
Klar ich habe die Reise selber gebucht, aber wenn der Reisetag bevorsteht muß ich Koffer packen, pünktlich aufstehen, auf Bahnhöfen herumstehen und denke mir „am liebsten schlafe ich ja im eigenen Bett“ 😀 . Aber wenn ich dann einmal im Zug sitze freue ich mich auf 4 Tage (und 3 Nächte) in Hamburg. Dann muß ich mich manchmal selbst zurücknehmen, denn 10 Std. pro Tag auf den Beinen sein macht sich am Abend doch irgendwie bemerkbar. Und plötzlich macht’s schnipp und die 4 Tage sind auch schon wieder rum. Dabei hatte ich noch soviel auf dem Terminwunschzettel. Leider war das Wetter an der Elbe mal wieder feuchter als gehofft, aber trotzdem kein Grund drinnen zu hocken. Schirm auf und raus geht’s.

Als Hamburger werdet ihr jetzt vielleicht nicht so viel neues erfahren, andererseits kommentierte mir vor einiger Zeit mal jemand sinngemäß zu einem Blogbeitrag „… interessant die Stadt mal mit den Augen eines ortsfremden zu sehen“. Also los geht’s 🙂 . Als erstes habe ich dem Regen ein Schnippchen geschlagen und bin unter die Erde in den alten Elbtunnel. Vor ein paar Jahren war ich schon mal unten, aber ich habe ihn nicht durchquert. Dabei sind das nur gut 10 Minuten bis man das 426,5 Meter entfernte andere Ende zu Fuß erreicht. Eine faszinierende Technik, die Autos, Radfahrer und Fußgänger seit über 100 Jahren in 24 Metern Tiefe befördert. Am Ende, in HH Steinwerder, gibt’s einen tollen Blick auf das Panorama von Hamburg.

Den Michel, die Landungsbrücken, Rickmer Rickmers und die noch im Bau befindliche Elbphilharmonie zum Greifen nahe. Gleich neben dem Ausgang befindet sich übrigens auch eine Haltestelle der HVV Hafenfähren, wer also lieber oberirdisch zurück möchte hat von dort die Möglichkeit. Momentan wird der Elbtunnel renoviert, d.h. es ist nur eine Röhre offen und wer mit dem Auto durch will kann von 8.00 – 13.00 Uhr in Richtung Steinwerder und von 13.00 – 18.00 Uhr wieder zurück in Richtung Landungsbrücken. Zu Fuß (und mit dem Rad, ggf. schiebend) geht’s natürlich den ganzen Tag. An Wochenenden, Feiertagen und zu bestimmten Festen (z.B. Hafenfest) ist der Tunnel für Autos geschlossen.

Im letzten Jahr fand im Ortsteil Wilhelmsburg die Internationale Gartenschau (IGS) statt und weil mich das im Jahr 2014 auch noch interessierte (2013 hatte ich es nicht geschafft nach Hamburg zu reisen), habe ich den nächsten Tag genutzt mich dort umzuschauen. Zunächst mal der Hinweis, daß das Gelände frei zugänglich ist (also keinen Eintritt mehr kostet), zur Zeit aber umgebaut wird und daher bis zum Sommer d.J. nur bedingt empfehlenswert ist. Danach wird es ein toller Park werden, der mindestens 2 bis 3 Stunden Erholung bietet. Wer es sich in den Cafes und Restaurants gemütlich macht, die dann (wieder) öffnen werden, kann sogar einen ganzen Tag dort verbringen. Ein weitläufiger Weg führt vorbei an Kinderspielecken, Skaterbahnen, dem ironisch gestalteten „Friedhof der guten Ideen“, kunstvoll gestalteten Gärten und Wasserflächen, die zum Verweilen einladen. Fernziel ist es die autobahnähnliche Kraftverkehrsstraße, welche den Park zur Zeit noch teilt, hinter die Lärmschutzwände östlich des Parks zu verlegen. Die Fläche dafür ist berereits reserviert und abgesteckt. Der Park befindet sich übrigens direkt an der S-Bahn Station „Wilhelmsburg“.

Eines der bekanntesten Ausflugsziele in Hamburg ist mitlerweile das Miniatur Wunderland, welches in der Speicherstadt die größte Modelleisenbahnausstellung Deutschlands präsentiert. Modelleisenbahn? Langweilig? Ja, ist vielleicht Ansichtssache, aber diese Ausstellung ist viel mehr als das, was man im Hobbykeller so erwartet. Ständige Erweiterungen laden immer wieder aufs neue ein sich umzusehen und wer Züge vielleicht langweilig findet, kann sich Modellschiffe im Echtwasserbecken ansehen, auf dem originalgetreu nachgebauten Hamburger Flughafen startenden und landenden Flugzeugen nachsehen oder der bereits fertiggestellten Elbphilharmonie ins innerste gucken (was dem Original in der Hafencity noch nicht vergönnt ist).

Nehmt euch 3-4 Stunden Zeit, um zumindest einen groben Überblick zu bekommen und wenn um euch herum Menschen immer wieder sowas wie „Wahnsinn“ murmeln, kann man dem nur zustimmen. Aber wie gesagt alles Ansichtssache. Ach ja, reserviert euch via Internet eine Zutrittszeit, dann gibt’s auch keine Wartezeit. In einer unauffälligen Ecke standen in einer Sonderausstellung Dioramen, welche die Deutsche Teilung vom 1945 – 1989 darstellen. Ein und die gleiche Kreuzung im Wandel der Zeit, dazu werde ich einen gesonderten Blogbeitrag in ein paar Tagen veröffentlichen.

Schon seit langem wollte ich immer mal zum Ohlsdorfer Friedhof, dabei bin ich, wie ihr vielleicht schon bei Instagram & Co. mitlesen konntet, kein Friedhofsgänger. Aber der Ohlsdorfer Friedhof ist unbedingt einen Ausflug wert. Daß auf diesem Friedhof Busse fahren, hatte ich im Vorfeld schon gelesen und mir gedacht, gut, da der Friedhof etwas größer ist … aber als ich zu Fuß ca. 10-15% durchlaufen und unter Zuhilfenahme des Internets wenigstens die Grabstätte von Hans Albers gefunden hatte wurde mir klar, ich hätte mich mehr vorbereiten müssen.

Den Plan, den es kostenlos an der Info am Haupteingang gibt (unbedingt zu empfehlen), reicht, damit ihr euch halbwegs orientieren könnt, ansonsten wäre ein Fahrrad empfehlenswert, denn der Friedhof ist so groß, daß der Staat Monaco 2 x dort hineinpassen würde. Was mir gefallen hat ist, wenn ich das mal so beschreiben darf, daß die Grabstätten nicht schön rechtwinklig abgeteilt sind sondern z.T. unter Bäumen liegen oder nur mit Büschen oder Rasen bewachsen sind und es durchaus erwünscht ist, den Rasen auch zu betreten. Rundherum eine unendlich große Wald- und Parklandschaft. Wer auf die Suche nach Prominenten gehen möchte, der kann sich dort einen ganzen Tag beschäftigen. Ansonsten findet man an popeligen Werktagen gaaaaanz viel Ruhe und Abgeschiedenheit (und kalte Rückenschauer, wenn’s im Gebüsch neben einem plötzlich raschelt 😮 ).

Bei aller Ausflugseuphorie, zu den Kinderbegräbnisstätten habe ich mich ehrlich gesagt nicht hingetraut, erst Recht nicht, nachdem mich bereits die Soldatengräber des 1. und 2. Weltkriegs derart beeindruckt haben. Soweit das Auge reicht, über mehrere 100 Quadratmeter, ein Grabstein neben dem anderen. Es treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen. Falls ihr Kinder habt und euch der Nachwuchs mal fragt was der Ergebnis eines Kriegs ist, zeigt ihnen dieses Bild. Ich glaube es sagt alles 😦 . Der Ohlsdorfer Friedhof ist trotzdem nach wie vor einen Ausflug wert, aber er macht auch ganz schön nachdenklich. Zum Haupteingang zurück habe ich mich mit dem Bus bringen lassen.

Danach habe ich mir die neuen U-Bahn Stationen in der Hafencity angesehen. Hafencity, als Erklärung für ortsunkundige, ist das ehemalige Hafengebiet, in das moderne Containerschiffe heute nicht mehr fahren. Dort wächst seit 10 Jahren (und noch bis 2020) ein komplett neuer Stadtteil aus dem Boden. Alte Hafenanlagen wurden dafür abgerissen und zwischen den Wasserflächen, welche z.T. als Schiffmuseum o.ä. hergerichtet werden, entstehen Wohnungen, Büros, Schulen, Geschäfte, Cafes und vieles mehr. Als Nichthamburger braucht man eine Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen, was sich seit dem letzten Besuch geändert hat, denn man steht irgendwie immer in einer Baustelle. Die U-Bahn ist mittlerweile fertig und fährt jetzt in die Hafencity, die Cafes haben geöffnet und trotzdem habe ich es wetterbedingt noch nie erlebt, wie es ist, wenn die Menschen draußen sitzen, wenn Leben in der Hafencity herrscht. Irgendwann wird es mit Sicherheit so sein, daß große Parks die Häuserschluchten auflockern, daß Cafes und Restaurants sich abwechseln mit Bäckerein und Supermärkten, daß man auf Bänken sitzt und sein Eis löffelt, so wie man es heute schon am Unilever Haus im Langnese Liegestuhl tun kann.

Während also die Hafencity wächst, habe ich noch einen Abstecher nach Blankenese gemacht. Auch da wollte ich immer schon mal hin, denn kaum irgendwo anders liegen Kleinstadtleben, dörflicher Charakter und Elbestrand so nah beieinender. Vom S-Bahnhof geht es in wenigen Minuten ins Treppenviertel, Blankeneses wohl bekanntester Teil. Der Reiseführer wies mir einen Weg, der nach wenigen Metern treppauf und treppab ging. Zum Glück hatte ich mich vorher gut gestärkt, so daß ich letztlich gefühlte 500-600 Treppenstufen gelaufen bin. Was sich auf den ersten Blick anstrengend anhört macht aber Spaß, da es an jeder zweiten Ecke neue Ein- und Ausblicke gibt. Mal fällt der Blick auf einen Hang voller Häuser, mal direkt auf die Elbe. Alte Fischerhäuser wechseln sich ab mit modernen Häusern. Mal führt eine Straße ohne Bürgersteig zur nächsten Treppe, mal nur ein Weg, der kaum breiter ist, als ein Gartenweg.

Wenige Meter den Weg neben dem Fischerhaus (Elbterrasse 6) entlang hätte ich stundenlang sitzen und den Blick über die, an diesem Tag noch nebelige, Elbe schweifen lassen können. Irgendwann wurde es mir aber zu kühl und so bin ich die Treppen weiter hoch, während auch die Postbotin ihren beschwerlichen Weg über die Treppen absolvierte. Erst auf der Süllbergterasse (Süllbergsterrasse 12) habe ich wieder Halt gemacht. Hier befindet sich ein Hotel und Restaurant mit einer großen Terasse und unverbaubarem Blick über die Elbe bis rüber zur Lufthansawerft. Schade daß die Sonne sich nach wie vor rar machte. Während ich über das Treppenviertel hierher gefunden hatte, stellt ich mir die Frage wie Hotel- und Tagungsgäste hierherfinden. Die Antwort ist jedoch einfach, an der Rückseite mündet eine Straße für die direkte Zufahrt. Für mich ein Teil des Rückwegs runter an den Strand, der einem vorkommt als wäre man plötzlich an der Nord- oder Ostsee. Den Rückweg zum S-Bahnhof ging es wieder mit einem kleinen Bus der HVV. Nach soviel Treppensteigen gab’s das Feierabendbierchen im Schellfischposten (Drehort von „Inas Nacht“ mit Ina Müller, in St. Pauli unweit des Fischmarkts gelegen).

Last but not least noch was amüsantes 😉 . Der Rückweg mit der Deutschen Bahn verlief bis Duisburg relativ reibungslos. Der Umstieg in die Regionalbahn brachte mir dann aber doch noch 10 Min. Verspätung ein, weil die RB33 über eine falsch gestellte Weiche fuhr (im Bahnjargon „Stellwerksstörung“, ich vermute eher, daß jemand gepennt hat). Dem Zugführer fiel nach ca. 1 km auf, daß er irgendwie falsch war, hielt an, lief durch den Zug ans andere Ende (erinnerte mich an den Witz des Flugzeugkapitäns „… wenn Sie rechts aus dem Fenster gucken sehen Sie mich in einem Schlauchboot …“) und fuhr wieder zurück in Richtung Duisburg Hauptbahnhof. Dann gings reibungslos zurück nach Krefeld. Falls Interesse an weiteren Bilder besteht, die gibt’s wie immer reichlich bei Flickr und Google+ (Hamburg 2014).