Das Zentraldepot des LVR

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Blogbeitrag vom letzten Jahr. Ich war im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen und habe mir die neue Dauerausstellung zu eben Peter-Behrens angesehen. Wenn ihr euch nicht erinnert, hier geht’s zum Beitrag. Auch in diesem Jahr war ich wieder zu Gast in dem Gebäude, das früher mal das Lagerhaus der Gutehoffnungshütte (Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb, kurz GHH) war.

Wikipedia schreibt dazu „Die Geschichte der GHH ist eng mit dem Namen der Unternehmerfamilie Haniel verbunden, so dass der Volksmund das Kürzel gern mit Gehört Hauptsächlich Haniel übersetzte“. Seit 1998 ist der Peter-Behrens-Bau wieder ein Lagerhaus oder besser das Zentraldepot des LVR Industriemuseums. Als vor ein paar Wochen die WDR Sendung Westart aus dem Depot berichtete bin ich neugierig geworden.

Letzten Sonntag konnte ich dann, im Rahmen einer Führung, selber einen Blick in das Depot werfen. Die Führung findet übrigens immer wieder mal statt, ihr könnt euch formlos dafür anmelden (Museumseintritt + 2,- €). Der nächste Termin ist im April.

Wir steigen in den früheren Lastenaufzug, der jetzt als Personenaufzug dient, und fahren in den 3. Stock. Als sich die Aufzugtüre öffnet, fällt mein erster Blick auf einen etwas unsortiert aussehenden Haufen aus Stühlen und Kisten. Aber alles hat hier seine Ordnung.

Wenn ihr etwas älter seit, wißt ihr vielleicht noch, daß eine Zeitung früher mit Hilfe eines Setzkastens „gesetzt“ wurde, vielleicht habt ihr auch mal eine Schreib- oder Rechenmaschine bedient oder kennt noch eine Dampfmaschine. Das eine oder andere davon findet sich im Depot des LVR wieder. Auf Grund unterschiedlich dicker Zwischendecken, können im Peter-Behrens-Bau in Parterre pro Quadratmeter 5000 kg Gewicht gelagert werden.

Im 1. Stock bis zu 3000 kg, in der 2. + 3. Etage sind es nur noch 2000 kg und ganz oben, wo die Etage auch schmaler ist, nur noch 500 kg je Quadratmeter. Mittlerweile hat sich die Besuchergruppe staunend zwischen den Regalen verteilt. Koffer? Selbstverständlich. Nähmaschinen? Gleich im Dutzend. Ein ungewöhnliches Fahrrad mit Holzfelge für eine Doppelbereifung, eine Musikbox oder die Materialprobe eines Förderseils aus dem Bergbau sind da zu finden.

Unsere Begleitung, die auch den Aufzug bediente, kommt ins erzählen. Ich mag solche Führungen, die keinem starren Konzept folgen. So bekamen wir beispielsweise erläutert, wie Förderseile im Bergbau früher mit der Zeit ausleierten und demnach gekürzt oder gelängt werden mußten. Das Depot des LVR versucht hier die Zeit zu konservieren, leider fehlt es an Personal, diese Schätze auch gebührend zu pflegen.

Spätestens bei der nächsten Firmenauflösung stellt sich wieder die Frage, archivieren oder verzichten. Die Stunde verfliegt wie nichts, der Pullover riecht ein bisschen nach Lager, aber es hat sich gelohnt. Eine Auswahl der entdeckten Objekte findet ihr wieder bei Flickr und Google Photos. Da im Depot immer Bewegung ist, komme ich vielleicht nochmal wieder. Ab Mai gibt’s ja wieder eine neue Ausstellung zum 100. Jubiläum des RVR – Das Fotoarchiv des Regionalverbandes Ruhr.

5 Kommentare

  1. Auf die Fotoausstellung vom RVR ab Mai würde ich augenblicklich nicht mein letztes Hemd verwetten.
    Erstmal ist bis zum Ende der Osterferien Ruhe im Schiff, und dann schaun mer mal
    Wie gut, dass bereits jetzt feststeht, wo die Ausstellung 2021 nochmals gezeigt wird

    Antworten

    1. Ja, ich fürchte auch, das wird ein ruhiges (Ausflugs-)Jahr. Nach dem ersten Schock, habe ich innerlich auch schon mal alles bis zum Sommer abgeschrieben. Aber vielleicht schieben ja auch die Museen die Ausstellungen alle um 1/2 Jahr (oder mehr) nach hinten.

      Antworten

      1. Gute Idee, fordern wir analog zum „Nicht-Semester“ an Hochschulen ein „Nicht-Halbjahr“ von April bis September. Jeder bekommt die 6 Monate Lebenszeit gutgeschrieben…
        Was die Verschiebung von Ausstellungen anbelangt, das mag bei einigen Ausstellungen funktionieren, aber vielfach steckt so viel Logistik dahinter, dass man sie nichtmal um eine Woche verlängern kann, geschweige denn um ein halbes Jahr verschieben

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