
Die Route Industriekultur feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Rund 400 km ist diese Route, die sich quer durchs ganze Ruhrgebiet bis an den Niederrhein zieht und Aussichtspunkte, Installationen oder Museen, zum Teil an alten Industriestandorten, verbindet. Zum 25. Jubiläum der Route Industriekultur werden dieses Jahr 27 Ankerpunkte der Route zu Local Heroes. Den Anfang der Local Heroes hat letzte Woche die Zeche Zollverein in Essen gemacht. Passend dazu gab es, 4 Wochen früher als sonst, die Extraschicht 2024.




Das heißt ihr bekommt mit diesem Blogbeitrag gleich zwei Highlights auf einmal. Dank Feiertag am Donnerstag, wurde gleich ein ganzes Wochenende durchgefeiert. Familientag, Unesco Welterbetag, dazu das beste aus bisherigen Extraschichten in der Extraschicht 2024. Häufigeren Besuchern dürfte die Blumenwiese vom Illuministen Peter Grotz bekannt vorkommen, dazu die überlebensgroße Puppe Dundu , ein nostalgisches Karussell u.v.m. Den Familientag am Donnerstag habe ich genutzt den Museen auf Zollverein einen Besuch abzustatten, einen Blick auf das Ergebnis des Fotowettbewerbs „25 Jahre Leben und Industriekultur“ zu werfen und den neuen 360 Grad Film anzusehen.





Dorthin ging es auch zuerst. Wo heute das 360 Grad Kino ist, war früher der Rundeindicker. Ja, der heißt wirklich so und diente früher der Wasseraufbereitung, indem Schlammreste und Wasser in ihm getrennt wurden. Zu erreichen ist das Kino durch das Portal der Industriekultur (welches an normalen Tagen Eintritt kostet). Auf vier (Lein-)Wänden wird eine Art großformatiger ca. 20 minütiger Imagefilm über das Ruhrgebiet gezeigt. Daher der naheliegende Titel „Rundum Ruhr“. Anschließend bin ich der Kohlenwäsche mal wieder aufs Dach gestiegen, immerhin ohne daß es, wie sonst so häufig, geregnet hat.





Vor ein paar Wochen hatte der Regionalverband Ruhr zusammen mit dem Ruhr Museum über die FUNKE Medien Gruppe Amateurfotografinnen und Fotografen aufgerufen ihre Bilder zum Thema 25 Jahre Leben und Industriekultur einsenden. Auch ich habe mich hier beteiligt, wurde aber leider nicht ausgewählt. Unter den stattdessen ausgewählten Bildern sind ein paar, die mir gut gefallen haben, aber auch einige, die ich nicht gewählt hätte. Ihr könnt die Bilder noch bis 10. November 2024 auf der 24-Meter-Ebene des Ruhr Museums sehen, einen Auszug gibt’s hier (und in den Bildern weiter oben), der Eintritt ist frei.




Dann ging es noch für einen Abstecher in die Galerie auf der 21-Meter-Ebene der Zeche Zollverein. „Unterwegs mit Marga Klinger“ heißt die Ausstellung und zeigt Bilder, die sie in Ausübung ihres Berufs gemacht hat. Sie war von 1951 – 1991 Pressefotografin für die WAZ in Essen und im Ruhrgebiet. Nun ja, die Fotos zeigen 40 Jahre Zeitgeschehen und sind vor allem noch 100% analog gemacht worden. Mal Politiker wie Willi Brandt oder John F. Kennedy, mal Damen beim Minigolf, Sportler beim Training oder die Polizei bei der Unfallaufnahme. Lokaljournalismus eben. Man muß sich schon dafür interessieren.




Am Samstag war dann also Extraschicht und ich konnte in aller Ruhe draußen die Kamera auf das eine oder andere halten, denn das Museum hatte ich ja erstmal abgehakt. Dundu, die überlebensgroße Figur, die so locker leicht von fünf „Puppenspielern“ bewegt wird, war das Highlight des Abends. Wie gemacht für die riesigen illuminierten Blumen und live begleitet von einer Kora, einem Harfeninstrument, das vorzugsweise in Westafrika gespielt wird. Überhaupt gab es ganz viel Musik über den Abend.




Während Dundu und die illuminierten Blumen im Ehrenhof zu sehen waren, spielte auf dem Vorplatz die Gruppe Alpcologne zweitweise (mit zwei Personen) auf drei Alphörnern, während eine Ecke weiter der musikalische Schmied Marius Broeders mit allerlei Krimskrams aus dem Bastelkeller seltsame Experimente und musikalische Darbietungen zum Besten gab. Auch der WDR war mit Stefan Göke in der Sendung Lokalzeit am Samstag vor Ort. Während einer Kurzführung durch die Zeche, habe ich mein Wissen über die Arbeit über und unter Tage aufgefrischt.




Ein ehemaliger Bergmann führte uns eine knappe Stunde durch die ehemalige Kohlenwäsche und erzählte Geschichten aus seinem Berufsleben als Bergmann. Regelmäßige Arbeitszeit, Gewerkschaften, Unfallschutz, alles Wunschdenken zu Beginn des Bergbaus. Knochenharte Maloche, aber auch das Einstehen der Kumpel füreinander, beides zusammen wird man in anderen Jobs heute vermutlich vergeblich suchen. Den Tagesabschluß der Extraschicht gab es dieses Jahr nicht bei einem Feuerwerk sondern im Luftschiffhangar der WDL in Mülheim a. d. Ruhr




Das Luftschiff namens Theo, mittlerweile was den Flugbetrieb betrifft ja von Hugo abgelöst, wurde mit einer Videoprojektion, passend zur Musik, bespielt, so eine Art überdimensionaler Videoclip. Die Musik war vielleicht etwas laut, aber die Show an sich war gut. Dazu gab’s noch ein paar Oldtimer, umstehende Kleinflugzeuge wurden genauso wie die Ju52 beleuchtet nur mit den Pommes gings, während ich in der Schlange stand, leider zu früh zu Ende. Also noch ein paar Bilder von der Luftschiffhalle und dann gegen Mitternacht ab nach Hause. Die restlichen Bilder gibt’s bei Flickr und Google Photos.

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