Danke Kumpel – Glück auf Zukunft

Niemand weiß, ob die Legende des Jungen wirklich wahr ist, der südlich der Ruhr abends ein Feuer entzündete und morgens merkte, daß das Feuer immer noch glühte, denn so soll der Erzählung nach die Steinkohle entdeckt worden sein und einst der Kohleabbau begonnen haben. Zuerst in Gruben über Tage, später dann auch unter Tage. Mit Einführung der Dampfmaschine, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, entstanden schließlich die ersten Tiefbauschächte und somit der Einstieg in über 200 Jahre Bergbaugeschichte im Ruhrgebiet, zeitweise mit 600.000 Bergleuten.

Vor 11 Jahren, Ende 2007, trat dann ein Gesetz in Kraft, daß einen Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau bis zum Jahr 2018 festlegen sollte. Vielleicht habt ihr den Audiobeitrag „Glück auf und Tschüss! Der Bergbau geht, die Kohle bleibt“ dieser Tage auf WDR5 gehört. Er hat mich an meine Kindheit im Ruhrgebiet erinnert, obwohl meine Eltern und Großeltern mit dem Bergbau nicht unmittelbar zu tun hatten. Ich habe mich erinnert an schmutzige Fensterbänke, an SMOG Alarm und autofreie Sonntage.

Nur echte Bergleute können empfinden, was es heißt, unter Tage zu malochen, daher will ich mir nicht anmaßen über das Gefühl zu schreiben, wenn jetzt die letzte Zeche schließt. Ich bin erst seit der Kulturhauptstadt „Ruhr.2010“ im Rahmen dieses Blogs zum Thema Bergbau gekommen und habe gelernt, wie vielfältig die Arbeit unter Tage war. Höhepunkt war meine Grubenfahrt auf der Zeche Auguste Victoria in Marl im Jahr 2013. Auch wenn es nur ein kleiner Einblick war, habe ich dabei und in den Jahren danach einiges Neue erfahren.

Natürlich darf man bei aller Heorisierung, die der Bergbau in den letzten Jahren erfahren hat, nicht vergessen, daß es auch unschöne Ereignisse gab, bei denen Kumpel unter Tage zurückblieben. Ihnen wird im Ruhrgebiet regelmäßig gedacht. Die letzte produktive Förderschicht fand bereits vor ein paar Wochen statt, die letzte offizielle Schicht, mit Verabschiedung durch den Bundespräsidenten, ist für den 21. Dezember 2018 vorgesehen.

Am vergangenen Samstag gab es an fünf Standorten (Zeche Zollverein in Essen, Prosper Haniel in Bottrop, Zeche Lohberg in Dinslaken, Bergwerk Ost in Hamm und Bergwerk Ibbenbüren in Ibbenbüren) die Abschiedsveranstaltung(en) für jedermann. Der Bergmannchor sang noch einmal „Glück auf der Steiger kommt“ und in den Gesichtern spiegelte sich 200 Jahre Bergbautradition. Selbst wenn nur noch wenige Kumpel zurückbleiben, um die verbleibenden Reste zurückzubauen (zu rauben), Halden und Fördertürme und verschiedene Redewendungen werden an das Zeitalter der Steinkohle im Ruhrgebiet erinnern.

Ich denke der Bergbau wird nicht vergessen, aber die Erinnerungen werden mit den Jahren verblassen. Möge die heilige Barbara noch lange ihre schützende Hand über alle halten. Macht et jut, danke Kumpel und Glück auf! Dieses Mal habe ich nur Handyfotos gemacht, es gibt trotzdem ein paar davon auf Flickr und GooglePhotos.

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