Auf der Suche nach Heimat

Ich weiß, daß der heutige Text nicht der meistaufgerufene werden wird, aber vielleicht gebt ihr mir trotzdem die Gelegenheit mal ein ganz anderes Thema anzusprechen. Ich habe diesen Text bereits im Frühjahr begonnen zu schreiben, ihn dann aber wieder in die Entwürfe zurückgestellt. Jetzt wo die herbstlichen Tage kommen, habe ich mich endlich entschieden auf „Veröffentlichen“ zu klicken. Während es hier im Blog häufig um Reisen oder Ausflüge ins Umland, ins Ruhrgebiet, nach Köln, Hamburg oder Berlin geht, findet sich hier selten etwas nachdenkliches, privates. Weiterlesen →

Ein Schwank aus meinem Leben

Telefon1Der heutige Blogbeitrag wartet schon 2 Wochen auf Veröffentlichung und beginnt zunächst mit einer Frage. Warum gräbt unser Gehirn manchmal in der Mottenkiste nach verschollenen Gedanken? Plötzlich erinnere ich mich wieder an Dinge, von denen ich seit Jahren nicht mal mehr wußte, daß dieser Gedanke noch in meinem Gedächtniskeller schlummert. Warum tut unser Gedächtnis das? Ich weiß wirklich nicht, wie ich darauf kam, aber letztens fiel mir ein, wie ich das erste Mal selber telefonieren durfte. Heute ist es für uns und unsere Kinder selbstverständlich, daß man telefonieren kann. Fast jeder hat heute einen Festnetzanschluß (nennen wir ihn mal so, auch wenn er technisch übers Kabelnetz oder das Internet ins Haus kommt) und die ersten haben sogar schon wieder keinen Festnetzanschluß mehr, weil sie rund um die Uhr mit dem Handy telefonieren.

In meiner Grundschulklasse hatte ich einen Klassenkameraden mit dem ich Sammelbilder getauscht habe. Ich erinnere mich nicht mehr um was es da genau ging, vermutlich waren es Fußballbildchen, die heute längst wieder von Regenwürmern zu Humus verwandelt wurden, aber er hatte eine Reihe davon doppelt (Bilder nicht Regenwürmer) und wollte sie mir mitbringen. Er erzählte mir aber an jenem Tag, daß er bald umziehen und die Schule wechseln würde, höchste Zeit also, daß er mir die Bilder mitbringt. Um ihn nochmal zu erinnern mußte ich ihn anrufen. Nun war es damals noch so, daß ich im Grundschulalter zum Telefonieren in die Telefonzelle oder zu meiner Oma gehen mußte, weil meine Eltern noch keinen Telefonanschluß hatten. Ja, in den frühern 70’ern war das noch so. Ich marschierte also eines Nachmittags zu Oma und Opa, klingelte und bat darum ein Telefonat führen zu dürfen. Ich stellte mich an diesen hellgrauen Aparillo und benutzte die Wählscheibe 😮 . Ich wußte wie das ging, hatte aber keinen Plan, wie man sich beim Telefonieren verhält. Ich weiß, viele wissen das heute auch noch nicht (oder nicht mehr), aber sinnvollerweise meldet man sich mit seinem Namen und verlangt dann den entsprechenden Gesprächspartner.

Telefon2Ich wählte also die Nummer des Schulfreundes und es klingelte. Ans Telefon ging, huch welche Überraschung, aber nicht er selbst, sondern seine Schwester. Anstatt sich ordentlich zu melden, sagte ich nur „Bringst du mir die Bilder morgen mit“? Die Schwester ahnte vermutlich um was es ging, antwortete sowas wie „Ich werde es ausrichten“ und schwupps war das Gespräch auch schon wieder beendet. Ich weiß heute noch, daß meine Oma fragte, ob ich mit meinem Klassenkameraden gesprochen und mich auch mit meinem Namen gemeldet hätte. Ich mußte bedauerlicherweise beides verneinen. Hätte sie das nicht vorher fragen können 😀 ? Trotz des etwas verunglückten Telefonats bekam ich meines Wissens am nächsten Tag die erwarteten Bildchen.

Jetzt mal ehrlich, warum habe ich mich an diesen alten Kram plötzlich wieder erinnert? Vielleicht, weil meine Eltern irgendwann ihren eigenen Telefonanschluß bekamen und ich letztens darüber nachgedacht habe, daß ich deren Rufnummer als eine der wenigen Nummern schlafwandlerisch auswendig kann? Die Nummer hat sich nämlich seit über 40 Jahren nicht geändert.

Damals waren die Leitungen knapp und man mußte schon mal warten, bis der Telefonanschluß geschaltet wurde. Dann, von einem Tag auf den anderen, stand der Techniker der Deutschen Post(!) vor der Türe. Der Anschluß war ruck zuck gelegt und nach ein paar Tagen merkten wir auch warum plötzlich alles so schnell ging. Die Rufnummer gehörte zu einem abgemeldeten Anschluß einer Kneipe, die ein paar Straßen entfernt wohl ihr Geschäftsleben eingestellt hatte. In den nächsten Tagen klingelte das Telefon immer wieder mal und irgendjemand wollte, Hans und Franz oder einmal sogar Hinkebein sprechen 😀 . Das führte im Familienkreis immer wieder zu Lachanfällen.

Telefon3– Wußtet ihr, daß wenn man in den 70’ern als Anrufer das Gespräch nicht beendete, die Verbindung bestehen blieb und der Angerufene trotz zwischenzeitlichen Auflegens trotzdem weiter mit euch verbunden war?
– Wußtet ihr, daß man früher zufällig auch schon mal in fremde Gespräche reinhören konnte, wenn es zu einer Fehlschaltung kam?
– Wußtet ihr, daß die erste selbstwählbare Verbindung ins Ausland am 03.09.1955 eingerichtet wurde und sich die flächendeckende Einführung des Selbstwähldienstes noch bis 1966 hinzog (der Vollausbau in Westdeutschland sogar erst 1972 erreicht wurde, in einigen ländlichen Ortsnetzen in Ostdeutschland erst Ende der 1980er Jahre)?

Seht ihr, jetzt habt ihr sogar noch etwas gelernt, ich fürchte es hilft euch im Leben aber auch nicht weiter, es sei denn die Frage kommt demnächst im „Quizduell“ oder bei „Wer wird Millionär“ 😉 . Ich geh derweil mal wieder im Gedächtniskeller stöbern.

Bis die Tage …

blitz2
Ich habe lange überlegt, ob ich das wirklich hier in (m)einen Blog schreiben soll. So ein Blog ist schließlich weltweit abrufbar und doch so ein bischen privat. Wen interessiert das eigentlich? Eine familiäre Trennung ist schwer zu verkraften, aber es scheint unausweichlich. Die letzten gemeinsamen Wochen im eigenen Haus sind angebrochen. Ich bin mir nicht sicher, ob und wie ich das überstehe.

Klar das Leben geht weiter … ach ist das eine Sche…e, warum schreibe ich das hier eigentlich? Damit es morgen bei Google weltweit gelesen werden kann? Tut mir leid Leute, ich schreib demnächst wieder sinnvolleres Zeug als das hier, aber heute ist mir irgendwie alles egal. Ich bin auf meinem emotionalen Tiefpunkt angekommen, oder hatte ich den bereits vor ein paar Tagen? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht lösche ich diesen Beitrag auch wieder, vielleicht gibt es auch viel schlimmere Schicksalsschläge … ja ich bin mir sicher, es gibt sie bestimmt, nur momentan fühle ich mich eben wie der letzte Ar… auf dieser Welt.

Ich klinke mich hier erstmal aus (Lehrgangsreise steht an) ich sag mal … bis die Tage …