Hamburg 2025

Seit über 15 Jahren bin ich immer wieder mal in Hamburg und auch wenn die Regenwahrscheinlichkeit 90% vorhersagt, heißt das noch lange nicht, daß es auch den ganzen Tag regnet (sowas hatte ich auch schon). Für den Fall der Fälle hatte ich vor, einige Museen zu besuchen, was aber letzten Endes gar nicht nötig war. Nachdem ich die Reise zwei Tage vor Beginn schon verwerfen wollte (das Gefühl habe ich immer bevor es los geht), waren am Ende 2 1/2 Tage wieder viel zu kurz. Also los, euch erwarten ein Bunker, ein Panoptikum, ein Einkaufscenter, neue Ansichten, alte Wege und gaaanz viele Bilder.

Nur einen Steinwurf von der U-Bahn Station Feldstraße liegt am Heiligengeistfeld der nicht zu übersehende Hochbunker. Lt. Wikipedia wurde er im Jahr 1942 von 1.000 Zwangsarbeitern in 300 Tagen zum Schutz der Hamburger Bevölkerung erbaut. Die Grundfläche des Bunkers mißt 75 × 75 Meter, er ist ursprünglich 38 m hoch, hat eine Wandstärke von 3,5 m und einer Deckendicke von 5 m. Nun, es gibt hübschere Gebäude, daher wurde der Flakbunker zum grünen Bunker umgebaut, um 20 m erhöht und mit hunderten von Treppenstufen sowie Büschen und Bäumen versehen. Aktuell ist das Betreten durch ein Drehkreuz kostenfrei möglich (Taschen mußten vorgezeigt werden, ich glaube Getränke waren nicht erlaubt).

Der Weg hoch ist sehr treppenreich, aber breit genug. Man merkt gar nicht, daß man außen am Gebäude nach oben geht. Auf Höhe der ehemaligen Flakgeschütze kann man einmal um den ganzen Bunker herumgehen mit einer tollen Aussicht über die Stadt. Oben angekommen gibt es, wenn man möchte ein kühles Getränk.

Vom anderen Ende des Heiligengeistfeldes (U-Bahn St. Pauli) sind es nur wenige Minuten Fußweg bis zum Panoptikum. Lange hatte ich mich gegen einen Besuch gewehrt, weil mich die Bilder der Wachsfiguren nicht begeistert hatten. Dieses Mal habe ich es gewagt und ja, einige Figuren bedürfen etwas Phantasie (Michael Jackson, Elvis Presley oder Udo Jürgens wirken schon etwas unnatürlich), andere aber haben ihren Platz in der Runde verdient. Auf drei Etagen stehen die Wachsfiguren, alle in Sichtweite nebeneinander, ich zeige euch mal ein paar aus der Rubrik vorzeigbar.

Apropos St. Pauli, ich hatte gelesen, daß es in einigen Straßen noch alte Passagen gibt, die über eine Art Hinterhof zwei parallel verlaufende Straßen miteinander verbinden. Zum wohnen sicher total schön, optisch nun ja, entscheidet selber. Bei der Suche sind mir auch gleich noch ein paar StreetArt Motive begegnet, die ich euch hier gerne zeige. Die grimmigen Herren sind Teil einer der o.g. Passagen.

Der folgende Morgen überraschte mit Sonne. Also ab ins Einkaufscenter Überseequartier, das im Frühjahr neu eröffnet hat. Von meinem Hotel ein gemütlicher Fußweg von ca. 10 Minuten. Um 09:30 Uhr ist es noch schön leer in den Gängen, genug Zeit ein paar Bilder zu machen. Optisch ist es schon ein Hingucker geworden. Da es beim Bau aber gleich mehrere, nennen wir es unglückliche Zwischenfälle gab, wurde an einer Bank vor der Türe den verstorbenen Arbeitern mit einer Tafel gedacht. Als ich später am Tag nochmal dort war (im Tiefgeschoß ist ein REWE), war es mir definitiv zu voll.

Ich laufe ein paar Ecken weiter zum Strandhöft. Ihr kennt den Teil der Hafencity vielleicht durch den Marco-Polo-Tower, der bereits 2010 gebaut wurde. Hier stehen nun auch die letzten Gebäude, lediglich die Arbeiten an einigen Wegen liefen noch. Der Weg bis an die Spitze des Strandhöfts (über Strand- bzw. Hübenerkai) ist aber seit dem Frühjahr 2025 zugänglich. Mit bestem Blick auf die Elbphilharmonie und auf den gegenüberliegenden Steinwerder Hafen, könnte man hier gut einen ganzen Nachmittag aushalten. Aber ich wollte ja weiter.

Mein nächstes Ziel war das Hamburger Rathaus, daß ich vor vielen Jahren mal besucht habe. Die Türen ins Innere und auf den Innenhof stehen offen und ich sag mal so, man sollte es sich (nochmal) mal angucken, es lohnt sich. Einige Meter entfernt liegt, aber das wißt ihr natürlich, die Alster und ich habe die eine Bank gesucht. Na gut es gab auch noch 3-4 andere, aber diese eine war nicht in Benutzung, also optimal um die Alsterfontäne und die Bäume abzulichten, die auch dieses Jahr wieder mit vielen bunten Lampignons geschmückt sind. Verpaßt habe ich (wie ich später gelesen habe) die passenden bunten Blumenbeete, aber ich sprenge ja auch so schon das Bildangebot dieses Blogbeitrags.

Jetzt hatte ich Hunger auf ein Fischbrötchen und weil die Brücke 10 an den Landungsbrücken kein Geheimtipp mehr ist, bin ich durch den alten Elbtunnel auf die andere Elbseite nach Steinwerder. Dort gibt es nämlich auch eine Verkaufsstelle der Brücke 10. Ein Brötchen mit Bismarckhering und eine Flache Astra Kiezmische waren dann auch mein Geburtstagsmahl. Ja, richtig gelesen, Geburtstag mit Blick auf die Landungsbrücken, den Michel und die Elphi. Auch wenn ihr nur wenig Zeit in Hamburg habt, nehmt euch die Zeit den alten Elbtunnel zu durchqueren (zu Fuß dauert das für die 426 m ca. 10-15 Min.) und blickt mal von der anderen Seite auf Hamburg. Ihr dürft übrigens den Autoaufzug nutzen, denn Autos fahren hier schon länger nicht mehr durch.

Erst als ich wieder zurück bin fällt mir auf, daß an der Überseebrücke ein Segelschiff liegt. Nanu, seit wann liegt denn da ein Dreimaster, das mußte ich mir näher ansehen, obwohl die dunklen Wolken nahten. Es war die Libertad, ein Schulschiff der argentinischen Marine. An den folgenden Nachmittagen konnte man das Schiff sogar besichtigen. Ich bin allerdings erstmal auf die Überseebrücke geflüchtet, denn jetzt zog so ein richtig dicker Regenschauer über den Hafen hinweg. Die sonnigen Bilder stammen daher vom nächsten Tag. Da habe ich mich zwischen Jan-Fedder-Promenade und Landungsbrücken rumgetrieben und mich auch spontan entschlossen, doch mal die Cap San Diego zu besuchen.

Die Cap San Diego, das letzte noch erhaltene Schiff einer Serie von sechs Stückgutfrachtern, die mal die Strecke nach Südamerika befahren haben, liegt als fahrtüchtiges Industriedenkmal an der Hamburger Überseebrücke. Wenn das Schiff nicht unterwegs ist, kann es von oben bis weit unter Deck als Museum besichtigt werden. Ein gekennzeichneter Weg führt vorbei an Kombüse und Salon, hinauf auf die Brücke und aufs Palaverdeck, tief runter in den Lade- und Maschinenraum. Ein Flyer und ein Audioguide für’s Handy begleiten einen über das Schiff. Da der Seegang vor Anker passabel ist, also selbst für eine Landratte wie mich geeignet.

Zum Schluß habe ich nochmal versucht in ein paar Kontorhäuser rund um das Chilehaus zu kommen. Die Treppenhäuser sind z.T. noch aus dem letzten Jahrhundert und immer ein Foto wert (hier frei aus der Hand, weil ich kein Fotostativ dabei hatte). Danach habe ich eine kleine Pause eingelegt, denn am Abend ging es noch ins Miniatur Wunderland.

Dort im MiWuLa, wie die Fans sagen, war ich ja nun schon ein paarmal, aber der letzte Besuch liegt schon auch schon wieder drei Jahre zurück. Das Zeitfenster ab 19:30 Uhr war etwas ungewöhnlich, aber frühere Karten habe ich bereits im April nicht mehr bekommen und selbst als ich um 22:45 Uhr ging kamen noch Gäste. Also alles ganz normal, bei Öffnungszeiten bis 1.00 Uhr nachts.

Ich wollte mir vorzugsweise die neuen Abschnitte ansehen. Monaco mit der Formel 1, Patagonien und die Drake Passage und nochmal den Brasilienabschnitt rund um Rio de Janeiro und den Flughafen. Besonders cool fand ich die Idee, mit der man die Hochzeit von Grace Kelly und Fürst Rainier III nachgestellt hat. Weil es 1956 nur schwarz-weiß Bilder als Vorlage gab, hat man die ganze Szenerie auch in schwarz-weiß nachgebaut.

Falls ihr mal zur Drake Passage, die Meeresstraße zwischen der Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel, kommt, bleibt dort stehen, bis es dunkel wird (im MiWuLa alle 15 Min.). Sturm und Blitze zucken über die Verbindung zw. atlantischem und pazifischen Ozean.

Nach 3 1/4 Stunden war mein Aufnahme- und Aufmerksamkeitskontingent erreicht und mein Besuch endete gegen 22:45 Uhr. Ihr meint das war’s aus Hamburg? Ja, eigentlich schon, aber ich habe noch ein dutzend Bilder, die keinem bestimmten Besuch zuzuordnen sind. Der Sieleinstieg am Baumwall zum Beispiel, die Speicherstadt, der Regenbogen am Hafen oder die bunten Lichtkuben in der U-Bahn Station Hafencity Universität. Schaut doch mal in den Fotoalben bei Flickr oder Google Photos vorbei, da finden sich noch ein paar weitere Bilder (abgesehen von den 400 auf meiner Festplatte).

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