Malakoffturm auf Zeche Prosper II

Es war das Jahr 2010, Kulturhauptstadtjahr im Ruhrgebiet. Unweit der Halde Beckstraße, vielen vermutlich besser bekannt als die Halde mit dem Tetraeder, war eines meiner Ziele der Malakoffturm der Zeche Prosper II in Bottrop. Wer um alles in der Welt war dieser Malakoff (oder Malakow) und warum hatte man den Turm einer Schachtanlage nach ihm benannt? Ich bemühte das Internet und fand heraus, daß der Name Malakoff auf die Bezeichnung des „Fort Malakow“ im Krimkrieg zurückgeht und für Stärke, Monumentalität, Massigkeit, Größe und Belastbarkeit stand. Ich stand also vor diesem mächtigen Turm, einem der aufwändigsten Malakofftürme, die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gebaut wurden.

Nun einige Jahre später, genauer am vergangenen Sonntag, stand ich wieder vor dem Turm. Es sollte ja trocken bleiben … ja, eigentlich, aber das mit dem Wettergott habe ich noch nicht im Griff. Seit einiger Zeit kann man den Turm im Rahmen einer Führung betreten und auf die (noch relativ) neue Aussichtsplattform in etwa 40 Metern Höhe klettern. Also Wetter einfach Wetter sein lassen und los. Was soll ich sagen, ihr habt mich ein bisschen im Stich gelassen, denn ich sollte der einzige sein, der sich für die Führung an diesem Nachmittag interessierte. Aber Programm ist Programm, also gab's eine Privatführung mit Martin Brunsmann.

Der Bottroper Malakoffturm wurde 1875, vier Jahre nach der Abteufung des Schachtes Prosper II, fertig gestellt und erst rund 100 Jahre später wieder außer Betrieb genommen. Er hat die Grundmaße von rund 18 mal 18 Metern, ist über 30 Meter hoch und man soll ihm, trotz Renovierung, sein Alter ansehen. Während zu Beginn das Fördergerüst nur aufgesetzt war, wurde später der heute sichtbare Förderturm eingesetzt. Wenn ihr der Meinung seid eure Fotos von der Frontseite wären etwas schief, kann das durchaus sein, denn das Gewicht der zu transportierenden Lasten hat den Turm in leichte Schräglage gebracht.

Nach ein paar Stufen, die ihr locker überwindet wenn ihr auch Halden besteigt, geht es oben durch eine kleine Türe nach draußen. Nochmal ein paar Stufen und ihr habt’s geschafft. Neben einem Blick auf Tetraeder und Skihalle ist auch der Blick auf die gleich nebenan liegende Kokerei von der Aussichtsplattform möglich. Was ich nicht wußte, daß die Kokerei seit 2011 gar nicht mehr der RAG Deutsche Steinkohle AG gehört, sondern dem Stahlkonzern ArcelorMittal, dessen Vorsitzender wiederum ein Inder namens Lakshmi Niwas Mittal ist (wenn ich das richtig gegoogelt habe). Die Kohle, die dort zu Koks gebacken wird, besteht schon heute nur noch aus Importkohle, während die Kohle, welche auf Prosper Haniel zu Tage gefördert wird, im Kraftwerk Scholven verbrannt wird.

Und noch etwas fand ich interessant, die geförderte Kohle gelangt auf einem Förderband durch einen schrägen Tunnel aus einer Tiefe von 779 m und mit einer Steigung von 21% an die Oberfläche, während das Bergematerial (Gestein) nach der Kohlenwäsche auf dem Unterband wieder unter Tage geht, um unter Bottrop hindurch auf der Schachtanlage Franz Haniel gehoben und auf die Halde Schöttelheide verbracht zu werden. So habe ich also trotz schlechten Wetters doch noch neues erfahren und bedanke mich auf diesem Weg nochmal herzlich bei Martin für die Führung.

Und wenn ihr jetzt auch mal auf den Turm wollt, an jedem 2. und 4. Sonntag habt ihr die Chance dazu. Der Kostenbeitrag für diese Führung beträgt 5,- €/Erw. Weitere Informationen erhaltet ihr unter www.industriedenkmal-stiftung.de unter info@industriedenkmal-stiftung.de oder unter Tel.: 0231-93112233. P.S.: Für das zweite Bild mit dem blauen Himmel habe ich übrigens im meine digitale Fotokiste gegriffen, aber nicht verraten 😉 .

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