Köln – Altstadt, Dom und Veedel (II)

Willkommen zum 2. Teil von „Köln – Altstadt, Dom und Veedel“. Ihr habt den ersten Teil verpaßt? Macht nichts, klickt einfach hier.

Der erste Tag näherte sich langsam den Ende, aber mein Spickzettel verriet mir, daß es vom Chlodwigplatz nur ein paar Stationen mit der Straßenbahn bis zum Rudolfplatz waren. Dort steht die Hahnentorburg und noch eine Ecke weiter auf dem Willy-Millowitsch-Platz sitzt die Figur, die ich auf dem Eisenmarkt vergeblich gesucht habe. Wenn euer Reiseführer noch Eisenmarkt behauptet, streicht es durch. Willy Millowitsch, der Volksschauspieler, an den ich mich noch gut zurückerinnere, gehört zu den wenigen, die bereits zu Lebzeiten ein Denkmal bekommen haben und das steht jetzt auf dem Platz, der seinen Namen trägt.

Der Rudolfplatz ist auch Ausgangspunkt für einen Abstecher ins „Belgische Viertel“. Lütticher, Antwerpener oder Maastrichter Straße verraten schon, daß es belgisch wird. Ich überquere den Hohenzollernring und laufe zunächst die Aachener Straße entlang, biege dann rechts ab und lasse das Veedel auf mich wirken. Eine Führung durch dieses Viertel wäre sicherlich auch nicht uninteressant, denn ich finde alleine rund um den Brüsseler Platz ein paar tolle Fotomotive. Aber ich habe mich ja zu einer Führung durch Ehrenfeld entschieden. Dazu aber gleich mehr.

Der zweite Tag in Köln startet mit einem ausgiebigen Frühstück. Draußen sieht es ziemlich feucht aus. Man könnte den Tag irgendwo drinnen verbringen z.B. in einem der über 40 Museen, im Dom oder (warum nicht) in einer U-Bahn Station 😉 . Seit vielen Jahren wird an der Nord-/Südbahn gebaut und bis auf die entscheidende Verbindung zwischen Heumarkt und Severinsstraße (Einsturz des Stadtarchivs vor 8 Jahren) kann man aber bereits mit der Linie 5 bzw. 17 fahren. Eine der beeindruckensten U-Bahn Stationen dieser Strecke dürfte die Station Heumarkt sein.

Ein gläsernes Treppenhaus, ein kuppelartiges Dach und mit 28,50 Meter der tiefste U-Bahnhof Kölns. Mit 20.000 m² eine regelrechte Kathedrale unter der Erde. Beeindruckend und für einen Samstag überraschend leer. Mit 1 x umsteigen in die Linie 18 fahre ich trotz miesen Wetters nun in Richtung Flora. Unendlich viele Tulpen bringen mich in einen regelrechten Farbenrausch. Ich bin auf Anhieb verliebt in soviel Gartenarbeit und das beste, die Flora und der anschließende Botanische Garten kosten keinen Eintritt. Der Eingang befindet von der Station der Linie 18 keine 5 Minuten entfernt, gleich hinter dem Zoo. Leider nimmt der Regen zu, ich muß wohl nochmal wiederkommen, im Sommer wenn die Sonne scheint.

Stattdessen fahre ich zurück, betrete den Kölner Dom und mache mich auf die Suche nach dem Richterfenster (Fensterfläche 106 m², 11.263 Farbquadrate, 72 Farben). Wenn jetzt die Sonne noch durch das Südquerhausfenster scheinen würde, gäbe es mit Sicherheit tolle Farbeffekte. Als ich den Dom wieder verlasse, scheint der Regen für einen Moment inne zu halten, die Sonne will sich heute aber trotzdem nicht zeigen. Ich quere den Rhein über die Hohenzollernbrücke. Diese Brücke dürfte weit über Köln hinaus bekannt sein, denn erstens führen alle Wege der Bahn über diese Brücke zum anderen kann man auch zu Fuß an tausenden von Liebesschlössern entlangschlendern.

Die Rheintreppe, Köln Triangle, der Rheinpark wären weitere Ziele auf der anderen Rheinseite, aber ich hatte noch etwas wichtigeres vor an diesem Nachmittag. Außerdem begann es, während ich das Ende der Hohenzollernbrücke erreicht hatte, erneut zu regnen 😦 . Ich war gebucht für eine Führung durch Köln Ehrenfeld. Der Westen Kölns präsentiert, wenn ich das Programmheft zitieren darf, einen bunten Mix des urbanen Lebens, Industriecharme und Street Art. Titel der Führung: „#urbanCGN Ehrenfeld – Street Art & Street Life“. Treffpunkt ist der Haupteingang der Kirche St. Joseph, Venloer Straße 286. Die Tickets müßt ihr vorab bei Köln Tourismus kaufen.

Punkt 16.00 Uhr starten wir an besagter Kirche auf der Venloer Straße. Unsere Begleitung für 1 1/2 Stunden kommt selbst aus Ehrenfeld und klärt uns zunächst über die Entstehung der Vorstadt auf. Weil man das Köln des 19. Jahrhunderts durch das Ehrentor verlassen mußte, um über die Ehrenstraße zum Ehrenstraßener Feld zu gelangen, entstand auch der Name Ehrenfeld. Im Jahre 1888 erfolgte die Eingemeindung Ehrenfelds als Stadtteil von Köln.

Wußtet ihr z.B., daß der Audi-Gründer August Horch hier seine ersten Automobile entwickelte oder warum die ältesten Häuser Ehrenfelds sogenannte Dreifensterhäuser sind? Weil nach der preußischen Bauordnung Häuser mit einer Breite von bis zu 20 Fuß (etwa 6,28 Meter) von Steuerabgaben befreit waren, wurden Häuser in genau dieser Breite gebaut. Einige davon gibt es auf der Führung zu sehen.

Ebenso den Platz einer ehemaligen Synagoge in der Körnerstraße ironischerweise gleich neben einem Hochbunker. Wir bekommen ein urban gardening Projekt zu sehen und natürlich immer wieder Street Art in allen seinen Ausprägungen. Sticker (geklebt), Paste Up (Papier mit Kleister befestigt), Mural (Malerei) oder Stencil (Farbe mit Schablone aufgetragen). Und dann war da ein verbarrikadiertes Schaufenster, das man nur durch genau zwei Löcher betrachten konnte. Zweideutiger Titel „Peep Show“ 😀 .

Je näher wir dem Ziel, dem S-Bahnhof Ehrenfeld, kommen, desto größer werden die Street Art Kunstwerke. Und Köln wäre nicht Köln, wenn Street Art nur Vergnügen wäre. An der Schönsteinstraße wird unterhalb des Bahndamms in großformatigen Bildern an die Edelweisspiraten, einer mir zugegeben bisher unbekannten Widerstandsgruppe im 3. Reich erinnert.

Ich hätte vermutlich noch eine weitere Stunde zuhören können, wenn die Führungszeit nicht bereits überschritten gewesen wäre. Wenn ihr die Möglichkeit und Interesse an Street Art habt, sucht euch doch auch diese oder eine andere der Spezialführungen aus. Ach ja, vom 01.-24.09.2017 findet dieses Jahr erneut das „CityLeaks Festival“ statt, das vermutlich wieder neue künstlerische Spuren im Stadtbild Kölns hinterläßt. Köln, ich komme auf jeden Fall wieder (wenn ein bisschen mehr die Sonne scheint 🙂 ).

Unterstützt wurde ich bei dieser kleinen Reise durch Köln Tourismus, die mir mit der KölnCard sowie der Führung durch Ehrenfeld unter die Arme gegriffen haben. Meine beschriebenen Eindrücke bleiben hiervon unberührt und meine eigenen. Weitere Bilder gibt’s bei Flickr und Google Fotos.

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