Westlichster Bergwerksposten

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Im Sommer 2013 war ich in Krefeld auf dem über alle Grenzen bekannten 😉 Aussichtsturm auf dem Hülser Berg und sah in einiger Entfernung einen alten Förderturm. Ein Bergwerk in Richtung Westen? Ich konnte den Förderturm nicht einordnen, denn die Blickrichtung war nicht Neukirchen Vlyn und erst recht nicht Moers. Megavergeßlich wie ich nun mal bin, habe ich den Förderturm, kaum daß ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, auch schon wieder vergessen.

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Als ich dann vor ein paar Tagen die WDR Lokalzeit Düsseldorf gucke (im Kabel habe ich die Lokalzeit aus Düsseldorf, auch wenn ich ab und zu die Lokalzeit Ruhr zitiere), sehe ich dort einen Bericht über eine alte Zeche und höre was von Abriß des Förderturms. Kanninchengleich stelten sich sofort meine Lauscher senkrecht. Ein Zechenbericht in der Düsseldorfer Lokalzeit? Ja, in der Tat. Es ging um die Zeche Tönisberg in Tönisberg bei Kempen am Niederrhein. Huch … Tönisberg? Da war ich ja noch nie (sonst würde ich die Zeche vermutlich auch kennen). Also flugs eine bekannte Suchmaschine in Gang gesetzt und mir den Weg dorthin rausgesucht … „Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt“.

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Zu meiner großen Freude sollte sich die Zeche Tönisberg (meines Wissens übrigens die westlichste Zeche in Deutschland und damit auch westliche Grenze des Steinkohlenbergbaus) in der Windmühlenstraße befinden und naheliegender Weise befindet sich dort auch noch eine restaurierte Kastenbockwindmühle am Wegesrand die auf Besichtigung wartet. Alles zusammen also der perfekte kleine Ausflug für einen Nachmittag. Donnerstag (Frühlingsanfang, schönstes Wetter) kurzerhand früher Feierabend gemacht und ab dafür.

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Fairer Weise sollte ich noch erwähnen, daß das ehemalige Zechengelände von einem Kunststoffhersteller genutzt wird und die Tore an dem Nachmittag offen standen. Ich habe mich für ein paar Fotos „reingeschlichen“, denn von außen ist neben einigen alten Gebäuden vom Förderturm leider nur wenig zu sehen. Ich bin gespannt, was aus dem Förderturm wird und erzähl’s euch, wenn der WDR wieder berichtet. Gerne hätte ich noch ein bisschen Zeit an der Winmühle verbracht, aber dafür war der Nachmittag zu kurz und rund um die Windmühle gibt’s außer einer Bank auch nur wenig Möglichkeiten sich aufzuhalten (dafür gab’s schöne Fotos 😀 ).

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P.S.: Ich habe noch ein paar Bilder hochgeladen bei Google+ und Flickr.

Zeche Holland

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Genug der Jahresrückblicke, ein Blick voraus … oder ne doch nicht, einen hab‘ ich nämlich noch aus 2013. Bevor ich mal wieder einer Show im Bochumer Planetarium beiwohnen durfte, habe ich in der letzten Dezemberwoche noch einen kleinen Abstecher nach Wattenscheid gemacht. Liegt ja sozusagen an der A40 gleich links. Dort liegt oder besser lag die Zeche Holland. Viel ist nicht mehr übrig, aber der markante Förderturm steht noch, etwas einsam und verlassen, in einer kombinierten Wohn-, Gewerbe- und Grünfläche. Aus der Ferne gut zu erkennen durch die Aufschrift „Holland“ trotzt der Förderturm dort Wind und Wetter. Leider ist Wind und Wetter wohl auch das Problem, daß eine Sanierung ins Stocken geraten ist oder besser gesagt garnicht wirklich in Angriff genommen wurde. Vor einer Sanierung müßte die Standsicherheit gesichert werden, aber auch das kostet wieder Geld.

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Schade um das schöne „Bauwerk“, das ursprünglich sogar mal über der Zeche Zollverein stand, bevor es nach Wattenscheid versetzt wurde. Jetzt dümpelt es so vor sich hin, nix Aussichtsplateau, nix Anstrich, nix Sanierung. Bevor es zu dem hoffentlich nicht stattfindenen Abriß kommen wird, dachte ich mir, machste doch mal ein paar Fotos. Liegt ja sozusagen an der A40 gleich links (aber das sagte ich ja schon). Die Bilder sind noch im 2013’er Album bei Flickr bzw. Google+ zu finden.

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Glück auf – Unterwegs mit der Dieselkatze

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Ihr erinnert euch vielleicht an die Extraschicht im Sommer diesen Jahres. Die RAG Deutsche Steinkohle AG hatte in dem Zusammenhang ein Gewinnspiel veranstaltet, an dessen Ende als Gewinn eine Grubenfahrt in ein echtes Bergwerk stand. Und was soll ich sagen, ich war einer der Gewinner. Die Unterlagen kamen im September und am Montag, ein Tag nach dem 3. Advent, war es soweit. Nachdem als erstes die Zeche Prosper Haniel in Bottrop Ziel sein sollte wurde Ende November die Grubenfahrt nach Marl verlegt. Das liegt natürlich nicht gleich bei mir um die Ecke, so daß erst einmal eine Anreise von rd. 80 km anstand, aber für diese einmalige Grubenfahrt in ein betriebsfähiges Bergwerk habe ich das gerne auf mich genommen. Das Gewinnspiel war auf der letzten Seite des Veranstaltungsheftes zur Extraschicht abgedruckt, aufmerksam geworden war ich aber bereits ein paar Tage vorher via Facebook (Danke Danny 😉 ). Also lag es nahe, daß ich Danny auch als Begleitperson zu dem Besuch eingeladen habe.

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Die Zeche Auguste Victoria in Marl ist neben Prosper Haniel eine der beiden verbliebenen Zechen, die von der RAG noch betrieben werden. Wenn ich ehrlich bin, war ich schon ein bisschen nervös in den Tagen vorher. Schließlich ging es hier nicht wie in Bochum in ein Besucherbergwerk 15 Meter unter der Erde, sondern in über 1080 Meter Tiefe auf Sohle 6. Wir starteten in einem gut geheizten Raum mit einem kleinen Überblick, über die RAG, über den Kohleabbau und über das was nach 2015, dem Ende von Auguste Victoria, kommt. Die Vorstellung endete mit einer kurzen Sicherheitseinweisung und dem Hinweis daß alles batteriebetriebene (Handy, Digitalkamera, Armbanduhr) aus Sicherheitsgründen über Tage bleiben muß, was ein Grund dafür ist, daß es im heutigen Blogbeitrag nur wenig Fotos gibt.

File0018_50%Als nächstes wurde die passende Bekleidung (vom Feinripp bis zur Jacke) ausgegeben, ich glaube bei der Hose hätte ich noch ordentlich zunehmen können 😉 , dazu Sicherheitsschuhe, Schienbeinschoner, Lampe, CO2 Filter für den Notfall, Helm und Schutzbrille. Leider habe ich vor lauter Begeisterung vergessen, Bilder von der Montur zu machen, aber das offizielle Gruppenfoto folgt in ein paar Tagen seht ihr am Anfang des Blogbeitrags. Ihr erinnert euch ja noch an das Bild, daß ich im Juni auf der Zeche Zollverein gemacht habe. Dann ging es im Förderkorb mit ca. 12 Metern/Sek. (rd. 40 km/h) auf Sohle 6 in rd. 1080 Meter Tiefe. Während der Seilfahrt mußte ich mir 2-3 Mal die Nase zuhalten und kurz zwecks Druckausgleichs pusten. Danach ging es mit der Dieselkatze (einer Art Einschienenhängebahn mit dieselhydraulischem Antrieb) zum Abbaufeld in rd. 3 km Entfernung.

Unter Tage sorgen mächtige Lüfter dauerhaft für frische Luft und dank Wärmetauschern (ich nenne die mal so) waren es gefühlte … na ich sag mal 24 Grad. Wir durften schließlich dem Kohleabbau mit einem Walzenschrämlader in einem Streb beiwohnen (ich hoffe ich habe das soweit richtig wiedergegeben). Schon beeindruckend, was so eine Maschine unter Einsatz von viel Wasser und noch mehr Kraft an Kohle aus der Wand „schält“. Allerdings mußte jemand, der wie ich rd. 1,80 Meter groß ist, an der Stelle schon ordentlich den Kopf einziehen. Wenn ihr mich jetzt fragt, wie man sich über 1000 Meter tief unter Tage fühlt, muß ich gestehen, daß die 1000 Meter höchstens im Kopf vorhanden sind. Abgesehen von der kurzen und ruckelnden Seilfahrt könnte man auch in einem U-Bahntunnel knapp unter Straßenniveau stehen.

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Alles in allem kann ich nur sagen, es hat sich gelohnt an der Grubenfahrt teilzunehmen, vor allem wenn man bedenkt, daß der Bundestag im Jahre 2011 das Ende der Steinkohlesubventionen und damit das Ende der Steinkohleförderung bis zum Jahr 2018 beschlossen hat. Der Ruhrbergbau hat selbstverständlich seine Spuren hinterlassen im Ruhrgebiet ober- wie unterirdisch, in Form von Fördertürmen und Halden aber auch in Form von Bergsenkungen (Teile des Ruhrgebiets liegen heute 15 bis 20 Meter tiefer als noch vor 200 Jahren) und damit manchmal verbundenen Schäden, aber von nix kommt bekanntlich nix. Wenn es in den nächsten 5 Jahren nochmal die Gelegenheit gibt zu sehen, wovon das Ruhrgebiet viele Jahre gelebt hat, nehmt die Möglichkeit unbedingt wahr (auch wenn es fast unmöglich ist, einen Termin zu bekommen). Mein Dank an alle Beteiligten der RAG, der Ruhr-Tourismus und den Kumpeln auf Zeche AV. Glück auf!