanal. Hier kreuzen gleich drei Bücken den Kanal, zum Teil sogar ineinander verschachtelt. Eine für den ÖPNV (als Zubringer zum CentrO), eine für die Eisenbahn (Güterverkehr) und eine Fußgängerbrücke. Alle drei zusammen ergeben ein gutes Fotomotiv.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen, die Brücke um die es hier geht, ist ein paar hundert Meter südlich, ebenfalls neben der ÖPNV Trasse. Die Brücke hat sogar einen Namen, nämlich „Henkelmannbrücke“. Der Name hat mich neugierig gemacht. Sie ist nur 58 Meter lang und verband früher das Industriegelände des Hüttenwerks mit den Arbeiterquartieren an der Brücktorstraße in Oberhausen.

Ich fragte meinen Vater neulich, ob er die Brücke kennt und er sagte überraschend, ja. Er habe sogar mal unter der Brücke gerarbeitet, als dort Rohre, die vom Gelände der Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG) kamen, repariert werden mußten. Aber was ist jetzt das besondere an der Brücke? Pünktlich zur Mittagszeit kamen die Frauen und Kinder der Stahlarbeiter aus dem nahen Wohnviertel auf die Brücke und ließen für ihre hungrigen Männer bzw. Väter die Henkelmänner, ein Behälter aus Blech, an Bindfäden hinab.

Mal ehrlich, heute wäre sowas unvorstellbar, oder? Ganz abgesehen davon, daß heute nur noch die wenigsten Ihren Arbeitsplatz zu Fuß erreichen. Die Brücke war übrigens Station 11 einer Rad- und Wanderwegbroschüre über die „Eisenstraße Oberhausen“, die vor einigen Jahren zusammen mit dem Industriemuseum entwickelt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob es die Broschüre noch zu kaufen gibt, bei einem Amazon Händler habe ich sie zumindest gebraucht gesehen.

3 Kommentare

  1. Stand ich als Kind mit der Oma- leckeren Dampf von unzähligen Loks wegsaugen. Macht man heute eher nicht mehr. Der Weg nach Norden zum Werk würde heute wohl „Angstraum“ heißen.
    So:

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