Bericht aus Bonn

Trotz gesperrter Bonner Nordbrücke, habe ich mein Auto bereits gegen 09:30 Uhr im Bonner Parkhaus abgestellt. Ja, für einen Sonntag war das noch sehr früh, aber dafür war es unterwegs auch noch leer und was tut man nicht alles für einen Ausflugstag. 2024 war ich das erste Mal hier in Bonn und es kam mir vor wie gestern, als ich im Haus der Geschichte war, das Bundeskanzleramt und einen Teil der Bonner Rheinaue besucht habe. Leider habe ich es immer noch nicht in den Hofgarten geschafft, denn der Tag flog einfach viel zu schnell vorbei, aber fangen wir vorne an. Der Grund meines erneuten Besuchs, es war wieder Museumsmeilenfest, daß heißt viele Aktionen draußen und freier Eintritt drinnen.

Ich hatte mir die Bundeskunsthalle und dort die Ausstellung Amazônia – Indigene Welten vorgenommen sowie die neu eröffnete Ausstellung im Haus das Geschichte. Zur Ausstellung Amazônia schreibt die Webseite der Bundeskunsthalle „Als erste Ausstellung, die aus der Perspektive der indigenen Völker präsentiert wird, eröffnet AMAZÔNIA einen spannenden Einblick in dieses Territorium, seine Bewohnerinnen und Bewohner und deren Kultur“. Ich bin hin und hergerissen zwischen den Originalrequisiten, z.B. großformatiger Kopfschmuck, der bereits von Kindern getragen wird, einer Art aufwendiger Kette an der bunte Vögel hängen, Holzstämme als Grabschmuck und einfachen Masken, die speziell für Touristen hergestellt wurden.

Als ich wieder rauskomme ist es bereits wärmer geworden. Ich mache einen kurzen Abstecher auf das Dach der Bundeskunsthalle, wo bereits ziemlich viel Betrieb ist. Gerne hätte ich mich hingesetzt und den Tag ein bisschen genossen, aber wie gesagt, die Zeit ist knapp. Vielleicht müßte ich mal zwei Tage am Stück hier verbringen. Ich trage meine Jacke ins Parkhaus, dann geht’s weiter.

Zweiter Programmpunkt, die neu eröffnete Ausstellung im Haus der Geschichte. Nach meinem letzten Besuch wurde die Ausstellung komplett neu gestaltet bis hin zum Ein- und Ausgang. Diesmal ist der Zugang in der Unterführung wieder geöffnet, hier steht sozusagen im Keller ein kompletter Wagon, mit dem bereits die Bundeskanzler Adenauer, Erhard, Kiesinger und Brandt verreist sind. Daneben Adenauers Mercedes 300 an einem stilisierten Bahnsteig.

Ich bewege mich in Parterre an den bisherigen Startpunkt des Museums und wundere mich, daß ich in der Neu- und Jetztzeit stehe. Vielleicht mal fragen. Nein der Eingang ist jetzt gegenüber in der 2. Etage, da wo vorher der Ausgang war und umgekehrt. Muß einem ja auch einer sagen. Ab in die oberste Etage, hier startet das Jahr 1945. An der einen oder anderen Stelle fällt jetzt immer wieder Tageslicht in die Ausstellung, was das Fotografieren der Glasvitrinen a.G. von Spiegelungen schwierig macht. Man startet weiterhin mit der Kapitulation der Wehrmacht, den Besatzungszonen, dem Leben nach dem Krieg, der Suche nach vermissten Personen und guckt auf die Dinge, die man damals improvisiert hat.

Jetzt geht es aber vermehrt um die Darstellung der deutschen Geschichte in West und Ost, an verschiedenen Stellen wird dargestellt wie sich der Westen und wie sich im Gegenzug der Osten des Landes entwickelt hat. Vom Leben der Hausfrau, dem Arbeitsleben, der Mode und dem Spielzeug, aber auch die verschiedenen Armeen. Einige Ereignisse sind dafür in den Hintergrund gedrängt worden oder ganz aus der Ausstellung verschwunden. An verschiedenen Stellen ist dafür Interaktion gefragt. Man kann seine eigene Silhouette in Alltagsbilder einbauen, sich auf den alten und den neuen Bundestagssitzen an Umfragen beteiligen und in einem alten Plattenladen selber (virtuelle) LPs auflegen und natürlich auch reinhören.

Es geht natürlich um die Trennung 1961, um die Wochen kurz vor und nach der Wiedervereinigung 1990. Dann geht es gefühlt Schlag auf Schlag, eine alte (gelbe) Telefonzelle läd ein, eine Nummer zu drücken und Zeitgeschichte am Hörer zu verfolgen, ein Jugendzimmer mit Postern und Diddlmaus erinnert an die Jahrtausendwende, das Ende des Bergbaus ist Thema, die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Afghanistan bis hin zur Flut im Ahrtal und dem Angriffskrieg in der Ukraine incl. dem Gedenken an die gefallene deutsche Sanitäterin Savita Diana Wagner, die sich freiwillig gemeldet hatte, ums Leben kam und später ein Ehrenbegräbnis in Kiew erhielt (ihre Ausstellungsstücke sind jedoch nur ein temporärer Teil der Ausstellung).

Als ich aus dem Museum komme ist es bereits Nachmittag, schönstes Wetter, bis zum Hofgarten schaffe ich es nicht mehr, schließlich brauche ich nochmal eine gute Stunde bis ich mit dem Auto wieder zu Hause bin. Also nutze ich den Rest der angebrochenen Parkhausstunde, um noch ein Foto vom Bundesbüdchen zu machen und ein bisschen am Rhein entlang zu spazieren. Mehr Bilder findest du wieder bei Flickr und Google Photos.

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