Mies van der Rohe Business Park

Industriekultur in Krefeld? Quer durchs Ruhrgebiet habe ich euch im Blog schon zu diversen Orten mitgenommen. Im letzten Jahr habe ich euch sogar von der Industriekultur in Berlin erzählt, aber in meiner Wahlheimat Krefeld? Wo gibt’s denn da Industriekultur? Aufmerksam wurde ich, als darüber diskutiert wurde, ob Krefeld seine in die Jahre gekommene Stadthalle neu bauen oder vielleicht in einem alten Industrieareal realisieren soll. Als dann am letzten Wochenende der „Tag des offenen Denkmals“ stattfand, habe ich mich auf die Suche nach diesem Industrieareal gemacht.

Der Mies van der Rohe Business Park (ein Produktionsgelände der ehemaligen „Vereinigten Seidenwebereien AG“ VerSeidAG) lud ein, hinter die Kulissen zu gucken. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Ludwig Mies van der Rohe entwarf für dieses Gelände in den 1930’er Jahren im Auftrag der Textilfabrikanten Josef Esters und Hermann Lange einen zweigeschossigen Büro- und Verwaltungsbau mit angeschlossener Fabrikhalle (der weltweit einzige Industriebau, den Mies van der Rohe jemals errichtete).

Als trotz architektonischem Glanz 2009 der niederländische Mutterkonzern Gamma und somit auch die in den Mies-Bauten sitzende Verseidag-Tochter Voss-Biermann, Lawaczeck (VBL) in finanzielle Schwierigkeiten geriet, waren durch die Insolvenz plötzlich weite Teile des Geländes ohne Mieter. Die Gebäude verwahrlosten, Maschinen wurden ausgebaut und wo Türen nicht paßten, wurden sie durch große Löcher in den Wänden passend gemacht.

Erst durch das Engagement von Wolf-Reinhard Leendertz, der lt. Rheinischer Post auch an Kauf und Entwicklung von Schacht 4 der Zeche Niederberg in Tönisberg interessiert ist, und ein paar zunächst verrückt klingender Ideen, wird das denkmalgeschützte Industriegelände seit einigen Jahren nach den Regeln des Bauhauses wiederhergestellt. Es steckt eine Menge Potential darin, wenn sich denn genügend Interessenten finden das Areal zu „bespielen“.

Mit Büros, Restaurants, Cafes und irgendwann vielleicht auch einer Veranstaltungshalle könnte das Gelände beispielsweise dem Landschaftspark in Duisburg oder der Zeche Zollverein (an die ich auch ohne Förderturm gleich denken mußte) Konkurrenz machen. Am Tag des offenen Denkmals hatte ich und rund 100 weitere Besucher die Gelegenheit in viele sonst verschlossene Gebäude zu gehen und sich einen Eindruck zu verschaffen.

Ich bin kein Fachmann für Bauhausarchitektur, kann auch nicht immer nachvollziehen, warum jetzt dieses oder jendes Gebäude so außergewöhnlich ist, aber die breiten Wege, das ausgefallene Dach der ehemaligen Färberei und die Schornsteine haben es mir angetan. Wenn dann noch das Wetter mitspielt ist der Business Park so ganz nebenbei auch noch eine 1a Fotolocation. Einige weitere Bilder vom Sonntag findet ihr daher wieder bei Flickr und GooglePhotos.

Übrigens, 2019 ist das Jubiläumsjahr des Bauhausstiels – 100 Jahre Bauhaus. Mal sehen, vielleicht gibt’s bis dahin ja schon Fortschritte im Business Park. Ich komme auf jeden Fall bald mal wieder vorbei.

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