
Das Titelbild dieses Blogbeitrags ist mittels KI generiert
Vor kurzem habe ich euch hier gefragt „Was fällt dir spontan als erstes zu meiner Wahlheimat Krefeld ein“? Die Frage hatte einen Grund, denn die Antwort sollte euch ins Grüne führen. Unter dem Motto #Heimatreisen geht es in diesem Jahr in den grünen Norden der Stadt. Die Orts-/Stadtteile Bockum, Kliedbruch, Verberg und Traar sind Teil einer Tour, Krefeld einmal anders kennen zu lernen. Das „Krieewelsch Jeföihl“ (also das Krefelder Gefühl) ist ein ganz anderes, wenn man in wenigen Minuten raus ist aus dem hektischen Teil der Stadt. 15 Min. fahre ich mit dem Rad, überquere den verkehrsreichen Europaring über eine Brücke und stehe kurz darauf mitten zwischen Bäumen und Feldern. Es geht auf Heufest Tour.




Das Naturschutzgebiet Niepkuhlen begleitet mich ein ganzes Stück entlang des Wegs. Die Niepkuhlen sind eine verlandete Altstromrinne des Rheins, die durch menschliche Eingriffe in Form von Torfabgrabungen im 18. und 19. Jahrhundert ihre heutige Gestalt annahmen und reichen bis an die Stadtgrenze Krefelds (genauer bis nach Niep). In den vergangenen Jahren mit heißen Sommern fiel der Gewässerzug leider immer wieder mal trocken. Der Fuß-/Radweg führt uns bis in den Ortsteil Traar, in die Nähe des Egelsbergs. Dazu aber später mehr. Schon am Weg hat der Bürgerverein die Bäume mit kleinen Stehlen und darauf angebrachten Tafeln versehen. Der Verberger Baumlehrpfad erzählt alle paar Meter etwas zum Bewuchs des Grünzugs. Der Besuch kostet nichts und ist rund um die Uhr erreichbar (nachts solltet ihr allerdings eine Taschenlampe mitnehmen).




Ich zweige auf halber Strecke ab, es geht in Richtung Luiter Weg und Papendyk, mein erstes Ziel ist der Kliedter Hof. Übrigens ganz viele Straßennamen enden in Krefeld auf Dyk und das heißt nicht etwa „Did You Know“ sondern bedeutete ursprünglich aufgeworfener Weg oder Damm, der durch sumpfiges Gelände führte. Gerade am Niederrhein waren viele Gebiete früher feucht und moorig, deshalb wurden Wege künstlich erhöht, sogenannte Dyke. Die Wege führen schnurgeradeaus und verbanden früher Dörfer und Höfe. Im niederländischen bedeutet das Wort Dijk heute noch Deich oder Damm.




Aber zurück zur Heufest Tour. Die führte auch zu verschiedenen Höfen. Startpunkt wie gesagt der Kliedter Hof. Ganz ehrlich, das letzte Mal, daß ich auf einem (Bauern-)Hof mit echten Tieren stand ist schon sehr lange her. Milchkühe sind im Stall links zu finden, das männliche Gegenstück im Stall rechts. Und noch eine Türe weiter sind die Kälbchen zu Hause. Ohne Kälbchen keine Milch (das weiß noch längst nicht jeder) und die gibt’s an der Milchtankstelle in Selbstbedienung. Der Hofladen bietet u.a. Obst und Gemüsen, Fleisch aus eigener Züchtung, Brotaufstriche, Kartoffeln und Eis, auch in Selbstbedienung aus dem Automaten. Bei dem Wetter kommt das wie gerufen. Für den kleinen Einkauf gibt’s sogar die Grüne- oder Vertrauenskasse. Die Ziegen und Alpakas suchen an dem Samstag wetterbedingt den Schatten oder übern sich mit den Vorderbeinen im Nichtschwimmerbecken.



Weiter geht’s zum Gemüsekollektiv. Kaum zwei Ecken weiter bewirtschaften hier drei Gärtner einen Hof mit saisonalem Gemüse und ein paar Pflaumenbäume gibt’s tatsächlich auch noch. Das besondere, die Gärtner werden incl. des Saatguts von Menschen wie du und ich finanziert. Gegen einen sagen wir mal Jahresbeitrag wird auf dem gepachteten Grundstück gepflanzt und geerntet was die Saison hergibt und die Beitragszahler profitieren vom Ergebnis. Morgens noch im Boden, Mittags schon abholbereit auf dem Tisch.







Nur wenige hundert Meter entfernt und mit dem Rad in weniger als 5 Minuten zu erreichen ist der Heilmannshof. Über den habe ich hier schon mal berichtet. Ein Bio Hofladen wie er im Buche steht, mit vielen frischen Produkten kombiniert mit einem tollen Garten. Nein kein Gemüsegarten, ein Erholungsgarten. Rhododendren, hohe Bäume, verspielte Ecken und dazwischen eingangs erwähnte Niepkuhlen, die sich auch hier durchziehen (Achtung auch ein paar Mücken). Wenn ihr in der Nähe seid, der Garten steht Kunden und Besuchern für einen Spaziergang offen. Vor der Türe gibt’s einen Sandkasten für die Kinder, ein paar Tische und Stühle, ihr werdet regelrecht zur Pause eingeladen.




Weiter geht’s zum Kampetershof, das ist das, was man auf den ersten Blick als Gärtnerei bezeichnen würde. Nachdem meine bisher bevorzugten Gärtnereien für Balkonblumen mittlerweile nicht mehr existieren, ist das hier ein vorgemerktes Ziel für meinen nächsten Balkonblumeneinkauf. Aber nichts nur Blumen, auch alles was das Dekoherz begehrt und an diesem Wochenende sogar Kunst in Form von Bildern gab es zu bestaunen. Mitten zwischen den Feldern voll Raps oder aktuell Getreide erwartet man das gar nicht, dabei waren es wieder nur ein paar hundert Meter vom Heilmannshof bis hierher.



Der Luiter Weg, beginnend am kleinen Kreisverkehr der Moerser Landstraße, ist für das Fahrrad wie geschaffen. Ruhig, wenig Autos und mitten zwischen Feldern gelegen. Wenn man ihn bis zum Hohenforsterweg fährt (sozusagen auf der Rückseite des Egelsbergs), verläßt man kurzzeitig sogar die Stadt Krefeld, deren Stadtgrenze hier verläuft. In einer unscheinbaren Linkskurve des Luiter Wegs liegt der Kirschkamper Hof. Hier muß ich gestehen, ich kannte den Hof bis zum Wochenende nicht. Ich möchte daher die Webseite zitieren „Der Kirschkamperhof richtet sich an Kinder und Jugendliche von 7 – 17 Jahren. Bei uns wird gespielt, geklettert, gelacht und Gemeinschaft gelebt. Es gibt Ferien Camps, Erlebnis Camps u.v.m.“. Jetzt weiß ich auch, warum letztens dort sogar ein Reisebus hielt.

Zum Schluß der Heufest Tour geht es auf den Egelsberg, von dem ich schon öfter berichtet habe. Heidelandschaft, Segelflugplatz und die Egelsberger Mühle vereinen sich hier zu einer Art Erholungsgebiet, daß früher auch mal Militärübungsgebiet war, kaum zu glauben. An diesem Wochenende darf ich mal in die Mühle rein und mir in der erste Etage den Veranstaltungsraum ansehen, in dem auch geheiratet werden kann. Nein ich habe da aktuell kein Bedarf, aber die Mühle von innen zu sehen ist gar nicht selbstverständlich. 2016 hat der Bürgerverein Traar e. V. die Mühle von der Stadt Krefeld angemietet, um sie durch die Stadt Krefeld, durch Zuschüsse des Landes NRW und durch Spenden zu restaurieren und zu sanieren.




Farbe und Betonschlämme wurden abgetragen, das Dach wurde neu eingedeckt, der morsche Königsbalken vor Ort restauriert, Elektrik und Toilettenanlagen erneuert und last but not least wurden die Mühlenflügel vollständig neu angefertigt. Seit 2024 sind die Sanierungsarbeiten abgeschlossen und die Mühle ist wieder ein Schmuckstück des Egelsberges. Lediglich ab und zu vergreifen sich, wie das immer so ist, Chaoten an der Mühle, werfen Scheiben ein u.ä. Möge ihnen bei der nächsten Tat sieben Jahre Pech begegnen. Zum Reiterhof Horsterhof habe ich es dann auf Grund des warmen Wetters nicht mehr geschafft und wenn ihr jetzt sagt, wir haben es auf Grund des Wetters auch nicht geschafft, bereits am nächsten Sonntag ist wieder Raderlebnistag. Dann gibt es zwar keine direkten Aktionen, aber es gibt auch wieder eine Tour durch den Norden Krefelds, und für eine Stärkung ist am Start- und Zielpunkt am Flughafen Egelsberg gesorgt.



Start ist am Restaurant Don Marcello, Eiscafé San Marco, Beerenhof Schroeder, Bäckerei Hoenen, Stadtwaldhaus mit Biergarten, Gelateria Pieruz (in Hüls) und der Steveshof sind Ziele der Tour. Wo das Café Kornblume ist muß ich erstmal selber sehen. Dann bleibt noch die Hülser Bergschänke und am Ende wieder das Restaurant Don Marcello. Es gelten die üblichen Öffnungszeiten, ansonsten dürft ihr die Tour selbst gestalten. Das war’s vom Heufest, habt einen schönen Fahrradsommer und genug „Krieewelsch Jeföihl“.
P.S.: Beinahe hätte ich es vergessen, wenn ihr nicht bis nach Traar fahrt, sondern den Niepkulen über Nieper Straße oder Kullpfad folgt oder selbigen Weg auf der Rückfahrt nutzt, dann empfehle ich euch noch den Niepkuhlensteg und die Niekuhlenbrücke, gerade letztere ist ein Fotohotspot im Krefelder Norden.




