Extraschicht 2017

Das Ruhrgebiet kann laut und bunt und ist manchmal auch ein bisschen feucht. Einmal im Jahr schmeißt sich der Pott ins Zeug und feiert die Industriekultur. Ihr kennt das wenn man auf Schicht muß. Man ist schon mal müde und lustlos. Wenn man aber auf Extraschicht muß, dann ist der Pott hellwach. Am letzten Wochenende war mal wieder Extraschicht, die Nacht der Industriekultur. Der einzige der dummerweise faul rumlag war der Sommer, der ein paar Tage vorher noch heiß wie ein Vulkan … aber lassen wir das. Man ist ja vorbereitet, Schirm und Regenjacke gehören zur (Blogger) Standardausrüstung an Tagen wie diesen.

Als ich um kurz nach 17.00 Uhr in Essen ankomme ist auf dem Parkplatz A1 der Zeche Zollverein noch Platz. Also Auto abgestellt, das Erkennungsbändchen angelegt und nochmal kurz die Augen zugemacht. Um 17.30 Uhr schlendere ich langsam aufs Gelände. Während die Erkennungsbändchen kontrolliert werden, finden noch die letzten Aufbauten statt. Der Ehrenhof vor dem Fördergerüst der Zeche zieht mich als erstes an, denn die bunten, mit Luft aufgeblasenen künstlichen Pflanzen wecken mein Interesse. Sie sollen wohl Zeichen der „Grünen Hauptstadt Europas“ sein. Punkt 18.00 Uhr ertönen wie auf Knopfdruck die Alphörnbläser von Alpcologne und starten die Schicht.

Nur eine Ecke weiter verschafft sich das Kwaggawerk Kunstorchester lautstark Verhör. Die bunte Truppe aus Köln haut raus, was die Instrumente hergeben, so daß sich schnell eine kleine Menschentraube bildet. Das ausdrucksstärkste Mitglied der Gruppe ist der Herr mit den Rasseln in der Hand. Ist das ein Regentanz, den er da hinlegt. Er wird doch wohl nicht …?! Unterdessen sieht man nebenan ein paar junge Leute bei einer Sportart, von der ich nicht mal wußte, daß es sie gibt … Sign Spinning. Ihr dürft es wörtlich übersetzen mit „herumwirbeln von Schildern“. Gut ein Meter große Hinweisschilder werden durch die Luft gewirbelt und so gut es geht wieder aufgefangen. Es gibt halt nichts was es nicht gibt 😮 .

Nach soviel Action besuche ich die momentan auf Zeche Zollverein stattfindende Ausstellung der Grünen Hauptstadt Europas „Grün in der Stadt Essen – Mehr als Parks und Gärten“ in Halle 5. Eine bunte Mischung aus Fotos, Skulpturen, Tieren und Plakaten aus und über die Geschichte Essens erwarten den Besucher. Sogar der Baumstupf eines Baums, der im Schellenberger Wald vom Sturm Ela abgeknickt wurde, ist dabei. Ich gebe zu, nicht jedes Ausstellungsstück habe ich mir im Detail angeguckt, sehenswert fand ich die lila Gießkanne vom Essener Südwestfriedhof aus dem Jahr 2016 😀 . Ihr glaubt ich scherze? Schaut selber, die Ausstellung läuft noch bis zum 27.08.2017 in Halle 5 und der Eintritt erfolgt nach eigenem Ermessen [Pay what you want].

Auf dem Weg nach draußen begenet mir (passend zur Grünen Hauptstadt) Imanuel Immergrün, der ca. 2,50 Meter große Gärtner. Er jongliert mit Keulen, vermutlich sind es die berühmten Jonglagemöhren oder ist sogar ein Rettich dabei? Man weiß es nicht 😉 . Auf dem Vorplatz vor dem Ruhrmuseum steht die nächste Traube an Menschen. Jean Philippe Kikolas, ein spanischer Slapstik Künstler, versteht es sein Puplikum ohne Worte mit ins Geschehen einzubinden. Ein kleines Mädchen soll ihm beispielsweise einen Jonglierball wiederbringen. Als der Künstler sich bedanken will ist das Mädchen schon wieder weg, als es wiederkommt ist der Künstler abgelenkt, als er sich doch bedanken will ist das Mädchen wieder weg. So geht das 2 Min. bis die beiden zusammenkommen 😀 .

Während dessen rückt der Uhrzeiger auf 19.30 Uhr vor, Zeit nochmal auf den Ehrenhof zu wechseln, denn von dort meldet sich der WDR mit der Samstagsausgabe der Lokalzeit (Extra). Mal zusehen, wie Marc Schulte die Sendung moderiert. Erstaunlicherweise stehen hier kaum Menschen um den Moderator, vermutlich weil es soviel zu sehen gibt, daß eine Kamera und ein Mikrofon mehr oder weniger kaum auffallen. Ich wechsle in den Zollvereinpark weiter hinten auf dem Gelände, als der Regentanz vom frühen Abend Wirkung zeigt, denn es fängt an zu nieseln.

Was der Künstler in Kelbassa’s Panoptikum mit seiner installation des „Kleinen blauen Nähkästchens“ bezwecken will (verschiedene Haushaltsmöbel in die kleine Bildschirme eingebaut sind) erschließt sich mir nicht so ganz. Ich drehe noch eine weitere Runde, gönne mir eine Bratwurst, die im Nieselregen frisch vom Grillrost kommt und begebe mich, da es mittlerweile doch ein bisschen feucht von oben wird, zurück ins Auto. Etwas früher als gedacht breche ich auf nach Duisburg. Der etwa 10 Fußminuten vom Landschaftspark (LaPaDu) entfernte Parkplatz wäre wohl nicht nötig gewesen, der Verkehr am Landschaftspark in Duisburg hielt sich gegen 21.30 Uhr in Grenzen.

Als erstes mache ich mich auf die Suche nach TV Kameras, die später das Feuerwerk übertragen und werde auch schnell fündig. Vor der ehemaligen Kraftzentrale gibt es ausreichend Platz für Kameras und Zuschauer. Bis zum Feuerwerk um 23.00 Uhr ist noch etwas Zeit, also drehe ich noch eine Runde durch den Park und mache einen Abstecher in die Kraftzentrale, in der sogar überraschend gute Musik läuft. Eine Band namens BK&S (BK&S – Broekhuis, Keller & Schönwälder) spielte dort auf Synthesizern und soweit ich das erkennen konnte, mit Hilfe von Laserstrahlen die Laserharfe.

Auf der Außenbühne im Landschaftspark sang gearde ein Mädchenchor mit kräftiger Stimme, so daß ich auch hier einen Moment stehen blieb. Dann trieb es mich zurück, einen Platz für’s Feuerwerk sichern und meinen Regenschirm wieder mal einsetzen, denn je näher der 23.00 Uhr Termin rückte, je feuchter wurde es wieder. Aber fotografieren und Schirm halten harmoniert nicht miteinander, also ab unter einen kleinen Baum.

Der WDR startete unterdessen seine Livesendung, zur Sicherheit fuhr noch die Feuerwehr aufs Gelände, bis dann um 23.00 Uhr endlich das Feuerwerk startet. Was immer ihr über den LaPaDu und die Veranstaltung Extraschicht denkt, das Feuerwerk ist es allemal wert. 15 Minuten tobt sich der Pyrotechniker aus. Danach treffe ich noch kurz Asli Sevindim (Moderatorin der WDR Sendung) und tobe dann zurück zum Auto. Auf der Heimfahrt Richtung Krefeld liegt Moers noch sozusagen auf dem Weg.

Es ist 0.00 Uhr als ich an der Zeche Rheinpreußen ankomme. Markus Krebs beginnt gerade sein Stand-up-Comedian Programm, während ich den illuminierten Förderturm ablichte. Markus Krebs ist nicht so ganz mein Fall, aber er ist eben auch ein Ruhrpottkind. Ich bin um 0.15 Uhr hellwach, so eine Extraschicht puscht irgendwie 🙂 . Also warte ich auch in Moers noch das Feuerwerk ab, daß um 0.30 Uhr folgen soll. Förderturm mit Feuerwerk. Kann man machen, auch wenn LaPaDu nicht zu toppen ist.

Die letzte Rakete ist im Nachthimmel verschwunden, es ist ca. 0.40 Uhr, jetzt geht’s heimwärts bis zur nächsten Extraschicht. Und weil nach der Schicht vor der Schicht ist, merken wir uns – 2018 wieder am letzen Samstag im Juni, genauer am 30.06.2018 gibt’s eine Neuauflage. Was ich sonst noch so zusammengeknipst habe, gibt’s wieder bei Flickr und GooglePhotos zu sehen.

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